Straßennamen und ihre Geschichte

Vom Steinbruch zum Badesee über die Straße Am Bremsberg in Ahnatal

In der Straße in Ahnatal-Weimar Am Bremsberg musste vor hundert Jahren tatsächlich gebremst werden. 
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In der Straße in Ahnatal-Weimar Am Bremsberg musste vor hundert Jahren tatsächlich gebremst werden. 

Die bergablaufende Einbahnstraße „Am Bremsberg“ heißt deshalb so, weil hier einst viel gebremst werden musste.

Wer durch Ahnatal-Weimar fährt, der kommt an einer Straße vorbei, die zum Bremsen auffordert: der „Bremsberg“. Die bergablaufende Einbahnstraße „Am Bremsberg“ heißt deshalb so, weil hier einst viel gebremst werden musste.

Die Geschichte beginnt am beliebten Natursee „Bühl“, der im Sommer zum Baden einlädt. Vor mehr als 175 Jahren war der Bühl noch ein spitzaufragender Kegelberg aus reinem Basalt. Ab 1843 begann zunächst sporadisch (ab 1896 dann industriell) der Abbau der Basaltsäulen, die zu Pflastersteinen für den Straßenbau zerkleinert wurden. „Zu den starken Zeiten haben über 100 Mann im Steinbruch gearbeitet“, erzählt Uwe Westphal, Sachgebietsleiter für Kultur, Jugend und Senioren der Gemeinde Ahnatal.

Eine Bremsbahn des Steinbruchs brachte den Basalt über den Bremsberg zum Bahnhof

Auf dem heutigen Sportplatz direkt neben dem Bühl befand sich damals ein Arbeitsplatz für die Steinrichter und Steinschläger, die den Basalt zu Pflastersteinen verarbeiteten.

Der Bühl-Steinbruch im Jahr 1920. Das Foto wurde vermutlich noch vor dem Ersten Weltkrieg aufgenommen.

Die Arbeiter luden das Material schließlich in Schienentransportwagen, die sogenannten Loren. Durch eine speziell konstruierte Drahtseilbahn wurden die Loren zum tiefer gelegenen Bahnhof bewegt: Die leeren Güterloren wurden dabei gleichzeitig von den beladenen Loren den Berg hinaufgezogen, die schweren Loren hingegen rollten gebremst am heutigen Bremsberg zum Bahnhof hinab. 

Und daher soll auch der Straßenname Am Bremsberg kommen, erklärt Westphal. „Diese Seilzuganlage hieß im Volksmund auch Bremsbahn“, berichtet Westphal.

Vom Bahnhof aus wurde das Gestein in die umliegenden Orte gebracht, etwa nach Kassel. Der geschlagene Basalt wurde beispielsweise für den Straßenbau gebraucht.

1928: Ende des Basaltabbaus

Der Steinbruch galt bald als ausgebeutet, wie es in den Chroniken von Weimar heißt. In einem Gutachten der Königlichen Geologischen Landesanstalt von 1918 wurde vom weiteren Abbau abgeraten. Entgegen dieser Empfehlung nahm die damals in Hofgeismar, heute in Fritzlar ansässige Firma Alfred Melato 1924 den Betrieb wieder auf. Was das Unternehmen vorfand, war wenig erfolgversprechend, heißt es in der Ortschronik.

1928 kam der Basaltabbau dann endgültig zum Erliegen und die Bedenken des Geologischen Landesamtes wurden bestätigt: Ein massiver Wassereinbruch ausgelöst durch eine Sprengung setzte dem Betrieb in dem Ahnataler Steinbruch ein Ende.

Zurück blieb ein Steinkrater von mehr als 100 Metern Durchmesser, der sich weiter mit klarem Wasser füllte. Der Steinbruch verwandelte sich allmählich in den Badesee, wie man ihn heute kennt.

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