Nach Abgasskandal

69-Jähriger aus Ahnatal wollte von VW Entschädigung

Rainer Angerhausen zeigt den Skoda mit dem Dieselmotor EA 189.
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Um diesen Motor geht es: Der Ahnataler Rainer Angerhausen zeigt den Skoda mit dem Dieselmotor EA 189. In das Diesel-Aggregat war vom VW-Konzern die Schummelsoftware installiert worden.

2012 kaufte ein Mann aus dem Kreis Kassel ein neues Dieselfahrzeug. 2015 kam es zum Abgasskandal. 2020 zog er wegen seines Autos vor Gericht – und verlor.

Ahnatal – Als Rainer Angerhausen im Februar 2012 seinen Skoda Superb in einem Autohaus in der Region kaufte, ahnte er noch nicht, dass auch er Teil eines der größten deutschen Industrieskandale werden würde. Der Motor des schwarzen Fahrzeuges hat einen Dieselmotor mit der Typenbezeichnung EA 189.

Und genau dieses Modell war 2015 Auslöser für den VW-Abgasskandal. Für die Steuerung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests hatte der Autokonzern eine Schummelsoftware verwendet. Der Ahnataler zog im Frühjahr 2020 vor Gericht und klagte auf Schadenersatz. Zu spät, so jedenfalls die Ansicht des Oberlandesgerichts Frankfurt. Es wies die Klage mit Hinweis auf Verjährung ab. Der Geschädigte rechnet nun mit mindestens 5000 Euro Gerichts- und Anwaltskosten für sich.

Rainer Angerhausen legt einen dicken Ordner mit Akten auf den Tisch. Darin ist ein umfassender Schriftverkehr mit Volkswagen sowie einer Kölner Rechtsanwaltskanzlei, die ihn in dem Verfahren vertritt, sowie den Gerichten, vom Amtsgericht bis zum Oberlandesgericht, enthalten. Er sei bis zum vergangenen Jahr der Annahme gewesen, „dass das alles läuft“, sagt der 69-Jährige. Schließlich sei er ja schon im Juni 2017 von Skoda zu einem frühen Zeitpunkt zu einem Update für die Software aufgefordert worden. Dieses habe er einen Monat später auch ordnungsgemäß erledigt. Doch gebracht habe die neue Software nichts, sagt der Rentner.

Rainer Angerhausen aus dem Kreis Kassel: „In der Sache habe ich Recht bekommen“

Angerhausen forderte Volkswagen zunächst mit selbst verfassten Schreiben und dann mit Anrufung der Gerichte auf, „den Kaufpreis abzüglich einer angemessenen, noch zu beziffernden Nutzungsentschädigung an den Kläger zu erstatten“. Letztendlich landete die Sache vorm Oberlandesgericht in Frankfurt. Der Anspruch sei verjährt, hieß es in dem Urteil. Die Verjährung sei nach Auffassung des Gerichts bereits mit Ablauf des Jahres 2018 eingetreten.

Angerhausen ging in Berufung, doch auch diese sei mit dem Hinweis auf Verjährung abgewiesen worden, berichtet der Ahnataler, der keineswegs von der Argumentation überzeugt ist. „In der Sache habe ich Recht bekommen“, sagt er. „Aber sie sagen, ich hätte die Frist nicht eingehalten.“ Ihm gehe nicht in den Kopf, dass einer, der betrogen hat, „jetzt Recht bekommen hat“.

Kreis Kassel: Angerhausen spricht von einer „Erschütterung in den Rechtsstaat“

Festgelegt wurde in dem Urteil außerdem, dass der Ahnataler die Gerichtskosten und die Kosten für die Anwälte zu tragen hat. Schon zweimal habe er Gerichtskosten überwiesen – insgesamt 1700 Euro. Mit den Zahlungen für seinen Anwalt und den Anwalt von VW rechnet Angerhausen mit einer Gesamtsumme von rund 5000 Euro. „Eine Rechtsschutzversicherung habe ich nicht.“

„So kommt man sich betrogen vor“, sagt Rainer Angerhausen. Unrecht habe offenbar keine Konsequenz. „Eine Frist wird ganz einfach über den Tatbestand gesetzt.“ Das sei für ihn der Hauptpunkt.

Weitere gerichtliche Schritte sind nicht möglich. Deshalb hat Angerhausen sich zumindest mit einem persönlichen Schreiben an die Richterin beim Oberlandesgericht gewandt. „Nicht nur der finanzielle Schaden tut mir weh, sondern die Erschütterung in den Rechtsstaat ist für mich noch schlimmer“, heißt es da. „Wie soll ich das meinen vier Kindern und vier Enkelkindern erklären?“ (Sven Kühling)

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