HNA-Serie „Faszination Oldtimer

Lothar Brunst aus Niederorke und ein Motorrad zum Rinderfangen

Unzertrennlich seit 40 Jahren: Lothar Brunst aus Niederorke und seine Yamaha XT 250, Baujahr 1981. Viel Freude hat der heute 63-Jährige mit ihr im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Und auch Kurioses erlebt.
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Unzertrennlich seit 40 Jahren: Lothar Brunst aus Niederorke und seine Yamaha XT 250, Baujahr 1981. Viel Freude hat der heute 63-Jährige mit ihr im wahrsten Sinne des Wortes erfahren. Und auch Kurioses erlebt.

Das Thema Mobilität begeistert viele Menschen. Aber dazu zählen nicht nur moderne Fahrzeuge. Eine große Faszination üben Oldtimer aus. In unserer Serie „Faszination Oldtimer“ stellen wir Besitzer mit ihren Fahrzeugen vor.

Niederorke – Mehr als ein halbes Leben ist die Yamaha XT 250 ein treuer Wegbegleiter von Lothar Brunst. Seit 1981 besitzt der Niederorker dieses Geländemotorrad, das in jenem Jahr gebaut wurde. Unzählige Touren hat der heute 63-Jährige mit der XT in all den Jahren unternommen.

Viel Freude hat Brunst mit der 250er im wahrsten Sinne des Wortes erfahren – der Grund für den Kauf dieses Motorrades allerdings war für die Familie sehr leidvoll. „Wir hatten einen Bauernhof. Durch den plötzlichen Tod meines Bruders 1981 musste ich die Aufgaben von jetzt auf gleich übernehmen. Viele Wege zum Vieh, Zaunkontrolle, wie weit ist das Getreide, Heu pressen ja oder nein: Das alles zu schaffen, wurde mir durch den Kauf der Yamaha sehr erleichtert“, erinnert sich Lothar Brunst.

Dabei erzählt er eine kuriose Geschichte, die ihm im Jahr 1986 passierte. Und über die er heute noch schmunzeln muss. Was seinerzeit geschah, hätte er ohne seine XT nie alleine geschafft:

„Mir wurde damals ein Weidezaungerät geklaut, und neun Rinder waren weg. Eine tagelange, erfolglose Suche schloss sich an.

Eines Tages gab es einen Anruf aus Sachsenberg: Auf der Gemeinschaftskoppel waren drei Rinder, die da nicht hingehörten, hieß es. Ich mit der XT hin. Die Tiere habe ich sofort erkannt und die mich auch, notfalls hätten die Ohrmarken Klarheit verschafft. Es fehlten aber immer noch sechs. Die waren noch eine Woche unterwegs. Dann kam wieder ein Anruf, diesmal aus Schreufa: ,Sechs Rinder stehen an der Bahn-Haltestelle bei Stoelcker‘. Ich fragte mich: Was ist, wenn ein Zug kommt oder wenn die weiter gehen durch die Eder auf die Bundesstraße?

Also, auf die Yamaha geschwungen und nichts wie hin: Die Rinder haben schon das Motorgeräusch der XT erkannt und waren genauso froh wie ich. Von dort aus sind wir – die sechs Rinder, meine Yamaha und ich – durch Schreufa, durchs Nuhnetal, durch Sachsenberg bis zum Felsenkeller und zur Kalkaule, so heißt die Gemarkung der Weide, gelangt.

Meine Weideviehversicherung hätte mögliche Sachschäden ersetzt, menschliches Leid lässt sich aber nicht mit Geld ersetzen, waren meine Gedanken. Solche Gedanken sind den idiotischen Dieben des Weidezaungeräts wohl fremd gewesen, es passierte ja immer wieder.“

Soweit Lothar Brunsts Erinnerung an den Einsatz seiner Yamaha XT 250 als viehtreibende Maschine. Unvergessen ist ihm aber auch, warum er diese Maschine einst kaufte. Der Niederorker betont, wie eng Leid und Freud‘ beieinander liegen: „Kumpels haben mich damals zum Endurofahren abgeholt. Zuerst ging es sonntagmorgens durchs Orketal und später den leeren Edersee im Winter. Dann kamen Wochenendtouren mit Zelt und Schlafsack. Ich habe am Lagerfeuer wieder geraucht und auch wieder gelacht. Wir sind beide älter geworden, meine XT und ich. Ich hätte sie oft verkaufen können, es gab Anfragen – aber sie ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Wir sind unzertrennlich.“

Von Klaus Jungheim

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