Gondeln mit Panoramablick

Seilbahn für 15 Millionen Euro am Edersee geplant

Leuchtturmprojekt am Edersee: Karl-Harald Hesselbein auf der Aussichtsterrasse der Waldecker Burg bei der Vorstellung der Seilbahn-Pläne mit Claus Günther von der Edersee Touristic und Bürgermeister Jürgen Vollbracht. Foto: Höhne

Fünf Investoren schmieden ein ehrgeiziges Leuchtturmprojekt: Eine Seilbahn vom Edersee zum Waldecker Schloss bis zur Altstadt.

Waldeck – Das Besondere: Die Gondeln schweben kurz nach der Talstation 50 Meter über dem Edersee und klettern dann hoch über den Baumwipfeln zum Schloss und bis zur Endstation am Bürgerhaus.

Blick wie aus der Vogelperspektive

 Die Fahrt auf der 1,2 Kilometer langen Strecke soll einen Blick aus der Vogelperspektive eröffnen. Geschätzte Kosten: Rund 15 Millionen Euro. Erhebliche Vorarbeit wurde nach den ersten Überlegungen im Herbst 2018 bereits geleistet, erläutert Karl-Harald Hesselbein, Sprecher der Seilbahngesellschaft. 

Mit einer „To-Do-Liste“ des damaligen Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke machten sich die Investoren an die Arbeit. Pläne wurden vorgestellt, Gespräche mit Eigentümern von Grundstücken entlang der Strecke geführt. 

Bürgermeister Vollbracht: "Wir sehen das sehr positiv"

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt habe die Genehmigung zur Überfahrung eines Abschnitts des Edersees gegeben, auch Hessen-Mobil wegen der Querung der Randstraße und die Gemeinde Edertal als Grundstückseigentümerin seien involviert. 

Der Waldecker Ortsbeirat begrüße das Projekt. Auch die Stadt Waldeck steht dahinter. „Wir sehen das sehr positiv“, sagte Bürgermeister Jürgen Vollbracht bei der Vorstellung der Pläne. „Es gab keine kritischen Stimmen.“ In einem Schreiben an das hessische Umweltministerium habe die Stadt ihre Unterstützung bei dem Projekt bekräftigt. 

Knackpunkt: Stützmast im FFH-Schutzgebiet

Einziger Knackpunkt: Einer der acht Stützmasten soll im FFH-Schutzgebiet stehen. Hesselbein hofft, dass die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung erfüllt werden. Dazu sei das in Auftrag gegebene Machbarkeits- und Verträglichgutachten abzuwarten, das im Februar vorliegen soll. 

Die Trasse der geplanten Seilbahn führt vom Waldecker Strandbad zum unteren Schloss-Parkplatz und weiter bis zum Bürgerhaus der Stadt Waldeck. Grafik: WLZ

Aus Sicht der Investoren, die noch weitere Anteilseigner mit ins Boot holen möchten, wäre die Seilbahn ein Magnet für die Tourismusbranche und könne gleichzeitig die Verkehrsprobleme am Edersee mildern. Die meisten Ausflugsgäste unternehmen gewöhnlich eine Schifffahrt und fahren dann hinauf zur Waldecker Burg. „Wenn da die Seilbahn genutzt wird, werden Fahrten mit dem Auto oder Bussen überflüssig“, sagt Hesselbein.

Drei Millionen Euro als Startkapital

Die fünf Gesellschafter für eine neue Seilbahn am Edersee brachten 3 Millionen Euro als Startkapital ein. Weitere Anteilseigner werden noch gesucht, um das 15-Millionen-Projekt zu schultern. Bürgermeister Jürgen Vollbracht stellte in Aussicht, dass auch die Stadt Waldeck als kleine Gesellschafterin mit einsteigt.

„Allein die Seilbahntechnik kostet 10 Millionen Euro“, sagt Karl-Harald Hesselbein, Sprecher der Seilbahngesellschaft. Der Nieder-Werber setzt auf eine deutliche Attraktivitätssteigerung des Edersees durch die moderne Bahn. Fahrgäste in den Gondeln, die bis zu 32 Meter über den Baumwipfeln schweben, könnten einen atemberaubenden Panoramablick genießen aus einer Perspektive fast wie im Sportflugzeug.

Seilbahn könnte Verkehrsprobleme am Edersee entschärfen

Die Verbindung vom See zum Schloss helfe gleichzeitig, die Verkehrsprobleme zu entschärfen. Touristen, die eine Schifffahrt mit einem Besuch in der Burg oder einem Spaziergang in der Waldecker Altstadt verbinden, müssten weder Auto noch Bus nutzen. 

Die Seilbahn komme gerade recht auf dem eingeschlagenen Weg zur „smart City Waldeck“, wo so weit wie möglich auf Fahrzeugverkehr verzichtet werden soll. Die Bahn sei ein wichtiges Instrument für das vom Landkreis Waldeck-Frakenberg neu zu erstellende Verkehrskonzept am See.

Keine Schneise in den Wald schlagen

Genehmigungen des Domaniums liegen laut Hesselbein zum Seilbahn-Projekt vor, auch das Landesamt für Denkmalspflege, zuständig für die Burg, habe „grünes Licht“ erteilt. Besitzer betroffener Grundstücke hätten die Erlaubnis zum Überfahren gegeben oder einen Verkauf signalisiert. 

Schwierigkeiten für das weitere Prozedere bereite indes ein Stützmast, der im FFH-Schutzgebiet entstehen soll. „Dafür muss keine Schneise in den Wald geschlagen werden und es müssen keine Bäume gekappt werden,“ versichert Hesselbein. Der Investor hofft, dass die Voraussetzungen für eine Ausnahmegenehmigung erfüllt werden.

Artenhilfskonzept für Totholzkäfer und Fledermäuse

Hier sind allerdings dicke Bretter zu bohren, denn es handelt sich um ein naturschutzrechtlich besonders sensibles Gebiet. 

Für die dort lebenden Fledermausarten Bechsteinfledermaus und Großes Mausohr sowie die drei Totholzkäferarten Hirschkäfer, Eremit und Veilchenblauer Wurzelhalsschnellkäfer hat das Land Hessen Artenhilfskonzepte erstellt, um diese besonders zu schützen. Das Machbarkeits- und Verträglichkeitsgutachten des beauftragten Ingenieurbüros soll im Februar 2021 vorliegen und gehe dann an das Regierungspräsidium zur Prüfung.

"In Deutschland fast keine Seen mit Seilbahn"

Für die Vermarktung als Urlaubsdestination wäre die Seilbahn ein Trumpf, ist Claus Günther von der Edersee Touristic überzeugt. „Das ist eine hoch attraktive Sache, es gibt in Deutschland fast keine Seen mit Seilbahn, die außerdem noch einen Randbereich überfahren.“ Günther forderte auf, Ministerin Prisca Hinz beim Wort zu nehmen. Sie habe versichert, dass eine Erweiterung des Nationalparks nicht die Interessen des Tourismus beeinträchtigen soll.

Sieben Arbeitsplätze sollen entstehen

Die Talstation der neuen Waldecker Bergbahn ist beim Strandbad geplant, nahe dem Schiffanleger. Vorgesehen sind moderne Gondeln, die Zustieg mit Kinderwagen, Rollstuhl und Fahrrad möglich machen. Fahrgäste können an der Zwischenstation am unteren Schlossparkplatz aussteigen oder bis zur Endstation am Bürgerhaus fahren. Kalkulierte Einnahmen: 2 Millionen Euro im Jahr. Sieben Vollzeitarbeitsplätze sollen entstehen.

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