Felicitas Woll las aus dem Roman Dracula – Viele Fans kamen

In schauriger Umgebung: Bevor die Schauspielerin Felicitas Woll auf Schloss Waldeck aus Dracula las, wurde den Besuchern „Blutsuppe“ serviert. Die Kapelle, der Raum der Lesung, stammt aus dem zwölften Jahrhundert. Foto: Dietzel

Waldeck. Sie würde gerne einmal die Böse spielen, sagt Felicitas Woll, die schon oft in Filmen die Rollen guter Frauen gespielt hat. „Jeder hat eine dunkle Seite in sich, und jeder sehnt sich mal nach Angst.“ Daher hat sie sich Dracula ausgesucht, den Roman aus dem 19. Jahrhundert, aus dem sie am Freitagabend in den ältesten Mauern von Schloss Waldeck vorgelesen hat.

Zum Literarischen Frühling kehrte die 32-jährige Harbshäuserin in ihre Heimat zurück. Ihre ruhige, angenehme Stimme ist wie gemacht für eine Lesung. Zum Fürchten schaurig wurde es trotz der gruseligen Vampir-Geschichte und des stimmungsvollen Gewölberaumes zwar nicht, denn Felicitas Woll spielte zu wenig mit Stimmlage, Lautstärke und Geschwindigkeit. Sie las Passagen aus Tagebucheinträgen des fiktiven Londoner Rechtsanwalts Jonathan Harker, der Graf Dracula auf dessen Schloss besucht. Nur als sie die Stimmen der Frauen imitiert, die des Anwalts Blut saugen wollen, war Wolls schauspielerisches Können voll zu spüren.

Noch spannender als die Lesung war das Gespräch zwischen ihr und dem Journalisten Klaus Brill. Es ging um ihre Person, wegen der viele der knapp 100 Zuschauer gekommen waren, Kinder und Erwachsene. Die Harbshäuserin, die 1997 in der damaligen Korbacher Diskothek Fly entdeckt wurde und schließlich als Wolle in der Fernsehserie „Berlin Berlin“ berühmt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, fasziniert ihre Fans. In den Gesprächen, die die Lesung auflockerten, war Felicitas Woll besonders authentisch und sympathisch. Gleich zu Beginn gestand sie, dass es sie nervös mache, vor Publikum zu lesen. „Normalerweise hört mir beim Lesen nur eine zu – meine Tochter.“ Am Set beim Filmdreh sei das anders, dort gebe es nicht so viele Menschen auf einmal, die auf sie achten. Die Lesung sei eine gute Übung für sie als Schauspielerin.

Manchmal heimatlos

Felicitas Woll hat die Welt bereist und schätzt ihr Leben in Berlin. Nach Waldeck-Frankenberg kommt sie aber regelmäßig, um ihre Familie und Freunde zu sehen. „Hier tanke ich meine Batterien auf“, sagt sie. „Meinen Platz hier werde ich nie verlassen.“ Sie sei aber schon oft hin- und hergerissen gewesen. „Manchmal habe ich mich heimatlos gefühlt.“ Denn immer hat sie einen Koffer dabei. Und ihr altes Zimmer ist verstaubt, wenn sie nach Hause kommt. Die Rolle der Protagonistin in „Berlin Berlin“ war daher wie für sie gemacht: Ein Mädchen vom Land, das in die große Stadt zieht. „Das war genau mein Leben.“ Doch Woll hat sich weiterentwickelt.

Sie verkörperte Hauptfiguren in den Filmen „Dresden“ und „Carl und Bertha“, der Geschichte des Benz-Ehepaars. Als Nächstes spielt Felicitas Woll in der Verfilmung der Taunus-Krimis von Nele Neuhaus. Sie will wiederkommen und lesen, falls sich bei einem weiteren Literaturfestival die Gelegenheit ergibt.

Die nordhessische Schauspielerin Felicitas Woll hat gleich zwei Gründe zum Feiern: ihren 40. Geburtstag und eine Kinopremiere.

Von Stefanie Dietzel

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