Prozess am Amtsgericht Fritzlar

Polizeianwärter verhöhnt Toten mit Instagram-Video 

Bei Kassel: Polizeianwärter macht sich mit Video über Toten lustig - Prozess am Amtsgericht Fritzlar
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Auf Instagram hat ein Polizeianwärter ein Video veröffentlicht, in dem auch ein Toter zu sehen war. Dafür wurde er nun vom Amtsgericht Fritzlar verurteilt. (Symbolbild)

Weil ein Polizei-Anwärter ein Video auf Instagram veröffentlicht hat, in dem er sich über einen Toten lustig machte, wurde er nun vom Amtsgericht Fritzlar verurteilt. 

  • Polizeikommissar-Anwärter von Amtsgericht Fritzlar verurteilt
  • Staatsanwaltschaft Kassel hat ihm vorgeworfen, sich mit Video über einen Toten lustig gemacht zu haben
  • Video wurde kurzzeitig auf Instagram veröffentlicht

Fritzlar/Korbach – Wegen „unbefugter Offenbarung eines Dienstgeheimnisses mit Zugänglichmachen einer pornografischen Schrift“ hat das Amtsgericht Fritzlar einen 24 Jahre alten Mann zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt.

Der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte war Polizeikommissar-Anwärter und wurde im fünften Semester seines Studiums unehrenhaft entlassen, wie es vor Gericht hieß. Der Beschuldigte, der ohne Verteidiger erschienen war, zeigte Reue und legte zudem ein umfassendes Geständnis ab.

Staatsanwaltschaft Kassel: Video von Totem auf Instagram veröffentlicht

Die Staatsanwaltschaft Kassel hatte dem Mann vorgeworfen, als Polizei-Anwärter in den Räumen der Regionalen Kriminalinspektion Korbach ein Video gefertigt zu haben, das Inhalte aus einem dienstlichen Vorgang zeigt. 

Es ist das Bild eines nach einem Kapitalverbrechen verstorbenen Mannes mit erigiertem Geschlechtsteil. Das Video hatte der Beschuldigte laut Anklage im Mai vorigen Jahres über seinen Instagram-Account einer Vielzahl von Personen zumindest für die Dauer von 31 Minuten zugänglich gemacht – unter dem Motto „spektakulärer neuer Fall“.

Staatsanwaltschaft Kassel:  Angeklagter zeigt Reue

„Ich will mich nicht aus der Schuld ziehen“, sagte der Polizei-Anwärter nach dem Verlesen der Vorwürfe von der Staatsanwaltschaft Kassel, die er mit dem Wort „richtig“ kommentierte. Der Vorgang mit dem Mordermittlungsverfahren sei in einer Laufmappe gewesen, für das sein Kommissariat, in dem der tätig war, gar nicht zuständig gewesen sei. Man habe sich über den Mann auf Instagram lustig gemacht, weil er homosexuell gewesen sein solle.

„Ich bin kein Krimineller“, beteuerte der 24-jährige Angeklagte bei seinen Ausführungen und sagte zu den Vorwürfen: „Ich bin ein Ass im Strafrecht und verstehe selbst nicht, warum ich das gemacht habe.“ Er sei im fünften Semester kurz vor dem Abschluss gewesen. „Ich muss jetzt doppelt so viel arbeiten“, sagte er. Er arbeite derzeit als Servicekraft in der Gastronomie und hoffe, im Herbst eine Ausbildung bei einem Autokonzern beginnen zu können.

Staatsanwaltschaft Kassel: Foto „in lächerlicher Art der Öffentlichkeit zugänglich gemacht“

Nach Bekanntwerden der Straftat habe die Staatsanwaltschaft Kassel das Auto des Polizei-Anwärters und auch das Haus seiner Eltern durchsucht. Zwei Tage später habe er dann „zur Zentrale“ nach Wiesbaden gemusst: „Man hat mir alles weggenommen.“ Seine bisherigen Dienstbezüge von 21.600 Euro müsse er zurückbezahlen: „Das ist alles ganz hart.“ Auf die Frage von Richterin Corinna Eichler, ob man ihn rausgeschmissen habe, antwortete er: „Ganz kalt.“

Die Staatsanwältin erklärte, der Beschuldigte habe den Bezug zu einem Kriminalfall und das Foto des Opfers eines Kapitaldelikts auf Instagram „in lächerlicher Art der Öffentlichkeit zugänglich gemacht“. Der Inhalt der Anklage habe sich bestätigt. Sie beantragte eine Strafe von 180 Tagessätzen zu je 40 Euro.

Richterin Eichler entschied 80 Tagessätze. Der Angeklagte habe ein „Geständnis ohne Wenn und Aber“ abgelegt und Reue gezeigt. Er müsse seinen Lebensweg nunmehr komplett neu überdenken. Ob er das Urteil annimmt, weiß der 24-Jährige noch nicht. Am Ende des Prozesses sagte er: „Ich bedanke mich, einen schönen Tag.“

VON MANFRED SCHAAKE

Bei einem anderen Prozess am Amtsgericht Fritzlar (Nahe Kassel) hat das Schöffengericht einen 25-Jährigen wegen Wohnungseinbruchdiebstahls zu einer Gesamt-Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt.



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