Umweltministerin Priska Hinz besichtigt einzigartiges Projekt zur Rettung der Bachmuschel

Eder bei Schmittlotheim: „Wunderbare Renaturierung“

Bachmuschelprojekt: (von links) Christoph Dümpelmann vom Büro für Fischbiologie und Gewässerökologie, Umweltministerin Priska Hinz, Grünen-Landtagsabgeordneter Jürgen Frömmrich, Bürgermeister Karsten Kalhöfer.
+
Bachmuschelprojekt: (von links) Christoph Dümpelmann vom Büro für Fischbiologie und Gewässerökologie, Umweltministerin Priska Hinz, Grünen-Landtagsabgeordneter Jürgen Frömmrich, Bürgermeister Karsten Kalhöfer.

An der Eder bei Schmittlotheim lebt die einzige sich noch reproduzierende Bachmuschel-Population im gesamten Weser-Einzugsgebiet. Die dort erfolgten Renaturierungsarbeiten besichtigte nun Umweltministerin Priska Hinz.

Vöhl - Schmittlotheim – Damit die Bachmuschelpopulation sich in der Eder bei Schmittlotheim weiter fortpflanzen kann, fanden dort 2017 und 2021 umfassende Arbeiten zur Renaturierung des Flusses statt. „Das einzigartige und vorbildliche Projekt“, wie es Vöhls Bürgermeister Karsten Kalhöfer bezeichnete, besichtigte Umweltministerin Priska Hinz am Donnerstag – angetan über die „wunderbare Renaturierung“.

Mit Blick auf die neu vertieften Areale im Fluss bei Schmittlotheim sowie die geschaffenen Kiesinseln und den neuen Nebenarm der Eder sagte Priska Hinz: „Hier fühlen sich nicht nur die Bachmuscheln wohl, sondern auch zahlreiche Wirtsfische, die die Bachmuschel für ihre Entwicklung von der Larve zum erwachsenen Tier benötigt.“ Denn der neue Nebenarm dient auch als Laich- und Lebensraum für Fische in unmittelbarer Nähe zu dem Bachmuschelvorkommen, der die Population der Bachmuschel stabilisieren und stärken soll, erklärte Christoph Dümpelmann vom Büro für Fischbiologie und Gewässerökologie bei der Besichtigung der Arbeiten, die 2017/18 und 2020/21 vorgenommen worden waren. Langfristiges Ziel ist auch, einen Biotopverbund zu entwickeln und einen genetischen Austausch mit anderen Populationen zu ermöglichen.

„Der Verlust der biologischen Vielfalt ist eng verknüpft mit der Klimakrise. Nur, wenn wir beides angehen, haben auch wir Menschen eine Zukunft. Deshalb ärgere ich mich immer über die in die Irre führende Diskussion über die Kosten für Naturschutz. Alles andere kostet viel mehr – auch Menschenleben“, betonte die Ministerin: „Ich hoffe, dieses Projekt macht Schule“.

Wichtiger Beitrag zu sauberem Gewässer

Früher häufig, gehört die Bachmuschel durch den problematischen Zustand vieler Gewässer aktuell zu den besonders gefährdeten Arten, ist in Hessen als „potentieller Klimaverlierer“ gelistet. Eine Bachmuscheln reinigt bis zu 40 Liter Wasser am Tag und leistet damit einen wichtigen Beitrag zu sauberen Gewässern. Für die Reproduktion sind sie als Kiemenparasit auf Wirtsfische angewiesen. Die Bachmuscheln in der Eder bei Schmittlotheim wurden von Rolf Zölzer vom örtlichen Fischereiverein entdeckt. Sie hatten gute Lebensbedingungen in den einst bis zu vier Meter tiefen Baggerlöchern gefunden, die in den 1960 Jahren durch Auskiesungsarbeiten entstanden sind.

Nachdem die Löcher sich nach und nach wieder aufgefüllt hatten, verlor die Bachmuschelpopulation zunehmend ihren Lebensraum. In zwei Bauabschnitten wurden 2017/18 und 2020/21 die Baggerlöcher wieder vertieft, außerdem entstanden Kiesinseln und ein neuer, rund 300 Meter langer Nebenarm zur Eder, die dem Vorkommen der bedrohten Bachmuschel und den benötigten Wirtsfischen in der Eder nun einen wertvollen Lebensraum bieten. (md)

Das Regierungspräsidium Kassel hat die Arbeiten in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Vöhl, dem Landkreis Waldeck-Frankenberg, Ortsbeirat Schmittlotheim, örtlichen Fischereiverein, Forstamt sowie Planungsbüros und Bauunternehmen umgesetzt. Die Kosten in Höhe von rund 544 000 Euro wurden finanziert aus dem Topf des „Integrierten Klimaschutzplans“ des Landes Hessen.

Dr. Christian Henschke vom RP Kassel lobte den „engen Schulterschluss“ und die „konstruktive, sehr zupackende Kooperation“ unter allen Beteiligten. Bürgermeister Karsten Kalhöfer dankte allen Mitstreitern für „den hervorragenden Job“.

Der Schmittlotheimer Künstler Ralli Müller hat eine Bachmuschelskulptur geschaffen. Sein Großvater hatte in den 1960er Jahren die Kiesausbaggerungen betrieben.

Die Bauarbeiten an der Eder konnten nur in den Herbst- und Wintermonaten stattfinden. Das war im vergangenen Winter mit eisigen Temperaturen insbesondere für die Maschinenführer und die eingesetzten Maschinen eine spannende Herausforderung, wie Klaus Gräbe von der Firma Gra-Bak-Bau erklärte.

Der Schmittlotheimer Künstler Ralli Müller hat eine Bachmuschel-Skulptur geschaffen, die an der alten Dreschhalle aufgestellt ist. Die Absolventen der Kasseler Kunsthochschule, Karolin Twiddy und Filip Dippel, schufen einen Animationsfilm über „Die Bachmuschel – gefährdete Art“ – beides fand großen Anklang. (Von Marianne Dämmer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.