Kampagne in Kassel und vier Städten im Landkreis

Comic-Plakate sollen Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes populärer machen

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Bunt und informativ sind die Motive der Werbeplakate der Kassenärztlichen Vereinigung für die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. 

Mit einer landesweiten Kampagne will die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes bekannter machen. Die bunten Plakate sind jetzt in Kassel, Baunatal, Vellmar, Wolfhagen und Hofgeismar zu sehen

Wer außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen medizinische Hilfe benötigt, wird häufig in der Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses vorstellig oder wählt die 112. In den meisten Fällen wäre jedoch der Ärztliche Bereitschaftsdienst die richtige Anlaufstelle. Eine Werbekampagne der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) soll dessen Telefonnummer nun auch in der Region bekannter machen.

Die Nummer des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes – die 116 117 – ist nach Ansicht der KVH nicht so bekannt, wie sein sollte – vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Deshalb hat die KVH Anfang Mai eine Kampagne in hessischen Großstädten gestartet – unter anderem in Kassel –, um für die Nummer zu werben. Seit diesem Montag sind die bunten Plakate und Postkarten auch in Baunatal, Vellmar, Hofgeismar und Wolfhagen angekommen.

Insgesamt elf Plakate, auf denen in comic-ästhetischer Lautmalerei der gesundheitlichen Beschwerde durch „Stöhn!“, „Keuch!“ und „Autsch!“ Ausdruck verliehen wird, sind in den vier Städten angebracht worden. Zusätzlich liegen in 20 Locations – Kneipen, Restaurants und Kinos – rund 10 000 Postkarten mit den gleichen Motiven aus. Dafür investiert der Landkreis 5000 Euro. Die KVH beziffert die Kosten für die Gesamtkampagne auf etwa 90 000 Euro.

Die Auswahl der Orte und des Designs verdeutlichen, an wen sich die Kampagne wendet. Eine von der KVH in Auftrag gegebenen Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Forsa unter mehr als 2000 Hessen hat ergeben: Die Bekanntheit der 116 117 steigt mit dem Lebensalter und nimmt mit der Größe des Wohnortes ab. Die Nummer sei folglich gerade bei 18- bis 29-Jährigen in Großstädten unbekannt, sagt Dr. Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVH. „Hier kennen nur sechs Prozent der von uns Befragten die Nummer.“ Der altersübergreifende Durchschnitt in hessischen Großstädten liege jedoch auch bei gerade mal 13 Prozent. Landrat Uwe Schmidt geht davon aus, dass der Landkreis Kassel vor einem ähnlichen Informationsdefizit steht.

Damit die sechsstellige Nummer nachhaltig im Gedächtnis bleibt, will die KVH zudem ein einprägsameres Wording etablieren. Statt „116 117“ soll die Nummer als „Elf Sechs, Elf Sieben“ im Gedächtnis gespeichert werden. Für zunächst vier Wochen – so lange hängen die Plakate – sollen nun aber „Stöhn!“, „Keuch!“ und „Autsch!“ die 116 117 bekannter machen.

Der Landkreis verspricht sich von der Aktion auch eine Entlastung der Notfallambulanzen. „Die Verlagerung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes in die Notfallambulanzen des Klinikums Kassel war für Kassel der richtige Schritt und ich könnte mir dies auch gut für die GNH-Kliniken in Wolfhagen und Hofgeismar vorstellen“, sagt Schmidt. 

Wann die 116 117 die richtige Nummer ist

Immer wenn ärztliche Hilfe zwar erforderlich, die Situation aber nicht lebensbedrohlich ist, ist die 116 117 die richtige Nummer. Die Nummer ist rund um die Uhr erreichbar, der Anruf kostenfrei. 

Beispiele für Erkrankungen, die vom Ärztlichen Bereitschaftsdienst versorgt werden können, sind etwa Erkältung mit Fieber (höher als 39 Grad Celsius), anhaltender Brechdurchfall bei mangelnder Flüssigkeitsaufnahme, starke Hals- und Ohrenschmerzen, akute Harnwegsinfekte, akute Rückenschmerzen oder akute Bauchschmerzen. 

Beim Ärztlichen Bereitschaftsdienst sprechen die Anrufer mit einem Mitarbeiter in einer der regionalen Leitstellen. Das Anliegen wird aufgenommen und an einen Arzt weitergeleitet. Der Anrufer erfährt den Standort der nächsten Bereitschaftsdienstpraxis. Bei Bedarf kann auch ein Arzt zum Patienten nach Hause kommen. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst kann am Telefon bereits Tipps zur Selbsthilfe geben. 

Die Notrufnummer 112 hingegen sollte nur angerufen werden, wenn eine Situation lebensbedrohlich ist. Etwa wenn eine Person bewusstlos ist, bei schwerer Atemnot, Herzbeschwerden, starken Blutungen, schweren Unfällen, Vergiftungen, starken Verbrennungen, Komplikationen in der Schwangerschaft oder Suizidversuchen. Gleiches gilt für Notaufnahmen beziehungsweise Rettungsstellen in Kliniken.

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