Große Trauer im Kreis

Kurt-Willi Julius, Vorsitzender des Förderkreises Synagoge, ist gestorben

Seine Leidenschaft: Kurt-Willi Julius in der Vöhler Synagoge, in der er weit über 100 Konzerte organisierte. Repro: zve

Kirchlottheim. Mit großer Trauer ist die Nachricht vom plötzlichen Tod des erst 60-jährigen Lehrers Kurt-Willi Julius aus Kirchlotheim in der gesamten Region aufgenommen worden.

Als Pädagoge an der Burgwaldschule, Leiter des Medienzentrums Frankenberg beim Landkreis sowie Vorsitzender des Förderkreises „Synagoge in Vöhl“ genoss Kurt Willi Julius wegen seiner hohen Sachkompetenz, seiner historisch begründeten Aufklärungs- und Versöhnungsarbeit sowie wegen seines den Menschen zugewandten Engagements hohe Wertschätzung.

Kurt-Willi („KuWi“) Julius, am 30. September 1953 in Frankenberg geboren, wuchs als Kind einer Eisenbahnerfamilie mit drei Geschwistern im Frankenberger Bahnhof auf. Sein Leben lang behielt er einen Eisenbahn-Faible bei, indem er fast alle Kontinente der Erde auf der Schiene bereiste, viele Fotos mitbrachte und für die Volkshochschule Bahn-Wanderreisen in die Schweiz organisierte.

Nach dem Abitur an der Edertalschule 1972 studierte er an der Universität Gießen Erdkunde und Englisch, unterbrochen vom Grundwehrdienst bei der Bundeswehr mit späterer Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer. Nach mehrjähriger Tätigkeit beim Lebenshilfe-Werk nahm er 1992 seinen Dienst an der Frankenberger Burgwaldschule auf, wo er bis zuletzt als Klassenlehrer unterrichtete und mit Schülern zahlreiche Geografie-Projekte anregte.

Über 100 Konzerte 

Schon früh entwickelte Kurt-Willi Julius großes Interesse an Fotografie und Medien. Er half bereits als Student in den Frankenberger Kinos der Familie Ortwein mit, begleitete didaktisch den Übergang vom Film zur digitalen Fototechnik und gab als Leiter des Frankenberger Medienzentrums sein reiches Wissen durch Fortbildungsveranstaltungen sowie die von ihm organisierten Schulkinowochen weiter.

Als 1982 der Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage in Wangershausen drohte, unterstützte Julius aktiv den Widerstand in einer Bürgerinitiative. Gemeinsam mit Karl-Heinz Stadtler war er als Vereinsvorsitzender treibende Kraft des 1999 gegründeten Förderkreises Synagoge in Vöhl. Mit rund 200 Mitgliedern gelang es ihm, das historische Gebäude zu erwerben, zu renovieren und zu einem mehrfach mit Denkmalschutzpreisen ausgezeichneten Kultur- und Begegnungszentrum neu zu gestalten.

Mehr als 100 Konzerte mit namhaften Künstlern und bis zu 3000 Besuchern jährlich hat Kurt-Willi Julius seitdem in Vöhl organisiert, Überlebende des Holocaust willkommen geheißen, Gedenkfeiern und Ausstellungen angeregt, fachkompetent unterstützt von seiner jüdischen Partnerin Barbara Küpfer. Mehr als zehntausend Zugriffe aus aller Welt monatlich hat die von ihm gepflegte Homepage der Synagoge Vöhl mit historischen Daten zur Geschichte der Juden im Kreis.

Mehrfach ausgezeichnet 

Für seine besonderen Verdienste wurde Julius 2012 mit dem Ehrenbrief des Landes Hessen ausgezeichnet. In Berlin erhielt er 2006 gemeinsam mit Karl-Heinz Stadtler den deutsch-jüdischen Geschichtspreis der Obermayer-Foundation für herausragende Beiträge zur Dokumentation jüdischer Kultur. „Seine Arbeit lebt weiter. Aber KuWi hinterlässt in unserer Region eine Lücke, die wir nur schwer schließen können“, bedauerte Stadtler in einer ersten Stellungnahme. Nach der Beisetzung im engsten Familienkreis veranstaltet der Förderkreis für den Verstorbenen eine Gedenkfeier in der alten Synagoge Vöhl am Samstag, 22. März, ab 15 Uhr.

Von Karl-Hermann Völker

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