Ministerium prüft, ob Korbach  Voraussetzungen für „Hansestadt“ erfüllt

Westfälischer Hansebund: Die Übersicht zeigt alle Mitglieder. Korbach (rechts unten) ist als einzige hessische Stadt mit im Bunde. Grafik: nh

Korbach. Als einzige hessische Stadt möchte Korbach die Zusatzbezeichnung „Hansestadt“ erhalten. Nach einstimmigem Beschluss der Stadtverordneten soll die Verleihung nun beim Hessischen Innenministerium beantragt werden.

Das Verfahren ist allerdings mehr als eine bloße Formalie. Zunächst wird geprüft, ob Korbach tatsächlich die Voraussetzungen erfüllt.

Bei der Verleihung werden nach Angaben des Ministeriums strenge Kriterien angelegt. Keine Berücksichtigung könne eine „allgemeine“ Bezeichnung finden, die auch auf andere Gemeinden zutreffe und daher den Anschein eines Reklamezwecks erwecke (etwa Kur- oder Messestadt). Auch Anträge, die darauf abstellen, dass in der Gemeinde ein Wirtschaftszweig stark vertreten oder ein bekannter Gewerbebetrieb ansässig ist, sind nicht genehmigungsfähig (etwa Opelstadt).

Die Verleihung eines Zusatznamens habe nicht den Sinn, die Erlangung von Wettbewerbsvorteilen zu ermöglichen. Vielmehr müsse sie auf einen ganz besonderen, in gewissem Sinn einmaligen Tatbestand der Gemeinde Bezug nehmen.

„Ein Rechtsanspruch auf eine Verleihung besteht nicht“, stellte das Innenministerium auf Anfrage unserer Zeitung klar. Eine - wie im Falle Korbach - auf der geschichtlichen Vergangenheit der Stadt beruhende Bezeichnung könne nur verliehen werden, „wenn die Stadt in einem ganz besonderen, weithin bekannten Maße mit einem geschichtlichen Ereignis verknüpft ist oder eine geschichtliche Rolle gespielt hat“. Zudem sollte noch heute Interesse daran bestehen, die Erinnerung daran wachzuhalten.

Nach der Hessischen Gemeindeordnung kann der Innenminister Gemeinden Bezeichnungen verleihen, die auf der geschichtlichen Vergangenheit, Eigenart oder Bedeutung der Gemeinden beruhen. Über die Verleihung entscheide er auf Antrag.

Aus der Presse sei dem Ministerium bekannt, dass Korbach die Bezeichnung „Hansestadt“ beantragen wolle. Der Stadt sei bereits mitgeteilt worden, dass mit dem Antrag eine Stellungnahme des Staatsarchivs Marburg vorzulegen ist. Diese werde im Antragsverfahren wegen der historischen Einschätzung von Bedeutung sein.

Stellungnahme Staatsarchiv

Ab wann Waldeck-Frankenbergs Kreisstadt offiziell den Namen „Hansestadt“ tragen darf, ist noch offen. Da der Antrag der Stadt Korbach und die Stellungnahme des Staatsarchivs Marburg noch nicht vorliegen, betonte Ministeriumssprecherin Claudia Spruch, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage über die zeitliche Abfolge und über die Erfolgsaussichten getroffen werden.

Das sagt die Stadt Korbach

Dass Korbach zur Hanse gehörte, da gibt es für die Korbacher keinerlei Zweifel. Wegen der erforderlichen Stellungnahme habe man bereits Kontakt mit dem Staatsarchiv Marburg aufgenommen, berichtete Hauptamtsleiter Karl-Helmut Tepel. Eine Antwort liege noch nicht vor. Der historische Nachweis zu Korbachs Hanse-Zugehörigkeit stamme aus Lübeck, wo sich die Geschäftsstelle der Hanse der Neuzeit befinde. Zudem werde in einer Kommentierung zur Hessischen Gemeindeordnung Korbach als „Hansestadt“ genannt. (aha)

Hintergrund

In Waldeck-Frankenberg haben bereits zwei Städte eine Zusatzbezeichnung: Korbach darf sich seit 1977 „Kreisstadt“ nennen, Arolsen seit 1997 Bad. Weitere Städte mit Zusatzbezeichnung im Land Hessen sind (Auswahl)

• Landeshauptstadt Wiesbaden

• Universitätsstadt Gießen

• Universitätsstadt Marburg

• Barbarossastadt Gelnhausen

• Wissenschaftsstadt Darmstadt

• documenta-Stadt Kassel

• Liebenbachstadt

Spangenberg

• Dom- und Kaiserstadt Fritzlar

• Schöfferstadt Gernsheim

• Brüder-Grimm-Stadt Hanau

• Konrad-Zuse-Stadt Hünfeld

• Karolingerstadt Lorsch

• Friedrich-Ludwig- Weidig-Stadt Butzbach.

Von Andreas Hermann

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