Hof Treisbach war Schauplatz

Filmpreis für Schlöndorff: 1970 drehte er im Frankenberger Land

Schlöndorff in Oberorke am Set: Auf Hof Treisbach drehte der Regisseur im September 1970 eine Reihe von Szenen seines Films.
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Schlöndorff in Oberorke am Set: Auf Hof Treisbach drehte der Regisseur im September 1970 eine Reihe von Szenen seines Films.

Am vergangenen Wochenende wurde der Regisseur Volker Schlöndorff in Offenbach mit dem Ehrenpreis des Hessischen Film- und Kinopreises 2021 ausgezeichnet. Vor 50 Jahren drehte er einen Film im Frankenberger Land.

Orke - Als Ministerpräsident Bouffier in einer Videobotschaft den in Wiesbaden geborenen Filmkünstler als einen „großen intellektuellen Geist“ und „echten Hessen“ würdigte, weckte das bei vielen Älteren im Frankenberger Land Erinnerungen: Seinen hessischen Wurzeln setzte der später sogar mit dem Oscar ausgezeichnete Regisseur („Die Blechtrommel“) bereits vor 50 Jahren ein Denkmal mit dem Frühwerk „Der plötzliche Reichtum der armen Leute von Kombach“, das in großen Teilen in Ober- und Niederorke gedreht wurde.

„Hof Treisbach war eine Woche lang Schauplatz von Dreharbeiten für Film“, meldete 1970 die HNA und berichtete über „Männer und Frauen aus dem Kreis Frankenberg als Komparsen“. Aber auch über populäre Charakterdarsteller wie Georg Lehn oder die damals noch junge, erst wenig bekannte Schauspielerin Margarethe von Trotta, heute eine der renommiertesten, mehrfach ausgezeichneten Regisseurinnen. Hanna Axmann, ehemals Niederorke, sorgte für Ausstattung und Kostüme. Sie hatte auch Schlöndorff die Drehorte vorgeschlagen.

Hochzeitsszenen im bäuerlichen Milieu

Die Hochzeitsszenen im bäuerlichen Milieu wurden mit älteren Bürgern wie Adam Krümmelbein und Heinrich Schöneweiß in Niederorke gedreht, das Casting für die Kinder-Komparsen fand an der Fachwerkkirche in Oberorke nach dem Kindergottesdienst mit Gemeindeschwester Maria Marx statt. Sigrid Groner, heute verheiratete Spielberg in Korbach, durfte ein langes Gedicht von Gellert aufsagen.

Obwohl der 1971 in Kinos und Fernsehen gezeigte Schwarzweißfilm als einer seiner ersten in einer relativ preiswerten Produktion entstand, offenbarten sich in ihm sowohl Schlöndorffs scharfsinniger, sozialkritischer Ansatz im Umgang mit geschichtlichen Stoffen wie auch sein große Bildästhetik. Der zweifach preisgekrönte Autorenfilm erzählt nach vorhandenen Gerichtsakten, wie in der Feudalzeit acht arme Bauern und Tagelöhner aus dem Biedenkopfer Hinterland nach mehreren Fehlversuchen einen Geldtransport, der mit den Steuereinnahmen aus dem damals hessen-darmstädtischen Ort Vöhl nach Gießen unterwegs ist, ausrauben. Ihr plötzlicher Reichtum fällt 1822 auf – sie werden gefasst, verurteilt und gehenkt.

Exklusivvorstellung im Thalia-Theater

„Mit diesem Film habe ich eigentlich erst angefangen, mich zu entwickeln. Auch die Möglichkeit, mich an meine Kindheit in Hessen zu erinnern, hat mir gutgetan“, sagte Volker Schlöndorff später. Dem Frankenberger Geschichtsverein lieh er 2010 seine eigene Film-Kopie für eine Exklusivvorstellung im Thalia-Filmtheater aus. „Ich erinnere mich gern an die schöne Drehzeit damals in Nordhessen“, schrieb Schlöndorff.

Kinder als Komparsen: Sigrid Groner aus Niederorke durfte im Film ein Gedicht aufsagen.

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