Erste Überfahrt vor 100 Jahren

Vertrag aus dem Jahr 1921: Die älteste Fähre des Edersees verbindet Asel-Süd mit Asel

Fährmann Otto Wilhelmi (links) steuert das Boot und bringt Birgit und Ralf Schlensker mit Hund Joker über den Edersee.
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Von Asel-Süd an das Ufer bei Asel: Fährmann Otto Wilhelmi (links) steuert das Boot und bringt Birgit und Ralf Schlensker mit Hund Joker über den Edersee.

Der Motor tuckert, die Rampe am Schiffsbug fährt nach oben und schon beginnt die Überfahrt – seit 100 Jahren bringt die Fähre Asel-Süd Passagiere an das andere Ufer Richtung Asel und ist damit die älteste Linie des Edersees.

Vöhl-Asel – Im Jahr 1921 war das Interesse an einem geregelten Fährbetrieb groß. Das damalige „Wasserbauamt zu Cassel“ arbeitete bereits kurz nach der Fertigstellung der Edertalsperre an einer Umsetzung. Otto Wilhelmi, der zusammen mit seiner Frau Priscilla heute den Campingplatz und somit auch den Betrieb der Fähre leitet, berichtet: „Der erste Vertrag mit der Siedlungsgenossenschaft des damaligen Staatsgutes Haus Asel wurde am 17. Mai 1921 abgeschlossen.“

Drei Jahre später wurde zusätzlich festgelegt, dass die Aseler eine Strafe in Höhe von 3000 Goldmark bezahlen müssen, falls sie der Verpflichtung des Transports nicht nachkommen. Zu festen Abfahrtszeiten um 8 Uhr, 11 Uhr, 14 Uhr und 17 Uhr ruderte der Fährmann damals das Boot über den See.

In den Anfangsjahren wurde die Fähre gerudert.

Die Familie Wilhelmi übernahm diese Aufgabe im Jahr 1951. Auch Walther Wilhelmi musste bis in die 1960er-Jahre rudern, dann erhielt das kleine Schiff erstmals einen Außenbordmotor. Zu seinen Passagieren zählten unter anderem einige Aseler Schulkinder, die in Vöhl unterrichtet wurden. War das Eis des Edersees im Winter allerdings zu dick, prüfte Wilhelmi, ob es sicher genug war, damit die Kinder auf die andere Seite gehen konnten. War dies nicht der Fall, gab es schulfrei.

Zur Rettung einer Kuh, die in den See abrutschte und von alleine nicht wieder an das Ufer kam, wurde das Schiff sogar schon einmal zweckentfremdet.

Nachdem im Jahr 1976 die Fähre in Bringhausen den Betrieb einstellte, war die Aseler Linie die einzige noch verbliebene des Edersees. Das Boot aus Bringhausen, welches etwas größer war, wurde übernommen und später mit einem Diesel-Außenbordmotor ausgestattet. Bis zu acht Personen fanden auf der Fähre Platz.

Die Fortführung des Betriebs stand in den nachfolgenden Jahren jedoch auch in Asel-Süd auf der Kippe. Auf Bundeswasserstraßen, zu denen auch der Edersee gehört, sollten nur noch Fährführer mit mindestens einjähriger Binnenschiffererfahrung eingesetzt werden, lautete ein neu geschaffenes Gesetz. Durch einen Antrag wurden die Voraussetzungen allerdings vereinfacht, sodass es für die Familie Wilhelmi bis heute möglich ist, bei Asel eine Fähre zu betreiben.

Dies lohnte sich, denn der Tourismus brachte einen Aufschwung. „Da der Edersee durch den Nationalpark zunehmend bekannter wurde, nutzen immer mehr Menschen unsere Linie, vor allem Wanderer und Fahrradfahrer“, so Otto Wilhelmi.

Um der Nachfrage gerecht zu werden, wurde zur Saison 2002 das heutige Fährboot in den Dienst genommen. Es ist knapp sieben Meter lang, zwei Meter breit und wiegt 2,7 Tonnen. Bis zu zwölf Personen werden auf einer Fahrt transportiert. Wilhelmi berichtet: „Je nach Länge der Saison und Wasserstand haben wir heute 5000 bis 8000 Passagiere. Sehr viele davon sind Touristen.“

Seine Familie ist mittlerweile schon in der dritten Generation aktiv, denn auch Sohn Zananga hat die Berechtigung zum Führen des Bootes erlangt. „Für mich ist der Fährdienst der schönste Teil meines Berufs“, erzählt Otto Wilhelmi, „hoffentlich bleibt uns das Schiff und diese Tradition noch über viele Jahre erhalten.“

Seit Mai wieder in Betrieb

Die Fähre ist wieder im Einsatz. Es gelten auch dort die Corona-Regeln, das bedeutet, dass für maximal acht Personen Platz ist. Von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr können Interessierte eine Überfahrt buchen. Das geht vor Ort oder über das Fährtelefon (0170/5900722). (sk)

Eine Bildergalerie dokumentiert die vergangenen 100 Jahre des Aseler Fährbetriebs.

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