"Mit sehr viel Freude"

Der Mann hinter dem Bürgermeister: Ewald Griesel ist Ahnatals Erster Beigeordneter

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Den Füller hat er immer dabei: Ewald Griesel ist seit 1997 Erster Beigeordneter der Gemeinde Ahnatal und seit 1985 SPD-Mitglied.

Ahnatal. Ist der Bürgermeister nicht da, springen sie ein: Erste Beigeordnete bei Gemeinden und Stadträte bei Städten. Doch wer sind die Menschen hinter dem Amt? Wir stellen sie vor.

Einen eigenen Sessel, geschweige denn ein eigenes Büro hat Ewald Griesel im Rathaus in Weimar nicht. „Das ist auch überhaupt nicht nötig“, sagt der 72-Jährige. „Ich brauche diese Insignien der Macht nicht.“ Das einzige Utensil, das ihn immer begleitet, und das unabdingbar ist für sein Ehrenamt, ist sein Füller, den er immer bei sich trägt.

Damit unterschreibt Griesel als Erster Beigeordneter der Gemeinde Ahnatal zum Beispiel rechtsverbindliche Verträge. Denn ohne seine Unterschrift sind solche Verträge nicht gültig. „Der Bürgermeister kann sie nicht alleine unterschreiben“, erklärt Griesel. Wann immer Unterschriften geleistet werden müssen, kommt Griesel ins Rathaus, sowie regelmäßig ein Mal in der Woche zur Gemeindevorstandssitzung.

"Mit sehr viel Freude": Edward Griesel ist Ahnatals erster Beigeordneter

Ehrungen, Begrüßungen, die Begleitung von Senioren bei Busfahrten und die Vertretung des Bürgermeisters bei Krankheit oder Urlaub gehören zu den Aufgaben des Ersten Beigeordneten einer Kommune. „Ich mache das mit sehr großer Freude“, sagt Griesel. Und mit sehr viel Routine. Denn Griesel ist seit mittlerweile 26 Jahren Erster Beigeordneter in Ahnatal.

Seit zehn Jahren ist es Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU), den er im Notfall vertritt. Der Umgang sei sehr sachlich und kollegial, sagt Griesel. „Wir haben uns in der ganzen Zeit kein einziges mal gestritten.“ Wenn es etwas zu besprechen gäbe, würden sie sich auch mal außer der Reihe treffen, um eine gemeinsame Position im Sinne der Gemeinde zu finden. „Wir schätzen den Rat des jeweils anderen“, sagt Griesel.

Seit 1974 lebt der gebürtige Körler in Ahnatal. Der Liebe wegen. 1985 wurde er dann Mitglied im SPD-Ortsverein, sein Schwager brachte ihn dazu. „Man hat mir klar gemacht, wenn man hier lebt, habe man sich ehrenamtlich zu betätigen“, erzählt Griesel. Er nahm die Aufforderung ernst. Er war acht Jahre Mitglied in der Gemeindevertretung, bis er 1997 zum Ersten Beigeordneten gewählt wurde. Aber ein Ehrenamt war ihm nicht genug. So ist er zudem auch im Vorstand der Brüder-Grimm-Gesellschaft, der Goethe-Gesellschaft und der Drogenhilfe Nordhessen, sowie Vorstandsvorsitzender des Fördervereins der evangelischen Kirchengemeinde Heckershausen, um nur einige der vielen Ehrenämter zu nennen.

Ganz nebenbei war der Diplom-Betriebswirt Direktionsbeauftragter bei der Kasseler Sparkasse, bis er 2011 in den Ruhestand ging. Gelernt hat Griesel 1962 bei der Kreissparkasse Kassel, wo er auch seine Frau kennenlernte, mit der er mittlerweile 49 Jahre verheiratet ist und mit der er zwei Kinder hat.

Ehrenamtlich in der Grundschule engagiert

Apropos Kinder. Sein wohl liebstes Ehrenamt ist derzeit nicht das des Ersten Beigeordneten, auch wenn ihm das große Freude bereitet. Aber mit leuchtenden Kinderaugen können die Vertreter des Gemeindevorstands dann doch nicht mithalten.

Seit drei Jahren macht sich Ewald Griesel jeden Dienstagmorgen auf zur Grundschule in Heckershausen, wo er als Leselernhelfer die 20 Schüler der jetzt vierten Klasse betreut. Im Sommer heißt es Abschied nehmen. „Ich gehe mit Tränen an die letzte Stunde“, sagt Griesel, „weil mir die Klasse so ans Herz gewachsen ist.“

Zum Glück gibt es noch seine beiden Enkel, für die er in seiner Freizeit bereits zwei kleine Kinderbücher geschrieben hat. Der Titel: Die kleine Hexe Glitzerzahn. Eins ist klar: Nichts tun gehört nicht zu den Stärken des Ewald Griesel.

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