TenneT investiert Millionen in Umspannwerk

Bei Twiste gibt es eine wichtige Zufahrt zur europaweiten Strom-Autobahn

Drei Männer mit gelben Warnwesten und weißen Schutzhelmen stehen vor einem grauen Transformator der Firma Siemens im Maxi-Format.
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Mitarbeiter des Netzwerkbetreibers TenneT montieren auf dem Gelände des Umspannwerkes Twistetal einen Großtransformator für Spannungen zwischen 110 und 380 Kilovolt

Der Stromnetzbetreiber TenneT modernisiert seit Anfang 2021 bis Ende 2022 das mehr als 40 Jahre alte Umspannwerk zwischen Twiste und Mengeringhausen und macht es fit für die Energiewende.

Twistetal – Auf dieser Großbaustelle wird buchstäblich unter Hochspannung gearbeitet: Als die Anlage bei Twiste gebaut wurde, gab es überall in Deutschland Großkraftwerke, die Kohle, Braunkohle oder Kernkraft betrieben wurden und vergleichsweise ortsnah für genau den Bedarf Strom produzierten, der regional benötigt wurde.

Die überregionalen Stromtrassen, die das deutsche Netz mit dem europäischen Verbundnetz verbanden, waren überwiegend nur als Rückversicherung bei Kraftwerksausfällen und zum Ausgleich von regionalen Spitzen notwendig.

Windparks an Rhein-Main-Region anschließen

Das hat sich inzwischen grundlegend geändert, wie TenneT-Sprecher Markus Lieberknecht erläutert: „Nach dem Atomausstieg bereiten wir uns nun auf den Kohleausstieg vor.“

In dem Maße, in dem Großkraftwerke vom Netz genommen werden, kommen immer mehr Kleinkraftwerke, vor allem Windparks wie die im Großraum Paderborn ans Netz.

Herzstücke sind die Transformatoren

Deren Strom wird zunächst ins 20-Kilovolt-Netz der örtlichen Stromversorger eingespeist und vor dort hochtransformiert auf die 110-KV-Ebene. Das Umspannwerk zwischen Twiste und Mengeringhausen bedient die 380-KV-Ebene, vergleichbar mit einer Stromautobahn. Die höhere Spannung ermöglicht den verlustärmeren Stromtransport in andere Regionen des Landes.

Sie arbeiten in schwindelerregender Höhe: Experten aus Frankreich für den Trassenbau im Waldecker Land.

Herzstücke eines jeden Umspannwerks sind die Transformatoren. Sie verbinden die Stromautobahnen von TenneT mit den Strombundesstraßen und sorgen dadurch für eine sichere Stromversorgung rund um die Uhr, bei jedem Wetter und an 365 Tagen im Jahr.

Teil eines wichtigen Verbundnetzes

Lieberknecht: „Aufgrund des erfolgreichen Ausbaus erneuerbarer Energiequellen und der Prognosen für die kommenden Jahre, müssen die Umspannkapazitäten und auch bestehende Leitungen modernisiert werden. Während früher Strom von den großen Kraftwerken zum Verbraucher in einer Art Einbahnstraße transportiert wurde, ändern sich heute die Richtungen der Lastflüsse je nach Wetterlage.“

Außerdem lässt das Bayreuther Unternehmen seit einigen Monaten auch die Hochspannungsleitung von Twistetal vorbei am Pumpspeicherkraftwerk am Edersee bis hin nach Borken und weiter nach Mecklar und Erfurt erneuern. Die Notwendigkeit dieser Maßnahme wurde erst zu Beginn des Jahres von Bundestag und Bundesrat wiederholt bestätigt.

Bauteile müssen höchsten Anforderungen genügen

Das Umspannwerk und das Leitungsnetz sind redundant ausgelegt. Das heißt, es gibt immer zwei Leitungen, die die Trasse bedienen. Wenn die eine Leitung wegen Bauarbeiten stromlos ist, übernimmt die zweite Leitung den Stromtransport. So sind in diesen Wochen schwindelfreie Arbeiter aus Frankreich bei jedem Wind und Wetter auf einer Seite der Strommasten mit dem Leitungsaustausch beschäftigt. Die andere Seite wird zu einem späteren Zeitpunkt ausgetauscht.

So ein Leiterkabel aus Aluminium ist für Ströme bis 1000 Ampere und Temperaturen von 80 Grad ausgelegt.

Eingebaut werden Hochleistungsleitungen mit einem Kern aus Stahl und einem Drahtgeflecht aus einer speziellen Aluminiumlegierung. Die Leitungen müssen im Dauerbetrieb Ströme von bis zu 1000 Ampère transportieren und können sich dabei auf bis zu 80 Grad aufheizen.

Blick in die Porzellanabteilung: Diese Keramik-Isolatoren halten Zugkräften von über 25 Tonnen stand.

Besondere technische Anforderungen müssen auch die dicken Isolatoren erfüllen, die an jedem Masten die Leitungen halten. Hier wirken Zugkräfte von bis zu 50 Tonnen, die jeweils auf zwei Isolatoren-Paare verteilt. Für den Laien schwer vorstellbar: Die Isolatoren bestehen nur aus Keramik und halten dennoch über viele Jahrzehnte. (Elmar Schulten)

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