Alles dreht sich um die Königin

Fleißig auch im Winter: Imker aus Ahnatal erklärt, wie Bienen die kalte Jahreszeit überstehen

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Die Bienen von Imker Manfred Deichmann bereiten sich auf den Winter vor: Sobald es kälter wird, ziehen sie sich in ihren Bienenstock zurück. Aber Winterschlaf halten sie nicht.

Was machen Bienen eigentlich im Winter? Auch wenn sie draußen nicht herum summen, fleißig sind sie trotzdem, erklärt Imker Manfred Deichmann.

Noch summt und brummt es im Garten von Imker Manfred Deichmann aus Heckershausen. Aber nicht mehr lange, denn sobald es kälter wird, ziehen sich die Bienen in ihren Bienenstock zurück. Aber nicht, um zu schlafen. 

„Bei unter zwölf Grad fliegen Bienen nicht mehr“, erklärt der 77-Jährige. Und was machen die Bienen im Winter? Honig können sie in dieser Zeit schließlich nicht produzieren. „Bienen warten eigentlich nur auf das Frühjahr und zehren von ihren Vorräten“, sagt Deichmann.

Ein starkes Bienenvolk braucht über den Winter etwa 20 Kilo Futter

Über den Winter benötigt ein starkes Bienenvolk von etwa 50.000 Bienen bis zu 20 Kilo Futter. Da der Imker gegen Ende Juli den Honig erntet, füttert er seinem Volk Zuckerwasser zu. Schon im August stellt Imker Deichmann dazu ein Gefäß mit der Ersatznahrung in den Bienenstock.

Außerdem lässt Deichmann seinen Völkern den Honig, den sie ab August produzieren. „Im Winter würden Bienen kein Futter von außen annehmen“, erklärt er. Damit die Bienen nicht ertrinken, präpariert er das Gefäß zusätzlich mit „Schwimmern“, wie etwa Stroh.

Sobald es draußen kalt wird, ist weit und breit keine Biene mehr zu sehen

Klare Hierarchie: eine Bienenkönigin umringt von Arbeiterinnen auf einer Wabe. 

Tägliche Arbeiten wie das Nektarsammeln, die Honigproduktion und die Brutpflege stellen sie ein. Aber einen kollektiven Winterschlaf halten die kleinen Brummer nicht. Ganz im Gegenteil: „Bienen schlafen nie“, so der Imker. Und untätig sind sie zu dieser Jahreszeit auch nicht.

Um ihr Überleben und besonders das der Königin zu sichern, versuchen Bienen, sich gegenseitig zu wärmen. Dazu ziehen sie sich in eine Kugel zusammen, die sogenannte Bienentraube. Im Kern sitzt die Königin. „Wärmeökonomisch ist das am günstigsten. Je kühler es ist, desto enger ist auch die Kugel“, sagt Deichmann.

Bienen erzeugen ihre eigene Wärme

Damit sie nicht erfrieren, erzeugen die Bienen zusätzlich Wärme mit Muskelvibrationen. Dadurch herrschen im Kern der Traube etwa 25 Grad, auch wenn die Außentemperaturen weit unter den Gefrierpunkt fallen, erklärt der Imker. In ihrer Traube harren die Bienen über mehrere Wochen und Monate aus. Die kostbare Königin verlässt die Kugel jedoch nicht. 

Die Arbeiterinnen, die auf der äußersten Schicht der Kugel sitzen, holen Nahrung von ihrem Vorrat und bringen sie in das Innere der Kugel zu ihrer Königin. „Es herrscht dabei ein ständiger Wechsel. Die Arbeiterinnen sind immer in Bewegung“, schildert Deichmann. Nicht alle Bienen überleben, so der Imker. Bis zu einem Drittel sterben im Winter.

Bienen entspannen im Winter vom Arbeitsalltag

Was nach viel Aufwand und Arbeit nicht nur zur Honigsaison klingt, gehört zur natürlichen Lebensweise der Bienen. „Sie brauchen auch die Kälte und können sehr gut damit umgehen“, betont Deichmann. Außerdem kann das über das gesamte Jahr fleißige Bienenvolk im Winter sogar von seinem Arbeitsalltag entspannen.

Nicht nur zur kalten Jahreszeit, aber auch im Sommer, regulieren Bienen die Temperatur in ihrem Stock, in dem außer im Winter stets 35 Grad herrschen. „Diese Temperatur brauchen sie für die Bienenbrut“, erklärt Deichmann. Ebenfalls durch Muskelvibrationen heizen die Arbeiterinnen die Waben auf, wenn es zu kalt ist. 

Ist es mal heißer, kühlen die Bienen den Stock durch Flügelschlagen am Einflugloch herunter. Im Inneren verstäuben sie zusätzlich Wasser und machen sich die Verdunstungskälte zunutze. „Das Bienenvolk ist ein super Organismus.“ Manfred Deichmann strahlt.

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