Start mit Bergheim und Giflitz

50 Jahre Gemeinde Edertal: Fusion erst nach langem Hickhack vollzogen

Still ruht der See – das war vor 50 Jahren anders: In den meisten Edertaler Dörfern und in Waldeck wurde wegen des Zusammenschlusses von Gemeinden im Zuge der kommunalen Gebietsreform teils heftig gestritten. Archivfoto: Matthias Müller
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Still ruht der See – das war vor 50 Jahren anders: In den meisten Edertaler Dörfern und in Waldeck wurde wegen des Zusammenschlusses von Gemeinden im Zuge der kommunalen Gebietsreform teils heftig gestritten. Archivfoto: Matthias Müller

Die Nationalparkgemeinde Edertal blickt in diesem Jahr auf ihr 50-jähriges Bestehen.

  • Die Gemeinde Edertal wurde vor 50 Jahren im Zuge der kommunalen Gebietsreform gegründet.
  • Vor der Fusion in 1971 wurde heftig gestritten und taktiert.
  • Am Ende blieben überraschend die Waldecker Nachbarn außen vor, und die Gründung der heutigen Gemeinde Edertal wurde beschlossen.

Edertal – Vorreiter waren die bis dato selbstständigen Gemeinden Bergheim und Giflitz, die sich im Zuge der kommunalen Gebietsreform in Hessen zur Gemeinde Edertal am 1. Juli 1971 zusammenschlossen. Drei Monate danach trat Gellershausen der neu gegründeten Verwaltungseinheit bei.

Kleinern liebäugelte mit einem Anschluss an Bad Wildungen

Andere Orte taten sich schwer mit dem Zusammenschluss. Um das vermeintlich Beste für ihre eigenen Gemeinden herauszuholen, begannen einige politische Vertreter zu taktieren. Vor und hinter den Kulissen begann es mancherorts zu brodeln, und es wurde monatelang kontrovers diskutiert. Am Ende des zähen und zeitraubenden Bündnis-Prozesses wurde den Gemeinden die Entscheidung mit Aussicht auf Geld erleichtert. Es winkten Vergünstigungen im kommunalen Finanzausgleich.

Am längsten dauerte es mit Kleinern. Nicht zuletzt wegen der Mineralquellen hatten der Ort lange mit einem Anschluss an Bad Wildungen geliebäugelt und mit allen Mitteln dafür gekämpft – aber ohne Erfolg. Das Wesetal-Dorf wurde per Neugliederungsgesetz des Landes der Großgemeinde Edertal mit Wirkung 1. Januar 1974 zugeordnet. Drei Jahre zuvor hatten bereits Affoldern, Anraff, Böhne, Bringhausen, Buhlen, Edersee und Hemfurth (Zusammenschluss am 1. September 1968 zur Gemeinde Hemfurth-Edersee), Königshagen, Mehlen sowie Wellen ihre Selbstständigkeit freiwillig aufgegeben. Sie bildeten ab 31. Dezember 1971 gemeinsam mit Bergheim, Giflitz und Gellershausen die Großgemeinde Edertal.

Hickhack - ausgelöst in Hemfurth-Edersee

Vorausgegangen war ein beispielloses Hickhack, ausgelöst im damals finanzkräftigen und durch die Wildpark-Gründung streiterprobten Hemfurth-Edersee. Deren politische Vertreter sahen nicht zuletzt wegen des Betriebes der Wasserkraftwerke und den kräftig sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen in einer Privilegierten-Rolle. Vorausgesetzt man einige sich auf einen Zusammenschluss, versprachen die Gemeindevertreter an die Adressen von Bringhausen, Affoldern, Buhlen, Mehlen und Gellershausen gerichtet, auf eigene Kosten ein Rathaus bauen zu wollen und eine gemeinsame Verwaltung in Hemfurth einzurichten.

Angesichts dieser verlockenden Absichtserklärung taten sich in Gellershausen noch tiefere Gräben auf. Zuvor hatten sich die Einwohner zweimal per Abstimmung für einen Anschluss an Bad Wildungen entschieden. Eine Minderheit sprach sich für eine Fusion mit Bergheim und Giflitz aus. Und obendrein folgte nun das Angebot aus Hemfurth-Edersee.

Ursprüngliches Ziel: „Fremdenverkehr-Großgemeinde Edersee“

Für reichlich Wirbel am Wesebach war also gesorgt, zumal die umtriebigen Gemeindevertreter ihre Fühler auch nach Waldeck ausstreckten. Die Hemfurth-Ederseer ließen nichts unversucht für ihr Ziel – eine „Fremdenverkehr-Großgemeinde Edersee“.

Aber Land und Kreis spielten nicht mit. Regierungsamtsmann Karl Grote vom Landratsamt zerstreute jegliche Hoffnungen. Bei einer Stadtverordnetensitzung in Waldeck im Frühling 1971 äußerte er Verständnis für den Wunsch der Bergstädter zu einer Großgemeinde am Edersee auf Basis des Fremdenverkehrs. Eine Fusion mit Hemfurth-Edersee, Affoldern, Bringhausen, Buhlen, Mehlen und gegebenenfalls Gellershausen sei aber nicht zukunftsfähig wegen zu niedriger Einwohnerzahlen.

Im Zuge der Verwaltungs- und Gebietsreform sollten leistungsfähige Kommunen unter Berücksichtigung der Siedlungsräume, Topografie und Bevölkerungszahlen gegründet werden.

Frustrierte Waldecker richteten den Blick gen Norden

Der Hemfurth-Ederseer Gemeindevorsteher Heinz-Werner Höhle sagte schließlich, dass in den Orten südlich des Edersees als auch von der Stadt Waldeck Fehler begangen worden seien. Es folgte eine Kehrtwende. Die Gemeindevertreter aus Hemfurth und Edersee sprachen sich nun wie die Delegierten aus Affoldern, Buhlen, Bringhausen und Mehlen für die Gründung einer Gemeinde Edersee aus. In Waldeck rieb man sich verwundert die Augen. Die Bergstadt spielte bei den Abstimmungen der Nachbarn plötzlich keine Rolle mehr und war sehr zum Ärger von Bürgermeister Erich Dreyer und Parlamentsvorsteher Helmut Honsberg sowie den Parlamentariern außen vor geblieben.

Während die frustrierten Waldecker wieder den Blick gen Norden nach Sachsenhausen und auf die umliegenden Dörfer nach der Abfuhr richten mussten, ebneten die Abstimmungsergebnisse entlang der Eder den Weg für die Gründung der Großgemeinde Edertal, die seit dem 21. Februar 2019 die offizielle Bezeichnung Nationalparkgemeinde Edertal trägt.

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