Ausflugs- und Wandertipp

Natur im Edertal: Auf der „Mehler Holz-Route“ zu Kolkraben und Langohren

Auffallend: Der Wald des Mehler Holz weist viele Moospolster und -teppiche auf.
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Auffallend: Der Wald des Mehler Holz weist viele Moospolster und -teppiche auf.

Ein Ausflugs- und Wandertipp für das Wochenende ist eine Tour auf der „Mehler Holz-Route“.

  • Die „Mehler Holz-Route“ bietet sich gerade an warmen Sommertagen an für eine Wanderung im kühlen Wald des Nationalparks Kellerwald-Edersee.
  • Auf 6,3 Kilometern führt die Route im Zeichen der Fledermaus vom Fuß des Rabensteins oberhalb des Stausees von Affoldern entlang.
  • Die Landschaft mit Moospolstern und artenreiche Heckenbeständen ist Heimat von Kolkrabe, mehreren Specht- und Fledermausarten.

Edertal-Mehlen – Ein warmer Sommertag lockt in den kühlen Wald des Nationalparks-Kellerwald-Edersee. Die 6,3 Kilometer lange „Mehler Holz-Route“ bietet Einblicke in den Wald und seine Bewohner. Start ist am Parkplatz an der Dinkelsburg, hoch über Mehlen, mit einem weiten Blick ins Edertal .

Tour im Zeichen der Fledermaus

Die etwa zweistündige Tour folgt dem Fledermaus-Symbol. Zunächst führt sie am Fuß des Rabensteins entlang, einem kegelförmigen Berg oberhalb des Stausees von Affoldern. Der Rabenstein verdankt seine Namen sicherlich dem historischen Vorkommen von Kolkraben.

Wie zur Bestätigung tauchen nach wenigen Schritten zwei der fast bussard-großen Vögel auf. Ihre charakteristischen Rufe erinnern ein wenig an Hundegebell. Der Weg führt am Waldrand vorbei, mit Blick in eine heckenreiche Kulturlandschaft. Artenreiche Blühflächen hat dort der Mehlener Jagdpächter angelegt. Am Wegrand blühen zahlreiche Heidenelken.

Auffallend sind die Moospolster im Wald

Der im Mehler Holz besonders wertvolle Bereich des Rabensteins war bereits 1991 als Naturschutzgebiet ausgewiesen worden, ehe er 2004 Teil des Nationalparks wurde. Hier sind interessante Waldbilder mit vielen Eichen zu entdecken, die auf dem flachen Schieferboden ein natürliches Vorkommen haben.

Auffällig sind die vielen Moospolster. Die alten Eichen sind Lebensraum des Mittelspechts, ein naher Verwandter des häufigen Buntspechts. Der Mittelspecht gewinnt seine Insektennahrung aber nicht wie dieser durch Hacken an Bäumen, sondern durch Absuchen der rauen Eichenrinde.

Großes Mausohr, Braunes Langohr und andere Fledermäuse

Das Fledermaus-Symbol, mit dem die Wanderroute gekennzeichnet ist, weist auf ein großes Vorkommen dieser fliegenden Säugetiere. Im Mehler Holz leben viele Fledermäuse, zum Beispiel Fransenfledermaus, Rauhautfledermaus, Großes Mausohr und Braunes Langohr. Die Fledermäuse finden Unterschlupf in Baumhöhlen, aber auch unter der abblätternden Rinde abgestorbener Bäume. Durch intensive Forschung wurden im gesamten Nationalpark 18 Fledermausarten nachgewiesen. Das sind rund drei Viertel aller in Deutschland vorkommenden Arten.

An einer Weggabelung geht es auf dem rechten oberen Weg weiter, denn auf der Info-Tafel an der Dinkelsburg wird empfohlen, entgegen dem Uhrzeigersinn zu laufen. Bald ist eine Fläche erreicht, wo schon früher Stürme etliche Bäume umgeworfen haben und die Nationalparkverwaltung zudem 2006 und 2015 gebietsuntypische Douglasien entfernen ließ.

Wildnis entwickelt sich am Rande des Nationalparks

Ein Neuntöter-Männchen ist gerade mit Futter für seine Jungen parat, eine Vogelart, die eigentlich in Agrarlandschaften mit Wiesen und Hecken anzutreffen ist. Das fortschreitende Gehölzaufkommen der Windwurffläche bietet dem Neuntöter einen Lebensraum auf Zeit, bis die Pioniergehölze wie Hirschholunder, Eberesche und auch einzelne Hecken durch Bäume abgelöst werden.

Am Waldrand bei Kleinern geht es wieder auf den Rückweg. An einer weiteren Weggabelung führt die linke Route durch den Wald zum Parkplatz. Der ehemalige Forstweg verengt sich stellenweise zu einem Pfad, und auch hier im östlichen Randbereich des Nationalparks ist die beginnende Wildnisentwicklung zu beobachten. (Wolfgang Lübcke)

Braunes Langohr: Die großen Ohren spielen eine besondere Rolle bei der Ortung seiner Beute.
Mittelspecht: Auch als Eichenspecht bezeichnet.

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