Vom Co-Trainer zum Erfolgscoach

„Mannschaft noch nie so erlebt“: Wie Eintracht Edertal unter Sebastian Brindöpke aufblühte

Übernahmen Verantwortung: Sebastian Brindöpke (rechts) brachte mit Furkan Saki (links) und Jannis Eigenbrod das Eintracht-Schiff wieder auf Kurs. Und wie.
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Übernahmen Verantwortung: Sebastian Brindöpke (rechts) brachte mit Furkan Saki (links) und Jannis Eigenbrod das Eintracht-Schiff wieder auf Kurs.

Es gab zwei, drei Topmannschaften in der Kreisoberliga Waldeck. Und ein paar Überraschungen. Und es gab Eintracht Edertal, den Phönix der Spieltage 6 bis 17.

Ganz schön viel im Kopf muss er gehabt haben in dieser Zeit Ende August. Der SV Anraff war Gastgeber der Endspiele im Waldecker Pokal, und Sebastian Brindöpke als zweiter Vorsitzender war in Sachen Organisation mit federführend – keine beneidenswerte Aufgabe in Coronazeiten.

Na ja, und im Hinterkopf immer diese Gedanken an die Kreisoberliga und den fürchterlichen Start, den die Edertaler Eintracht hingelegt hat, bei der er „nebenbei“ Fußball spielt. Der Pokal-Samstag war dann vorbei, der Sonntag sollte keine Wende bringen: 0:1 bei der bis dahin ebenfalls sieglosen FSG Buchenberg. Ein Punkt aus fünf Spielen. Die Eintracht war Letzter, und es war ihr letztes Spiel unter Günter Klose.

Der Trainer trat in der Folgewoche seinen lange geplanten Urlaub an – und durfte nach dem Beschluss des SG-Vorstands nicht mehr wiederkommen. Und schon war wieder Sebastian Brindöpke gefragt, der nicht nur als Spieler Teil der Krisenelf war und deshalb zugibt, es sei eine schwierige Situation gewesen. „Schließlich war ich Co-Trainer und immer mit Günter Kloses Entscheidungen vertraut, auch wenn er sie letztlich traf.“

Dass er selbst als Übergangslösung in Frage kommt, hatte Brindöpke gar nicht direkt auf dem Schirm. Aber sein Draht zur Mannschaft schien gut zu sein. Vorstand und Mitspieler hätten ihn gefragt, ob er sich den Trainerjob vorstellen könne. „Und wenn du einer von hier bist, dann sagst du nicht nein“; verdeutlicht der Mittelfeldspieler seine Einstellung.

Eintracht Edertal: Der Spaß kehrte schnell wieder ein

Mit Brindöpke am Ruder steuerte das Eintracht-Schiff nicht nur in ruhiges Fahrwasser, sondern vom letzten auf den sechsten Platz und damit in die Aufstiegsrunde. „Da kamen auch einige WhatsApp-Nachrichten von der SG Wesetal. Die freuen sich auf noch zwei Derbys. Damit haben die ebenso wenig gerechnet wie irgendjemand bei uns“, so Brindöpke. Er muss zugeben, er wisse selbst nicht genau, wie das alles passiert ist.

Was er tun wollte in der sportlichen Krise. weiß er freilich noch. „Es ging erst einmal darum, Stabilität in die Mannschaft zu bringen. Die Jungs hatten schon vom Kopf her gar keine Sicherheit.“ Vorne sei man stets für Tore gut, aber die Defensive habe stabiler werden müssen.

Oft habe man zusammengesessen und geredet über das, was schief gelaufen ist und das, was sich ändern muss, verrät der Interims-Coach. Er stellte fest: „Von Anfang an hat es allen gleich wieder Spaß gemacht.“ Und es gab auf Anhieb wieder Erfolgserlebnisse. 5:2 gegen Usseln, 6:1 bei der SG Edertal. Nur zweimal verlor die Eintracht noch. „Alles hat schnell wieder geklappt. So habe ich die Mannschaft noch nie erlebt“, sagt Brindöpke. Was womöglich auch für die Spiele vor der Wende gilt.

Brindöpke unter Büchse wieder Co-Trainer

Der 31-Jährige, den Jannis Eigenbrod und Furkan Saki unterstützten, registrierte, dass seine Truppe immer mehr Selbstvertrauen entwickelte und damit unter anderem auch auf die vielen unnötigen langen Bälle aus der Abwehr heraus weitgehend verzichten konnte.

Dass nicht allein die Offensive um Torjäger Maurice Senyigit den Höhenflug zu verantworten hat, zeigen die vielen Zu-Null-Spiele der Abwehr. „Carl Wiesemann, Fabian Feldmann und Lennart Straßer haben sich in der Defensive sehr ordentlich abgerackert“, lobt der mitspielende Trainer, der aber im selben Atemzug von einer geschlossenen Mannschaftsleistung spricht.

Er tut es nicht, aber er dürfte sich durchaus herausheben: Brindöpke hat die guten Geister der Eintracht wieder geweckt und dem Team geholfen, wieder ein, zwei Schalter umzulegen. Nun fühlt er sich sicher ein wenig wie damals nach dem arbeitsreichen Pokalwochenende. Nur dass diesmal der Gedanke an den Ligaalltag nicht so grausam ist. Völlig befreit könne man in der Aufstiegsrunde aufspielen, sagt der Anraffer, der Volkmarsen für den Topfavoriten hält. „Aber es ist alles wieder offen.“

Dass ab Januar Jörg Büchse die Edertaler als Trainer übernimmt („wir haben uns schon ausgetauscht“) und er wieder als Co-Trainer ins zweite Glied rückt, stellt kein Problem dar für Sebastian Brindöpke. „Nebenjobs“ hat er noch genug. (Dirk Schäfer)

Lesen Sie auch: Die Bilanz der Kreisoberliga und So lief das Hinrundenfinale

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