Von der Anklagebank direkt ins Gefängnis

49-jähriger Handwerker soll Kunden um über 20.000 Euro betrogen haben

Justizia hält eine Waage
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Justizia hält eine Waage (Symbolbild)

Ein 49-Jähriger soll Kunden perfide abgezockt haben. Offenbar bot er über Ebay-Kleinanzeigen Handwerksdienste an und kassierte Geld. Die Arbeit aber machte er nicht.

Kreis Kassel – Das hätte sich der 49-jährige Angeklagte nicht träumen lassen: Noch im Gerichtssaal wurde der Handwerker aus Baunatal gestern Nachmittag festgenommen und in die JVA in Wehlheiden in Untersuchungshaft gebracht.

Staatsanwältin Melike Aydougdu hatte ihn angeklagt, über Ebay-Kleinanzeigen Handwerkerleistungen angeboten zu haben, nach dem Kassieren des Vorschusses aber entweder gar keine Arbeiten ausgeführt zu haben oder nach kleinen Teilarbeiten nicht wieder aufgetaucht zu sein. Auf diese Weise soll er mittels gewerbsmäßigen Betruges über 20.000 Euro erschwindelt haben.

Zum ersten Verhandlungstermin war der 49-Jährige nicht erschienen, woraufhin Amtsrichter Dr. Philipp Gescher Haftbefehl erlassen hatte, der bislang aber nicht vollstreckt worden war.

Zu den gestern in der Anklage aufgeführten Straftaten in den Jahren 2018 und 2019 sei erst kürzlich eine zweite Anklage hinzugekommen, sagte die Staatsanwältin.

Im Februar diesen Jahres sei der Angeklagte mit einem Hausbesitzer in Helsa einig geworden, Fliesen- und Elektrikarbeiten im Wert von 2150 Euro zu erledigen. Das Geld habe er im Voraus kassiert, die Arbeiten aber dann nie ausgeführt.

Damit habe der Angeklagte gezeigt, dass er mit seiner Betrugsmasche immer weiter mache, obwohl ihm bereits vier Anklagen über ähnliche Fälle zugestellt worden waren und die Verhandlung vor dem Amtsgericht bereits angesetzt war.

„Sollte es zu einer Verurteilung kommen, ist eine bewährungsfähige Strafe nicht mehr möglich“, sagte Aydougdu und beantragte, den bestehenden Haftbefehl jetzt zu vollstrecken.

Diesem Antrag gab Richter Gescher statt. Vor der neuen Tat wäre eine Bewährungsstrafe möglich gewesen, dies aber sei jetzt wohl nicht mehr der Fall. Weil neue Straftaten nicht auszuschließen seien und wegen der nun drohenden Gefängnisstrafe Fluchtgefahr bestehe, ordnete er die Festnahme und Verbringung des Mannes in die JVA an.

Die Masche des gelernten Elektrikers war laut Anklage stets gleich: Nachdem sich auf seine Ebay-Anzeige Interessierte an Fliesenleger-, Trockenbau- und Elektrikarbeiten aus Fuldatal, Guxhagen, Hess. Lichtenau, Kassel, Bad Arolsen, Immenhausen, Breuna, Baunatal und Helsa gemeldet hatten, wurden Verträge über die Arbeiten geschlossen und oft die gesamte Summe als Vorschuss ausgezahlt. Danach tat sich nichts mehr.

Ende Dezember 2018 war der Mann unter dem Vorwand eines neuen Auftrags nach Fuldatal gelockt worden. Da aber warteten zwei Geschädigte auf ihn, die ihr Geld zurückhaben wollten. Der Angeklagte ging, so die Anklage, zum Schein darauf ein, setzte sich aber ins Auto und wollte davon fahren. Dabei rollte er mit dem Hinterreifen über den Fuß einer Geschädigten und verletzte sie. Deshalb ist er auch wegen Körperverletzung angeklagt.

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