Diskussion im Ausschuss

Höhere Kosten durch Erschließung des Wilke-Areals in Berndorf befürchtet

Bauausschuss für Rückbau der ehemaligen Wurstfabrik Wilke in Berndorf.
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Bauausschuss für Rückbau der ehemaligen Wurstfabrik Wilke in Berndorf.

Der Bauausschuss der Gemeinde Twistetal hat dem Rückbau auf dem gesamten Areal von Wurst-Wilke in Berndorf grundsätzlich zugestimmt. Es kommen Zweifel auf.

Twistetal – Am Montagabend wurde einstimmig dafür votiert. Die von der Gemeinde vorzufinanzierenden Kosten für die Revitalisierung werden nach einer am 22. Juni verabschiedeten Vorlage des Gemeindevorstandes mit insgesamt 51, Millionen Euro beziffert.

Neue Rechnung

Nach Abzug der inzwischen beantragten Fördermittel aus dem Europäischen Strukturfonds (EFRE) von 1,5 Millionen Euro und Strukturfördermitteln des Landkreises von 500 000 Euro würde zunächst ein Eigenanteil von zwei Millionen Euro verbleiben.

Die Kosten für den Rückbau, für die das Land Hessen bereits eine Förderung angeboten hat, werden mit allein 3,3 Millionen Euro beziffert. Weitere 741 000 Euro sind von der NH Projektstadt in der am 14. Juni öffentlich vorgestellten Machbarkeitsstudie aufgelistet worden. Wegen der vorhandenen Kanalleitungen ist der Erschließungsaufwand laut NH Projektstadt niedriger.

Wie hoch sind Kosten wirklich?

Der Gemeindevorstand listet zudem Kosten für technische Anlagen von 707 000 Euro, für die Projektentwicklung von 250 0000 Euro und für die Finanzierung von 55 500 Euro vor. In einem früheren Beschlussvorschlag des Gemeindevorstands vom 17. Juni wird lediglich von Kosten von 3,3 Millionen Euro zur „Bereinigung“ der Fläche geschrieben.

Dennoch stimmte der Bauausschuss am Montag der Empfehlung zu, gestern befasste sich der Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss mit dem Thema. Am 12. Juli wird die Gemeindevertretung voraussichtlich eine Entscheidung treffen.

Chancen und Risiken

Wie in der WLZ berichtet, bietet sich laut Machbarkeitsstudie der NH Projektstadt eine neue Entwicklungschance auf dem 30 000 Quadratmeter großen Wilke-Gelände. für Gewerbe, Wohnen und barrierefreie Gebäude für die älter werdende Bevölkerung. Die Ausgaben rechneten sich laut NH Projektstadt sowohl für Investoren als auch für die Gemeinde.

„Es gibt Risiken, aber auch Chancen“, sagte dazu Heiko Griese (CDU), „Wir müssen jetzt handeln, wir täten sonst weder Berndorf noch der gesamten Geneinde einen Gefallen, daher müssen wir Einigkeit zeigen und keine Kriegsschauplätze aufmachen“, mahnte Griese.

Steuerliche Vorteile

Fraktionskollege Rolf Jäger rechnete nach Rücksprache mit seinem Steuerberater vor, dass sich sogar ein Steuervorteil von 500 000 Euro ergeben könne, der den Aufwand für die Immobilien- Entwicklungsgesellschaft der Gemeinde verringern könne.

Bürgermeister Stefan Dittmann wies dagegen nach Beratungen mit einem anderen Steuerbüro auf ein anderes Bild, das sich bei der steuerlichen Bewertung ergebe.

Kanal brauchbar oder marode?

Zweifel ergeben sich bei FWG und SPD im Hinblick auf die Kosten für Abriss und Erschließung. Patrick Paul (SPD) vermisst ein Gutachten über den Abriss, schließlich könne sich bei den Arbeiten etwa herausstellen, dass deutlich mehr Aufwand für die Beseitigung von Beton ergebe.

Marcel Fingerhut (FWG) bezeichnete die Kanalisation auf dem Wilke-Gelände im Gegensatz zur Einschätzung in der Machbarkeitsstudie als nicht mehr nutzbar. Auch Stefan Dittmann rechnet damit, dass die über 40 Jahre alten Leitungen ausgetauscht oder stillgelegt werden müssten.

Details fehlen

Die Studie sei eher eine „Oben-drauf-Sicht“, zu der sich noch einige Fragen ergäben. Der Finanzbedarf für Rückbau und Erschließung müsste noch genau ermittelt werden.

„Wir müssen erst mal was auf den Tisch legen“, sagte Jörg Marpe (FDP). „Es kann auch ein Plus für die Gemeinde geben.“

Tempo angemahnt

Unerwartet und eher als Randbemerkung kam dieser Hinweis in der Sitzung des Bauausschusses: „Die Konversion des Wilke-Geländes in Berndorf funktioniert nur, wenn das Konzept dafür schnell umgesetzt wird, sonst können sie es vergessen“, erklärte Dipl.-Ing, Peter H. Kramer,.

Der Fachmann für Stadtentwicklung stellte seine400 Seiten umfassende Studie zur Berechnung ders Kinderbetreuungsbedarfes vor.

Diese Vorteile werden vorausgesagt

Die NH Projektstadt beziffert den Eigenanteil der Gemeinde nach Abzug der Zuschüsse und dem Verkauf der baureifen Grundstücke für die Entwicklung des Wilke-Geländes mit einer Million Euro.

Dabei nehme die Zahl der Arbeitsplätze um 230 bis 285 zu und bsei mit 120 bis 150 Einwohnern mehr zu rechnen. Für Investoren sei der Geldeinsatz rentabel.

Fachleute einspannen

Die NH Projektstadt rät der Gemeinde, das Projekt nicht allein mit dem Bauamt abzuwickeln, sondern fachlichen Rat für das große Vorhaben einzuholen . Dabei müsse dann auch geklärt werden, ob die Gemeinde oder die Immobilien-Entwicklungs-Gesellschaft, die das Gelände bereits erwarb, Projektträger sei. (Armin Haß )

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