Jetzt kommen alle rein

Ahnataler Bürger haben Zugang zur Post barrierefrei ausbauen lassen

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Endlich barrierefrei: Katja Zöller (vorne) hat gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich Zöller (links hinter ihr) und der Hilfe von vielen privaten Spendern aus Ahnatal in Eigeninitiative den Eingang zur Postfiliale in Weimar barrierefrei umbauen lassen.

Es waren nur zehn Zentimeter Höhenunterschied, aber um die zu überwinden, war es ein langer Weg. Doch nach anderthalb Jahren Arbeit ist die Postfiliale in Weimar nun endlich auch für Rollstuhlfahrer ohne Barriere erreichbar.

Möglich gemacht hat das die Initiative von Katja Zöller. Zehn Jahre lang war die Ahnatalerin Behindertenbeauftragte der Gemeinde, im vergangenen Herbst hat sie das Amt aufgegeben. Gemeinsam mit ihrem Mann Ulrich Zöller und engagierten Mitstreitern und Spendern haben sie auf eigene Kosten den Gehweg vor der Postfiliale so umbauen lassen, dass nun Rollstuhlfahrer, aber auch ältere Menschen mit Rollator ohne Hindernis in die Post kommen.

„Das ist super gelungen und der Aufwand war sehr gering“, sagt Zöller. Für die Arbeiten konnten sie Torsten Sans vom Baugeschäft Sans in Ahnatal gewinnen, der das Pflaster vor der Postfiliale in der Heckershäuser Straße so angehoben hat, dass keine Stufe mehr nötig war.

Der organisatorische Aufwand war indes um einiges höher. Vor anderthalb Jahren hatte sich Zöller mit Hans-Ulrich Möller-Japing, dem Eigentümer des Hauses, in Verbindung gesetzt, um über das Vorhaben zu sprechen. Der war sofort einverstanden und nahm Kontakt zu seinem Mieter, der Deutschen Post auf. „Nach ein paar Monaten kam die Antwort, dass sie sich nicht verantwortlich fühlen, den Umbau vorzunehmen“, sagt Möller-Japing, dem auch ein etwa anderthalb breiter Streifen des Gehwegs vor dem Haus gehört.

Als Mieter könne man keine baulichen Veränderungen an einem Mietobjekt vornehmen, betont Thomas Kutsch, Pressesprecher der Deutschen Post, auf Anfrage. Für bauliche Veränderungen sei der Eigentümer zuständig. „Aber natürlich ist es richtig und wichtig, dass Menschen mit Behinderung ungehindert in die Filialen kommen.“

Um Bewegung in die Angelegenheit zu bekommen, organisierte Zöller im April einen Runden Tisch mit Bürgermeister Michael Aufenanger und anderen Gemeindevertretern, sowie dem Vorsitzenden des Gewerbevereins Holger Eckhardt. Fazit des Gesprächs sei gewesen, erzählt Zöller, dass die Gemeinde sich um die Barrierefreiheit vor der Bäckerei im Steinweg kümmern wollte und Zöller eine Lösung für das Hindernis an der Post finden sollte. Drei Monate später hat Zöller ihren Teil der Abmachung eingehalten. „Eigentlich sollte es doch selbstverständlich sein, dass man eine kleine Stufe abbaut“, sagt die Ahnatalerin, die seit 25 Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Ich finde es enttäuschend, dass wir so lange daran arbeiten mussten.“ In Weimar gebe es einige Geschäfte, die nicht barrierefrei seien.

Der Gemeinde seien in vielen Fällen die Hände gebunden, da es sich oft um Privateigentum handele, erklärt Uwe Westphal, Leiter des Amts für Kultur, Jugend und Senioren. Dies sei zum Beispiel auch bei der Bäckerei der Fall. Der Gehweg gehöre dort noch zum Privatgrundstück. „Wir können da als Gemeinde nur beratend tätig sein.“ Veränderungen in Privateigentum vorzunehmen, sei nicht möglich.

Grundsätzlich sei die Gemeinde bemüht, wo immer möglich Barrierefreiheit zu schaffen, so würde zum Beispiel bei allen Neubauprojekten darauf geachtet, erklärt Westphal. „Wir wollen, dass die Gemeinde Stück für Stück barrierefrei wird.“

Postfiliale ab 1. August wieder geöffnet

Endlich ist die Postfiliale in Weimar barrierefrei zugängig und dann das: seit Freitag vergangener Woche geschlossen. An der Tür ein Zettel, dass Pakete in Heckershausen abgeholt werden könnten. Der Grund: Ein kranker Mitarbeiter, für den so schnell kein Ersatz gefunden werden konnte, heißt es bei der Pressestelle der Post. „Aber ab dem 1. August soll die Filiale wieder wie üblich geöffnet haben“, versichert Pressesprecher Thomas Kutsch. 

Die Postfiliale in Weimar an der Heckershäuser Straße ist eine sogenannte Interimsfiliale, die von der Post selber betrieben wird. „Das ist aber die absolute Ausnahme“, sagt Kutsch. „Das soll kein Dauerzustand sein.“ Die Post suche derzeit nach einem neuen Partner vor Ort. In jedem Ort, der mehr als 2000 Einwohner hat, muss es eine Postfiliale geben. So sieht es das Postgesetz vor. In der Regel arbeitet die Post aber mit Partnern vor Ort, das heißt, dass zum Beispiel in der Bäckerei oder einem Schreibwarenladen postalische Dienstleistungen angeboten werden. Insgesamt hat die Post 13.000 solcher Partnerfilialen.

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