Seltenes Eisen vom Bühl

Ahnatal ist neue Partnergemeinde im Geopark Grenzwelten

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Eisen vom Bühl: Der Ahnataler Geopark-Beauftragte Uwe Westphal zeigt ein Eisenstück, das aus dem ehemaligen Basaltsteinbruch Bühl stammt. Reste der Basaltsäulen sind am Ufer des Natursees noch zu sehen.

Seit Anfang des Jahres ist Ahnatal Partner-Gemeinde des rund 3700 Quadratkilometer umfassenden Nationale Geopark Grenzwelten.

Ein ganz besonderer Schatz wurde zu Anfang des 20. Jahrhunderts im Ahnataler Ortsteil Weimar geborgen. Beim Basalt-Abbau im damaligen Steinbruch Bühl stießen die Arbeiter auf außergewöhnliche Stücke – Einschlüsse von gediegenem Eisen, das man in dieser natürlich entstandenen Form äußerst selten findet. Weltweit gibt es nur einen ähnlichen Fundort auf der Insel Disko (Grönland). Darüber hinaus findet man Spuren reinen Eisens auch in Gesteinsproben aus dem Weltall.

Auf die herausragende Bedeutung der Funde wollen die Kommune und der Nationale Geopark Grenzwelten künftig gemeinsam aufmerksam machen. Seit Anfang des Jahres ist Ahnatal Partner-Gemeinde des rund 3700 Quadratkilometer umfassenden Geoparks, der bei der Kommune um die Zusammenarbeit geworben hatte.

Ende des vergangenen Jahres segnete das Gemeindeparlament Ahnatal das Vorhaben ab. Zum Geopark-Beauftragten wurde Uwe Westphal vom Ahnataler Amt für Kultur, Jugend und Senioren ernannt.

Laut Partnerschaftsvertrag verpflichtet sich das in Korbach sitzende Geopark-Projektbüro unter anderem, geotouristische Konzepte zu erstellen sowie Projekte zu entwickeln und gemeinsam mit der Gemeinde umzusetzen. Geplant ist zum Beispiel eine überregionale Vulkanroute, die die Sehenswürdigkeiten der Vulkan-Region zwischen Ahnatal, Zierenberg und Wolfhagen bekannter machen soll. Zudem soll ein Faltblatt herausgegeben werden, um den Bühl als geologisches Alleinstellungsmerkmal zu bewerben. „Wir sind offen für alles und zeigen den Bühl einmal aus einem anderen Blickwinkel“, sagt Westphal. Eine Idee sei zum Beispiel, die Ausstellung über den Bühl in der unmittelbaren Umgebung des heutigen Natursees anzusiedeln. Zusätzlich zu einer geologischen Wanderung könnte man sich dann vor Ort mithilfe von Bildern, Steinhauergerätschaften und anderen Exponaten über die Geschichte des ehemaligen Steinbruchs informieren.

Blick in den ehemaligen Steinbruch: Diese Grube wurde 1925 durch eine Großkammer-Sprengung geflutet. Man wollte noch mehr Basalt fördern.

Ursprünglich war der Bühl ein Basaltkegel. Ab 1843 begann zunächst sporadisch (ab 1896 dann industriell) der Abbau der Basaltsäulen, die zu Pflastersteinen für den Straßenbau zerkleinert wurden. „Das war ein Arbeitsplatz für viele Menschen“, erklärt Westphal. Die Geschichte des Steinbruchs endete 1928, als es durch eine Sprengung zu einem Erdrutsch kam und ein weiterer Abbau sich wirtschaftlich nicht mehr rentierte.

Bis dahin hatten die Arbeiter immer wieder kleinere und größere Eisenbrocken gefunden, die sie oft gegen Schnaps eintauschten. Ein besonders großes Stück mit einem Gewicht von etwa 15 Kilogramm befindet sich im Naturkundemuseum in Kassel.

Das Eisen vom Bühl entstand in einer Art natürlichem Hochofenprozess, bei dem glühendes Magma aus dem Erdinneren hochstieg und mit Kohlevorkommen in Berührung kam.

Die Arbeiter im Steinbruch: Auf der Suche nach Mineralien gruben sie sich um die Jahrhundertwende immer weiter in hinab. 

3700 Quadratkilometer im Geopark Grenzwelten

Der Nationale Geopark Grenzwelten umfasst eine Fläche von 3700 Quadratkilometern und erstreckt sich vom Rheinischen Schiefergebirge im Westen bis zur Hessischen Senke im Osten. Träger ist der Landkreis Waldeck-Frankenberg. Der Geopark ist in zehn Regionen untergliedert, in denen unterschiedliche Abschnitte der Erd- und Kulturlandschaftsgeschichte vermittelt werden. Ahnatal gehört zur Geopark-Teilregion Wolfhager Land. Der Geopark will zu einem bewussteren Verständnis der Zusammenhänge zwischen Geologie und Landschaft, Mensch und Natur beitragen und für einen nachhaltigen Umgang mit dem erdgeschichtlichen und historisch-kulturellen Erbe sensibilisieren – mithilfe von Erlebnispfaden, Museen, Infozentren und verschiedenen Veranstaltungen. Die Bezeichnung Geopark bezieht sich nicht auf eine Schutzkategorie. Es ist ein Gütesiegel für geologisch und landschaftlich besonders bedeutsame Landschaften. Geoparks werden weltweit ausgewiesen.

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