Landgericht Kassel

Nach Mord an Rentner - Urteil im Mordprozess gefallen

Vor dem Landgericht in Kassel ist ein 40-jähriger aus Fulda wegen Mordes an einem Rentner verurteilt worden. Nun kam das Urteil. 

  • Ein Mann soll einen Mord an einem Rentner in Lütersheim (Kreis Waldeck-Frankenberg) begangen haben
  • Nun stand er deshalb vor dem Landgericht in Kassel
  • Das Urteil steht fest

Kassel / Volkmarsen - Wegen Mordes an einem 79-jährigen Rentner im Volkmarsener Stadtteil Lütersheim (Kreis Waldeck-Frankenberg) hat das Landgericht Kassel gestern einen 40-jährigen Mann aus Fulda zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Prozess nach Mord an Rentner: Das Urteil am Landgericht Kassel wurde gefällt

Die 10. Strafkammer von Richter Robert Winter befand Tino S. für schuldig, in der Nacht vom 19. auf den 20. November 2018 das Opfer mit mehreren harten Schlägen auf den Kopf – vermutlich mit einer Schreckschusswaffe – so schwer verletzt zu haben, dass der Mann innerhalb weniger Minuten verblutete.

Zur Verdeckung der Straftat habe Tino S. dann an mehreren Stellen in dem Holzhaus in Volkmarsen-Lütersheim (Kreis Waldeck-Frankenberg)* Benzin verschüttet und angezündet. Das inzwischen abgerissene Haus brannte aus.

Prozess nach Mord an Rentner: Brand zur Verdeckung der Straftat

Der Verteidiger des mutmaßlichen Täters, Johann Müller, hatte wegen lückenhafter Beweisführung zuvor Freispruch gefordert.

Nach dem Großbrand in einem Wohnhaus in Lütersheim (Kreis Waldeck-Frankenberg) und dem Tod des Hausbesitzers am 20. November 2018 ermittelte die Staatsanwaltschaft Kassel wegen Mordverdachts*. Die Ermittlungen dauerten bis 2019 an. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Andreas Thöne, auf Nachfrage bestätigt, haben die rechtsmedizinischen Untersuchungen ergeben, dass der 79-jährige Bewohner an den Folgen stumpfer Gewalteinwirkung verstorben ist.

Der Prozess am Landgericht in Kassel begann Anfang 2020. Eine Google-Ortung und die Handydaten belasteten den Angeklagten schwer. Angeklagter und Opfer sollen eine Beziehung miteinander gehabt haben. Die Staatsanwaltschaft forderte für den Angeklagten eine lebenslange Haftstrafe.

Prozess nach Mord an Rentner: Angeklagter schweigt zu Tathergang

Was sich genau in den Nachtstunden vom 19. auf den 20. November 2018 in dem stattlichen Holzhaus in Lütersheim abgespielt hat, konnte das Gericht in Kassel nicht klären, denn der Angeklagte schwieg auch am 13. Verhandlungstag beharrlich. Aber wie auch immer die Details aussahen, am Ende war der 79-jährige Rentner tot, sein Holzhaus abgebrannt.

Verteidiger Johann Müller hatte in dem Verfahre um den Mord an dem Rentner n vor der 10. Strafkammer des Landgerichts eine Alles-oder-Nichts-Strategie gefahren, Freispruch für seinen Mandanten gefordert - und verloren.

Zu erdrückend waren nach Einschätzung der Kammer von Richter Robert Winter die Indizien und Beweise: Das Handy von Tino S. war ab 16 Uhr in die Funkzelle in Lütersheim eingeloggt, im Haus wurde dessen DNA gesichert. In seiner Wohnung in Fulda wurden Turnschuhe und ein Feuerlöscher aus dem Haus des Opfers gefunden, an denen das Blut des Rentners klebte. Und noch am Tattag wurde von S. in Kassel vergeblich versucht, mit den EC-Karten des Opfers Geld an Automaten abzuheben.

Prozess nach Mord an Rentner: Beichte im Polizeiwagen

Mit den anderen Geldkarten wurden Einkäufe in Tschechien und Fulda getätigt. Dabei war jeweils das Handy des Angeklagten in der jeweiligen Funkzelle. Zudem wurden passende Einkaufsbelege bei Tino S. sichergestellt. Insgesamt hatte er danach 3.054 Euro vom Konto des Opfers verbraucht.

Nach einem solchen Einkauf in einem Rewe-Markt in Fulda war er am 8. Dezember 2018 festgenommen worden, seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

In der Verhandlung hatte Tino S. kein einziges Wort gesagt. Allerdings hatte er gegenüber den zwei Polizeibeamten, die ihn am 10. Dezember von Korbach nach Kassel ins Polizeipräsidium fuhren, eine Art „Beichte“ abgelegt, obwohl er immer wieder auf sein Schweige- und Anwaltsrecht als Beschuldigter hingewiesen worden war. „Ja, ich war´s“ hatte er laut Zeugenaussage der Polizisten gesagt und Einzelheiten des Mordes geschildert.

Prozess nach Mord an Rentner: Einzelheiten der Tat bleiben im Dunkeln

Die konnten im Verfahren nicht aufgeklärt werden: Hat der Rentner den Angeklagten selbst ins Haus gelassen oder hat er ihn bei der Heimkehr überrascht? Gab es Streit und wenn ja warum und wann?

Fest steht, dass das Opfer um 22.37 Uhr noch eine E-Mail verschickte, also da noch gelebt haben muss.

Vielleicht hätte ein Geständnis vor dem Gericht in Kassel und eine Verteidigung mit dem Ziel, den Mordvorwurf vom Tisch zu kriegen und nur noch über einen Totschlag zu verhandeln, angesichts der offenen Fragen Aussicht auf Erfolg gehabt und dem Angeklagten ein „lebenslang“ erspart. So aber kam die Kammer zur Auffassung, dass es sich bei dem Mord um eine geplante Tat mit dem einzigen Ziel der Bereicherung durch den langjährigen Hartz-IV-Empfänger gehandelt hat. Das Mord-Merkmal der Habgier sah die Kammer angesichts des geringen Wertes der Beute, etwas Elektronik und Trommeln, als kaum erfüllt an, wohl aber die Verdeckung und Ermöglichung einer Straftat.

Von Thomas Stier

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Rubriklistenbild: © Uwe Zucchini/ dpa

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