Heftige Diskussion im Parlament

Gemeinde Vöhl verkauft einzelne Nationalpark-Flächen ans Land

Der Nationalpark ist im Oktober 2020 um insgesamt 1950 Hektar Steilhänge erweitert worden.
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Der Nationalpark ist im Oktober 2020 um insgesamt 1950 Hektar Steilhänge erweitert worden.

Die Gemeinde Vöhl verkauft Waldflächen von knapp fünf Hektar ans Land. Dabei handelt es sich um einzelne Bereiche, die zum erweiterten Nationalpark Kellerwald-Edersee zählen.

Vöhl – Das Thema wurde am Montagabend bei der Sitzung der Gemeindevertreter in der Henkelhalle kontrovers diskutiert. Vergleichsweise viele Besucher waren dabei.

Mit 15 Stimmen für einen Verkauf und bei zehn Gegenstimmen votierte das Parlament für den Beschlussvorschlag des Gemeindevorstandes. Vertreter des Umweltministeriums waren eigens angereist, um für den Verkauf an das Land Hessen zu werben. Bei der Erweiterung des Nationalparks im Jahr 2020 sind in Vöhl Flächen von insgesamt 4,98 Hektar in den Gemarkungen Asel, Marienhagen und Herzhausen hinzugekommen.

„Es handelt sich hierbei um mehrere kleine Parzellen, die das Land erwerben will“, erläuterte Carsten Wilke vom Ministerium. „Damit kann die Gemeinde einen Geldbetrag erzielen, den sie sinnvoll in die Wiederbewaldung und Stabilisierung ihres Waldes investieren kann.“ Bei der Summe handelt es sich um einen höheren fünfstelligen Betrag. In den kommenden Jahren rechnet die Gemeinde mit „erheblichen Aufforstungskosten“.

Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, die Flächen gegen andere zu tauschen. In dem Falle wäre mit einem langen „Prüf- und Umsetzungsprozess“ zu rechnen gewesen, wie Carsten Wilke ebenso wie der Bürgermeister Karsten Kalhöfer zu bedenken gaben. So sei es bislang bei einer rund 22 Hektar Waldfläche in Schmittlotheim gewesen, die von Beginn an zum Nationalpark gehört.

Ausschüsse hatten für Tausch gestimmt

Doch es gab Gegenwind. Der Ausschuss für Soziales und Tourismus sowie der Haupt- und Finanzausschuss hatten sich jeweils mehrheitlich für einen Tausch anstelle des Verkaufes ausgesprochen. Die CDU-Fraktion plädierte ebenfalls dafür: „Der Eigentum von Forstflächen ist uns wichtiger als das kurzfristige Erzielen von Verkaufserlösen“, sagte Gertmann Sude. Auch von Seiten der Grünen gab es heftige Bedenken gegen einen Verkauf. „Wir verantworten den Klimawandel und die Schäden im Wald selbst“, sagte Gerhard Henkel. Somit solle die Gemeinde die Schäden, die im Gemeindewald entstanden seien, aus der eigenen Kasse zahlen und müsse nicht einen Verkaufserlös dafür aufwenden.

Auch die Freien Wähler sprachen sich zunächst für einen Tausch aus, der „mehr Möglichkeiten bietet“. Laut Karl Wittmer-Eigenbrodt könnten so die Ortsbeiräte besser in Entscheidungen eingebunden werden und eigene Waldflächen könnten gegebenenfalls künftig als Ausgleichsflächen zur Verfügung stehen.

Funktion des Waldes erhalten

Ganz anders lauteten die Argumente der SPD, welche die Beschlussvorlage des Gemeindevorstandes mittrug. „Durch die Erweiterung des Nationalparks wurden mehrere Vöhler Ortsteile direkte Anrainer des Nationalparks“, sagte Reinhard Metka. Dadurch ergäben sich viele Vorteile. „Die Gemeinde stellt einen Teil ihres defizitären Waldes dem Land zur Verfügung.“ Für die Umwelt sei es nur förderlich, wenn Waldflächen im Nationalpark sich selbst überlassen werden. „Dieser Wald verschwindet nicht. Flora und Fauna werden sich umweltabhängig entwickeln.“ Zudem argumentierte er, dass die Vöhler Bürger weiterhin Mitbesitzer blieben, „nur in anderer Instanz“ – in der des Landes Hessen.

Bürgermeister Kalhöfer ergänzte: „Der Wald wechselt zwar den Eigentümer, bleibt aber in öffentlicher Hand.“ Die Funktion der Waldflächen gehe nicht verloren, versicherte er. Durch den Verkauf aber würden Einnahmen generiert und die Bürger entlastet.

Ähnlich sah dies Thomas Raabe von der FDP. Der Wald bekomme hier einen höchst ökologischen Charakter. Bedenken aus Klimaschutzgründen seien daher unangebracht.

Die Sitzung wurde kurz für Beratungen unterbrochen. Schließlich stimmte doch die Mehrheit für den Verkauf. Das Geld soll als „Waldrücklage“ dienen. Für die rund 22 Hektar große Fläche in Schmittlotheim, die schon vorher zum Nationalpark gehörte, soll das Umweltministerium möglichst bald ein Tauschangebot für eine gleichwertige Fläche außerhalb des Nationalparks machen. (Stefanie Rösner)

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