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Rettung der Ozeane: Ahnataler Friseurin sammelt Haarreste

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Von: Paul Bröker

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Ein Knäuel Haare für den guten Zweck: Friseurmeisterin Martina Werner vom Salon „Kopfsache“ in Ahnatal-Heckershausen beteiligt sich an der Aktion „Hair help the oceans“, die Anfang 2022 ins Leben gerufen wurde.
Ein Knäuel Haare für den guten Zweck: Friseurmeisterin Martina Werner vom Salon „Kopfsache“ in Ahnatal-Heckershausen beteiligt sich an der Aktion „Hair help the oceans“, die Anfang 2022 ins Leben gerufen wurde. © Paul Bröker

Mit Haarresten noch etwas Gutes tun: Eine Spendenaktion, an der sich Friseure beteiligen, macht es möglich. Auch Martina Werner aus Ahnatal nimmt daran teil.

Ahnatal – Schnipp schnapp, Haare ab – und in den Müll damit. So lief es auch im Salon „Kopfsache“ in Ahnatal-Heckershausen bisher immer wie selbstverständlich. Die Initiative „Hair help the oceans“ aus Bückeburg hat Friseurmeisterin Martina Werner jetzt zum Umdenken gebracht: Statt die Haarreste wegzuwerfen, kommen sie nun einem Umweltschutz-Projekt zugute. Damit ist der Salon in der Schuhkaufstraße Vorreiter.

Die beiden Gründer von „Hair help the oceans“, Thomas Keitel und Emidio Guadioso, sammeln Haare aus Friseursalons, um damit gefilzte Matten herzustellen, die Öl aus Gewässern filtern. Ihr Vorbild ist der Verein „Coiffeurs Justes“ (faire Friseure) aus Südfrankreich.

Die Franzosen füllen Haare in Nylonstrümpfe, binden diese zu Rollen und nutzen sie als Filter in verschmutzten Gewässern. Die Saugfunktion des Haarfilters zieht das Öl aus dem Wasser. Anschließend werden die Haarfilter gereinigt und können so bis zu acht Mal genutzt werden. Ein Kilo Haar filtert laut eigenen Angaben bis zu acht Kilo Öl aus dem Wasser.

Haarreste saugen Öl aus dem Meer: Ahnataler Friseurin nimmt an Spendenaktion teil

Im November holten die Gründer von „Hair help the oceans“ erstmals bei 270 Friseursalons in Österreich und Deutschland Haare ab und brachten sie – laut eigener Aussage mit einem Klimaausgleich – nach Frankreich zu den „Coiffeur Justes“. Nun wollen sie mit ihrer kürzlich gegründeten Firma Filtermatten in Deutschland herstellen. Damit entfällt die Fahrt nach Frankreich. Sie kooperieren bei der Produktion mit anderen deutschen Firmen.

Friseurmeisterin Martina Werner war hellauf begeistert, als ihr Sohn von der Initiative erzählte. Er sei durch eine TV-Sendung darauf aufmerksam geworden. „Es wäre toll, wenn das zu einer Selbstverständlichkeit wird“, sagt die Ahnatalerin. „Denn das Meer beginnt vor unserer Haustür“, ist sie überzeugt. Die Gründer der Initiative hätten die Ölfiltermatten aus Haaren bereits auf Flüssen wie der Weser getestet.

„Ich bin froh, dass sich das so schnell herumspricht“, sagt Werner. Schon heute nehmen laut der Initiative rund 550 Salons in Deutschland teil. Dabei kommen anderthalb bis zwei Tonnen Haare jeden Monat zusammen. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in Deutschland circa 83 000 Friseursalons.

550 Salons beteiligen sich schon an Spendenaktion: Haare filtern Öl aus dem Wasser

Bislang seien die Haare ausnahmslos im Restmüll gelandet, berichtet Werner. Die Aktion bedeute nur einen geringen Mehraufwand. Zunächst müssen die getrockneten Haare in Papiertüten gesammelt werden. Dazu reichen Tüten für den Biomüll oder Einkaufstüten aus Papier. Anschließend schicken die Friseure die Haare in Kartons nach Bückeburg. Darüber hinaus kooperiert die Initiative mit der Organisation „Haarschnitt mit Herz“, die überwiegend krebskranken Menschen Haarersatz spendet. Lange Haarsträhnen werden dazu extra verpackt in die Pappkartons gelegt.

Die Friseure beteiligen sich mit einem monatlichen Betrag von 21 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer an der Initiative. Darin sind Logistik, Verwaltung und Werbemittel inbegriffen. Pro Salon spendet die Initiative einen Euro an eine Initiative, die Plastik aus dem Meer fischt.

Auch die Kunden seien angetan von der Initiative, sagt Martina Werner. „Da habe ich noch ein besseres Gefühl, wenn ich mir die Haare schneiden lasse“, wurde ihr bereits zurückgemeldet. Unbewusst würden sie somit für den Umweltschutz eingespannt. (Paul Bröker)

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