„Weser darf kein Rinnsaal werden“

Vier Landkreise wehren sich gegen Forderung der Edersee-Gemeinden

Einer der beliebtesten Radwege Deutschlands: Nutzer des Weserradwegs genießen die Fahrt am Fluss. Dessen Pegel zwischen Lauenförde und Boffzen liegt derzeit deutlich über einem Meter.
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Einer der beliebtesten Radwege Deutschlands: Nutzer des Weserradwegs genießen die Fahrt am Fluss. Dessen Pegel zwischen Lauenförde und Boffzen liegt derzeit deutlich über einem Meter.

Vier Landkreise in Niedersachsen wehren sich gegen die Forderung der Edersee-Gemeinden auf mehr Wasser im Stausee während der Saison.

  • Die Edersee-Gemeinden Edertal, Waldeck und Vöhl brachten im Schulterschluss mit Bad Wildungen eine Resolution an die Landespolitik auf dem Weg, mit dem Ziel die Wasserbewirtschaftung des Stausees zu ändern.
  • Die niedersächsischen Landkreise Holzminden, Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Nienburg weisen diese Forderung zurück.
  • Die Weser dürfe kein Rinnsaal werden, argumentieren die vier Landräte und verweisen auf die „touristische Schlagader“ der Region.

Edersee/Oberweser – Aktuell ist der Edersee bis zum Rand gefüllt. 199 Millionen Kubikmeter Wasser stauen sich derzeit vor der Sperrmauer. Von „Vollfüllung“ spricht das Wasserstraßen und Schifffahrtsamt Weser (WSA). Doch trotz der gegenwärtig günstigen Situation ist nun ein alter Streit aufs Neue entbrannt.

Während die Anrainerkommunen fordern, dass bei Unterschreitung der Wassermenge von 125 Millionen Kubikmeter im Stausee die Mindestabgabe an die Weser auf sechs Kubikmeter begrenzt wird, sehen niedersächsische Landkreise darin dramatische Folgen für den gesamten Weserraum.

Edersee in Dürresommern zeitweise nur noch zu zehn Prozent gefüllt

In den Dürresommern der Jahre 2018 bis 2020 war der Edersee zeitweise nur noch zu zehn Prozent gefüllt. Unter dem extremen Niedrigwasser litten der Tourismus und die Fremdenverkehrsbetriebe der Region. Eine solche Situation wollen die Gemeinden Vöhl, Waldeck und Edertal als Anrainer sowie die Bad Wildungen nicht wieder erleben. In einer gemeinsamen Resolution an die Landespolitik fordern sie, die Wasserbewirtschaftung der Edertalsperre zugunsten ihrer Region zu ändern.

Forderung aus Sicht der vier Landkreise nicht akzeptabel

„Diese Forderung ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel, eine solche Entscheidung würde auf der Oberweser zu einer Absenkung des Pegels bis auf 60 Zentimeter führen.“ Das schreiben die Landräte der vier niedersächsischen Landkreise Holzminden, Hameln-Pyrmont, Schaumburg und Nienburg in einem Brief an das Regierungspräsidium Kassel.

Die Weser habe für die vier Kreise eine herausragende Bedeutung: Sie sei touristische Schlagader wie auch natürlicher Lebensraum und Identifikationsanker für die Menschen. Zudem sei sie als Bundeswasserstraße wichtig für den Gütertransport. Die von den Edersee-Gemeinden angestrebte Bewirtschaftungsänderung des Sees würde die Fahrgastschifffahrt (Flotte Weser) auf dem Fluss ebenso wie die Kiesabbauunternehmen existenziell gefährden.

Weserradweg mehrfach zum beliebtesten Radweg Deutschlands gewählt

Gefährdet sehen die vier Landräte Michael Schünemann (Holzminden), Dirk Adomat (Hameln-Pyrmont), Jörg Farr (Schaumburg) und Detlev Kohlmeier (Nienburg) auch die Beliebtheit des Weserradweges, der mehrfach zum beliebtesten Radweg Deutschlands gewählt worden war.

Durch ihn kämen nicht nur viele Menschen in die Region, sie machten auch Gebrauch von touristischen, gastronomischen und Übernachtungsangeboten und bewirkten eine Wertschöpfung in einem äußerst bedeutsamen Bereich. „Die Beliebtheit des Weges und damit der touristische Erfolg der Region sind massiv gefährdet, wenn die Weser über Monate zu einem spärlichen Rinnsal wird“, heißt es in dem Schreiben wörtlich.

Auch die Weserfähren betroffen

Betroffen durch eine länger andauernde Mindestabgabe von sechs Kubikmeter aus dem Edersee in die Weser seien auch die zahlreichen Weserfähren, die ebenfalls beliebt bei Ausflüglern und Touristen seien. Auf ausreichenden Wasserstand seien auch Kanuten und Anbieter von Floßtouren angewiesen. „Vor diesem Hintergrund sprechen wir uns – stellvertretend für die Menschen in den Landkreisen – vehement gegen eine im Sinn der Edersee-Gemeinden reduzierte Wasserabgaben aus dem Edersee aus“, schreiben die Landräte.

Die Probleme durch den geringen Wasserstand des Edersees für den Tourismus vor Ort seien unbestritten. Für eine künftige Entwicklung entlang der Flüsse in Zeiten des Klimawandels müssten aber die Verflechtungen der unterschiedlichen Interessen aller Anlieger berücksichtigt und abgewogen werden. (Gerd Henke)

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