Spanische Auszubildende über ihren Start in Willingen

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Auch die Lehrbücher sind auf Deutsch: Die Sprache ist für Erster Carrasco und Samuel del Castillo die größte Hürde beim Start in Willingen.

Willingen. 19 Auszubildende aus Spanien lernen in Upländer Lokalen und Hotels. Ester Carrasco und Samuel del Castillo sind zwei von ihnen. Hier berichten sie über ihr Leben in Spanien und ihren beruflichen Neuanfang Deutschland.

"Ich spreche nicht gut Deutsch. Willkommen", sagt Ester Carrasco und lacht. Die Spanierin setzt sich auf die in eine lilafarbenen Decke gehüllte Couch. In der linken Hand hält sie ihr weißes Handy. "Da ist das Wörterbuch drauf", sagt sie und tippt. "Wie sagt man das gleich? Das ist alles zweite Hand", erklärt sie und zeigt auf die Möbel.

Der Sofatisch stand einst an einer Willinger Straße, die gelb gepolsterten Stühle sind von der Cheffin ihres Freundes Samuel del Castillo. "Viele helfen uns", sagt Carrasco. Es ist Hilfe, die das Paar bei seinem Neustart in Deutschland gerne annimmt. Carrasco und del Castillo sind zwei der 19 spanischen Auszubildenden, die seit September in der Upländer Gastronomie und Hotellerie lernen. Zusammen wohnen sie in der Ortsmitte.

Die 26-Jährigen sind seit drei Jahren ein Paar. In dieser Zeit haben sie viel durchgemacht. Castillo ist gelernter Klempner. Er ist seit Monaten ohne Job, als er sich zum Umzug nach Deutschland entschließt. Seine Freundin schlägt sich in Madrid mit schlecht bezahlten Praktika durch. Die studierte Journalistin jobt in einer PR-Agentur und schreibt für ein Internet-Magazin. Eine Festanstellung ist nicht in Sicht. Beide wollen weg. Raus aus einem Land, das ihnen keine berufliche Perspektiven bietet. Sie wollen nach Deutschland, nach Berlin. "Dort wohnt eine Freundin von uns", erklärt del Castillo. Doch diesen Gedanken verwerfen sie schnell. "Sich alleine in Berlin durchzuschlagen, wäre bestimmt schwierig", sagt Carrasco.

Im Sprachkurs in Madrid hört das Paar von dem Programm "The Job of my life" (Der Job meines Lebens). Es vermittelt Ausbildungsplätze in Deutschland. Beide entscheiden sich für Willingen. Für del Castillo wird ein Traum wahr. "Ich wollte schon immer Koch werden", sagt der 26-Jährige. Er arbeitet in Göbels Landhotel und ist begeistert. "Das ist für mich perfekt". Carrasco wird Hotellfachfrau, ihr Ausbildungsbetrieb ist der Upländer Hof. Beide fühlen sich wohl in ihren neuen Berufen, wohl im Upland. Ein Problem gibt es aber: die Sprache. "Deutsch ist schwierig", sagt del Castillo. Besonders die richtige Betonung. Carrasco kennt das. "Es gibt Zeiten, da kann ich nicht so gut sprechen, wie ich gerne will. Aber die Leute sind dann geduldig", sagt sie und legt das Handy aus der Hand.

Von Anke Laumann

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