Rate deutlich gestiegen - Angst vor Schmerzen ein Grund

Immer mehr Geburten durch Kaiserschnitt

Waldeck-Frankenberg. Immer mehr Schwangere bringen ihr Baby per Kaiserschnitt zur Welt. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat sich die Zahl der Kaiserschnittgeburten in knapp 20 Jahren verdoppelt.

Von bundesweit 663 000 schwangeren Frauen brachten im Jahr 2008 rund 30 Prozent ihr Kind auf diese Weise zur Welt. Zum Vergleich: Im Jahr 1991 lag die Rate noch bei 15 Prozent.

Auch in Waldeck-Frankenberg ist dieser Trend zu erkennen, bestätigt Dr. Istvan Szini, Leiter der gynäkologischen Abteilung im Korbacher Stadtkrankenhaus. Von 233 Entbindungen im Jahr 2009 sind 77 per Kaiserschnitt erfolgt, das sind 33 Prozent - mehr als noch vor ein paar Jahren. Medizinische Gründe sind ein wichtiger Faktor. Aber auch der Wunschkaiserschnitt spiele eine Rolle, seitdem er gesetzlich erlaubt sei, sagt Szini. Es gebe Frauen, die panische Angst vor den Geburtsschmerzen hätten. Andere hätten schlichtweg nicht die Zeit, eine Spontangeburt zu vollziehen. „Alles soll planbar sein, das ist die heutige Zeit“, sagt der Korbacher Arzt.

„Wir streben stets eine Spontangeburt an“, erklärt sein Kollege aus Bad Arolsen, Gynäkologe Dr. Ulrich Streich. Doch berge ein geplanter Kaiserschnitt mitunter weniger Risiken. Aus Gründen der Sicherheit würden immer mehr Ärzte eine defensivere Medizin betreiben. Und die Frauen seien zunehmend weniger bereit, die Schmerzen zu ertragen. Die Geburtsabteilung der Bad Arolser Klinik verzeichne eine Kaiserschnittrate von um die 30 Prozent, so Streich.

Im Frankenberger Kreiskrankenhaus sind im vergangenen Jahr 370 Kinder zur Welt gekommen, etwa 25 Prozent per Schnitt. „Vor 20 Jahren waren es zwölf bis 15 Prozent“, sagt Dr. Volker Aßmann, Chefarzt der Gynäkologie. Bei 24 Prozent liegt die Sectio-Rate im Volkmarser St.-Elisabeth-Krankenhaus: Das Geburtshilfe-Team setzt auf die natürliche Geburt - und erzielt gute Erfolge. (ler)

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