Blei und Böller gab es auch früher zu Silvester

99-Jähriger erinnert sich: Der letzte Tag des Jahres war schon immer was Besonderes

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Auf ein gutes neues Jahr: Der 99-jährige Hermann Damm hat schon so manche Silvesterfeier in der Jugend, beim Militär oder im Familienkreis miterlebt und wird auch in diesem Jahr mit einem Gläschen alkoholfreiem Sekt anstoßen.

Bereits zum 99. Mal feiert Hermann Damm aus Vellmar im Kreis Kassel heute Silvester. Er erzählt, wie früher ins neue Jahr gefeiert wurde - etwa in den 1930er-Jahren.

Eine Woche nach Weihnachten endet das Jahr am 31. Dezember mit dem Silvestertag. Das war nicht immer so, denn bis zum Jahr 1582 endete das Jahr am 24. Dezember. Erst mit der Einführung des Gregorianischen Kalenders wurde der Jahreswechsel auf den Todestag von Papst Silvester, den 31. Dezember, festgelegt.

Was heute meist feuchtfröhlich und lautstark gefeiert wird, hat einen heidnischen Ursprung, denn bereits in grauen Vorzeiten begrüßten die Menschen das neue Jahr mit Feuerrädern und vertrieben so die bösen Geister.

Je nach Region gibt es noch heute die unterschiedlichsten Silvesterbräuche. So erinnert sich Hermann Damm aus Niedervellmar noch gern an den letzten Tag des Jahres in seiner Jugendzeit. „Für die Landwirte war es eine ruhige Zeit. Auf den Feldern wurde nicht mehr gearbeitet, nur das Vieh musste versorgt werden und um den Jahreswechsel lag meist hoher Schnee mit frostigen Temperaturen. In den 1930-er Jahren luden die Gastwirte in den Dörfern ihre Stammgäste zu Silvester ein und versorgten sie mit kostenlosen Getränken und Speisen“, erinnert sich der 99-Jährige. Die Mutter habe Kreppeln gebacken, die gelegentlich auch mal mit Senf oder anderen Überraschungen gefüllt waren, weil am Neujahrstag die Verwandtschaft oder Nachbarn zu Besuch kamen, um Neujahrsgrüße zu überbringen. Am Silvesterabend habe es Heringssalat und Bowle mit Früchten gegeben und wenn die Kinder ein paar Pfennige von den Großeltern bekommen hatten, gingen sie zum Kaufmann, um sich Wunderkerzen oder einige Knaller zu holen.

Doch nicht alle Menschen hatten Geld für Feuerwerkskörper. So kam es schon mal vor, dass mit Fackeln, Kerzen oder auch einen kleines Häuflein Stroh, das auf der Straßenmitte angezündet und so das neue Jahr begrüßt wurde.

Eine beliebte Tradition war das Bleigießen. In einem Pfännchen wurde Blei geschmolzen und in kaltes Wasser gekippt. Aus der erstarrten Form des Metalls orakelte man die Zukunft. Vor dem Brauch des Bleigießens warnt heute allerdings das Umweltbundesamt wegen gesundheitlicher Bedenken.

Heute wird meist in Gesellschaft gefeiert und die Bundesbürger geben zum Jahresende mehr als eine Milliarde Euro für Feuerwerkskörper aus. Um Mitternacht wird das alte Jahr lautstark verabschiedet und das Neue oft mit guten Vorsätzen begonnen. Dazu läuten auch in diesem Jahr wieder die 13 Kirchenglocken aus allen Stadtteilen Vellmars.

Hintergrund: Feuerwerk als heidnische Sitte

Es ist eine gute, wenn auch im Ursprung heidnische Sitte, das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu beginnen. Eine Tradition, die über Jahrhunderte praktiziert wurde und auch eine Zukunft haben sollte. Gleichzeitig ist dieser Tag aber auch ein guter Anlass inne zu halten und darüber nachzudenken, was im abgelaufenen Jahr alles geschehen ist und welche Erwartungen man an das neue Jahr hat.

Doch nicht alle Menschen können ausgelassen und fröhlich feiern, denn einige müssen in dieser Nacht zum Wohl der Allgemeinheit arbeiten. Andere sind allein und einsam und hoffen, das Silvester schnell vorübergeht. Dann gibt es die Menschen ohne ein Dach über dem Kopf, die auf der Straße leben, kaum Geld zum Leben, geschweige zum Fei-ern haben und die im kommenden Jahr auch kaum neue Perspektiven erwarten können. Und letztlich auch die Mitmenschen, die durch Schicksalsschläge oder Krankheit verzweifelt sind und dennoch auf das kommende Jahr hoffen.

Von Werner Brandau

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