„Petri heil“ für Fischfauna

Ederfischereiclub kämpft im Edertal seit fast 100 Jahren für den Lebensraum Fluss

Fliegenfischen in der Eder: Stefan Vogt vom Ederfischereiclub.
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Fliegenfischen in der Eder: Stefan Vogt vom Ederfischereiclub.

Seit fast 100 Jahren setzt sich der Ederfischereiclub im Edertal für den Lebensraum Fluss ein und engagiert sich für den Artenschutz.

  • Der Ederfischereiclub setzt sich im Edertal seit fast 100 Jahren für den Lebensraum Fluss ein.
  • Von der 2018 abgeschlossenen Renaturierung der Eder profitierten insbesondere die beiden Leitfischarten Äsche und Bachforelle.
  • Bei aktuellen Untersuchungen wurden insgesamt 17 Fischarten in der Eder nachgewiesen.

Edertal - Stefan Vogt vom Ederfischereiclub erläutert im Rahmen der Reihe „Natur im Edertal“, warum Fliegenfischen Pflicht ist, und wie sich die Ederrenaturierung ausgewirkt hat.

In den 1950-er Jahren Klage gegen schädliche Ausbaggerung der Eder bei Wellen

An der Bank am Ederufer zwischen Mehlen und Giflitz ist Treffpunkt. Diese ist auf seine Anregung so ausgerichtet, dass der Blick auf den Fluss fällt. An dieser Stelle gibt es einen Zugang zur Eder, weil dort im Rahmen von der Renaturierung Kies eingebracht wurde, eine wichtige Artenschutzmaßnahme für die in Kies laichenden Fischarten, insbesondere Bachforelle und Äsche.

In der Eder gefangen: Eine Äsche.

Der Ederfischereiclub, gegründet 1923, hat immer wieder für die Erhaltung und Verbesserung des Fluss-Lebensraums gekämpft. So klagte er in den 1950er Jahren vergeblich gegen die schädliche Ausbaggerung der Eder bei Wellen. 1969 protestierte er gegen die erneute Flussregulierung bei Anraff.

Wasserrichtlinie im Jahr 2000 bringt Renaturierungspläne voran

Schon lange zurück liegen seine ersten Bemühungen um Renaturierung. Er unterstützte 1993 eine Diplomarbeit mit konkreten Vorschlägen für den Bereich Affoldern. Es bedurfte jedoch erst der der im Jahr 2000 in Kraft getretenen Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, um in der Sache weiterzukommen. Von 2013 bis 2018 wurde endlich eine vorbildliche Renaturierung realisiert. Stefan Vogt lobt dabei ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit Regierungspräsidium Kassel, Planungsbüro und NABU Edertal.

Die Regeln für die Mitglieder des Ederfischereiclubs gewährleisten, dass die Menge der gefangenen Fische bestandsschonend ist: Die Fangzahl pro Mitglied ist stark begrenzt und die Fische müssen Mindestmaße haben. Stets sind nur wenige Angler am Fluss, so gibt es kaum Störungen der Tierwelt. Das Fliegenfischen „ist für uns selbstverständlich“, sagt Vogt, es sei „eine naturnahe Form des Angelns und zugleich sportliche Herausforderung.“

Leitfische Äsche und Bachforelle profitieren von Renaturierung der Eder

Die Bachforelle ist sein Lieblingsfisch. Zusammen mit der Äsche ist sie Charakterart oder Leitfisch der Eder. Eigentlich wäre die untere Eder fischereibiologisch eine Barbenregion, merkt Vogt an, aber durch den Ablass von kaltem Tiefenwasser aus dem Edersee gehört der Ederabschnitt zwischen Affoldern und der Kreisgrenze zur Äschenregion, denn die Lachsfische Äsche und auch Bachforelle brauchen kaltes, sauerstoffreiches Wasser.

Auch ein Fischer an der Eder: Der Eisvogel.

Von der Renaturierung haben insbesondere die beiden Leitfischarten profitiert, betont Vogt, aber auch Kleinfische wie Stichling und Hasel. Auch habe sich das Artenspektrum erweitert, insbesondere durch den Schneider, ein seltener Schwarmfisch, der auf der Roten Liste steht. Durch den deutlich verbesserten Strukturreichtum haben die Fische mehr Versteckmöglichkeiten, was auch den Fraßdruck der Kormorane vermindere.

Elritze wieder angesiedelt

Der Ederfischereiclub engagiert sich auch für Artenschutz. Insbesondere wurden Elritzen wieder angesiedelt, die Nahrungsfischchen des Eisvogels sind. Die aus der Orke, einem Zufluss der Eder, stammenden Tiere haben sich bereits im ersten Jahr nach dem Aussetzen vermehrt. Auch Brutmöglichkeiten für den Eisvogel wurden von Clubmitgliedern gefördert.

Durch aktuelle Untersuchungen wurden in der Eder 17 Fischarten (inklusive Zuwanderer aus Nachbargewässern) nachgewiesen. Nicht mehr vertreten ist die Barbe, weil der Fluss für die Brut zu kalt ist. Forstrat Carl Waldeck aus Bergheim (1801-1868) sind Kenntnisse über den historischen Fischbestand zu verdanken. In der Waldeckischen Gemeinnützigen Zeitschrift des Jahres 1836 hat er dazu einen Aufsatz veröffentlicht. Darin listet er 20 Arten auf, von denen allerdings einige nur selten auftraten. (Wolfgang Lübcke)

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