Markante Einzelbäume und besondere Flächen

Perlen der Landschaft: 14 Naturdenkmale im Edertal

„Keller“: Altwasserrest, bedeckt mit Wasserlinsen – ein Naturdenkmal im Edertal.
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„Keller“: Altwasserrest, bedeckt mit Wasserlinsen – ein Naturdenkmal im Edertal.

14 Naturdenkmale gibt es in der Gemeinde Edertal.

Edertal – Dazu gehören die Ziegeneiche bei Königshagen und das Schilfgebiet bei Kleinern, ein ehemaliger Kieselschiefer-Steinbruch bei Kleinern, der der eine spezielle Faltung aufweist, und der altsteinzeitliche Fund- und Ausgrabungsplatz am „Hundeköppel“ bei Buhlen. Vier weitere Flächenhafte Naturdenkmale sind für den Biotop- und Artenschutz von Bedeutung:

Ederaltarm „Keller“ bei Wellen

Gegenüber von Mandern floss die Eder früher in einem großen U-förmigen Bogen. Die Gemarkungsgrenze zwischen Mandern und Wellen verlief quer durch diese Ederschleife, von der noch eine Flutmulde zu erkennen ist. Der kleine Altwasserrest „Keller“ liegt in der Wellener Gemarkung, unweit der Straße nach Geismar.

Dort soll der Wellener Lehrer Frese im Winter gern auf Entenjagd gegangen sein, weil das Gewässer nicht so rasch zufror. Der Grund dafür ist möglicherweise eine Verbindung zur Bergheimer Thermalquelle. Als einmal das Altwasser zur Entsorgung von Gartenabfällen missbraucht wurde, griff der verstorbene Wellener Heimat- und Naturfreund Willi Müller ein und sorgte dafür, dass das Altwasser erhalten blieb.

Der „Keller“ ist in 2013 als Naturdenkmal ausgewiesen worden. Zum einen erinnert er an den früheren natürlichen Verlauf der Eder, zum anderen ist er ein Brutplatz verschiedener Wasservogelarten, zum Beispiel Teichhuhn und Krickente, sowie Laichgewässer von Amphibien. Im Frühjahr ertönt hier auch Gesang der Nachtigall.

„Klausberg“ bei Hemfurth

Die Schutzwürdigkeit des „Klausbergs“ ist besonders durch das Vorkommen der Pfingstnelke begründet. Laut Untersuchung des Diplombiologen Ralf Kubosch kommen hier etwa sechs Prozent der Pfingstnelkenbestände des Ederseetrogs vor, das entspricht zwei Prozent des hessischen Bestands. Sie wachsen auf Tonschiefer aus dem Unterkarbon. Der „Klausberg“ weist Reste eines Traubeneichen-Trockenwalds auf. Weitere typische Pflanzenarten: Nordischer Streifenfarn, Rundblättrige Glockenblume und Flechtenarten, zum Beispiel die Blasenflechte – eine Zeigerart saurer Standorte – und Strauchflechten.

Klausberg bei Hemfurth: Tonschiefer-Felsen mit umgebendem Traubeneichen.

In den ehemals als Hutewald genutzten Südhang wurden früher Kiefern eingebracht. Durch die so verursachte Rohhumusanreicherung ist die Pflanzenwelt gefährdet. Die Herausnahme von Kiefern ist daher eine wichtige Pflegemaßnahme.

„Schrummbachsrain“ bei Giflitz

Dieses Naturdenkmal liegt gegenüber der Giflitzer Grundmühle und schließt sich an den „Kalkrain“ an, der aber von anderer geologischer Beschaffenheit ist. Neben einzelnen Naturklippen sind dort durch einen ehemaligen Steinbruch Schichten aus 380 Millionen Jahre altem Tonschiefer des Mitteldevons aufgeschlossen. Nach Angaben des verstorbenen Geologen Dr. Jens Kulick enthalten diese zahlreiche Versteinerungen von Meerestieren, zum Beispiel Armfüßer (Brachiopoden) und Dreilappkrebse (Trilobiten).

Schrummbachsrain bei Giflitz: Steinbruch mit 380 Millionen Jahren altem Tonschiefer.

Botanisch bemerkenswert ist die wärmeliebende Felsgesellschaft. Laut dem Korbacher Botaniker-Ehepaar Albert und Charlotte Nieschalk gibt es ein reiches Vorkommen der in Waldeck-Frankenberg seltenen Felsenmispel – Relikt einer Wärmezeit. Zudem kommen Rosenarten vor, wie die im Kreis seltene Acker-Rose, deren Bestände rückläufig sind. Bestimmte Farnarten zählen zu den großen Seltenheiten der europäischen Flora.

„Sengelsberg“ bei Böhne

Wie ältere Menschen aus Böhne berichten, war früher dort eine Heidefläche, die mit Schafen beweidet und immer mal wieder abgebrannt wurde. Daher stammt vermutlich der Name für diesen markanten Berg. Das mundartliche Wort „sengeln“ bedeutet abbrennen. Anlass für die Ausweisung des Sengelsbergs als Naturdenkmal war das frühere Vorkommen der stark gefährdeten Kreuzkröte in der ehemaligen Sandgrube. Diese Amphibienart besiedelt als Pionierart vegetationslose bzw. -arme Lebensräume mit stark besonnten Gewässern.

Zum Erhalt der Kreuzkrötenpopulation am Sengelsberg hätte das Laichgewässer von beschattenden Gehölzen und der umgebenden Vegetation freigehalten werden müssen. Die Gehölzentnahme wäre im Rahmen einer Ausgleichsmaßnahme möglich gewesen. Da der Sengelsberg aber den rechtlichen Status von Wald hat, stoppte der zuständige Revierförster die Fällung der Bäume.

Inzwischen ist die Kreuzkröte hier ausgestorben. Der Sengelsberg hat jedoch den Charakter einer großen Feldholzinsel, die insbesondere für die Vogelwelt wertvoll ist. Eine Schutzhütte lädt an diesem aussichtsreichen Ort zum Verweilen ein mit Fernsicht auf Schloss und Stadt Waldeck, den Stausee von Affoldern, die Berge des Nationalparks, das Edertal, Bad Wildungen und Böhne.

In Waldeck-Frankenberg insgesamt 284 Naturdenkmale

Naturdenkmale sind unter Naturschutz stehende Landschaftselemente. Dabei handelt es sich um Einzelobjekte wie besondere Bäume oder Flächendenkmale von geringer Größe bis fünf Hektar. Ihr gesetzlicher Schutz begründet sich durch Seltenheit, Eigenart oder Schönheit sowie den Wert für Wissenschaft, Heimatkunde und Naturverständnis. Für die Ausweisung und Pflege der Naturdenkmale sind die Unteren Naturschutzbehörden zuständig. Die Naturdenkmalverordnung des Landkreises Waldeck-Frankenberg umfasst 284 Naturdenkmale. In der Gemeinde Edertal wurden 14 Naturdenkmale ausgewiesen, davon betreffen sechs markante Bäume und acht flächenhafte Naturdenkmale. (Wolfgang Lübcke)

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