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Ahnataler Gerhard Rübenkönig erhält Bundesverdienstkreuz

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Blick in die Vergangenheit: Gerhard Rübenkönig holte sich 2002 mit großer Mehrheit das Direktmandat. Drei Wahlperioden von 1994 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages.  
Blick in die Vergangenheit: Gerhard Rübenkönig holte sich 2002 mit großer Mehrheit das Direktmandat. Drei Wahlperioden von 1994 bis 2005 war er Mitglied des Deutschen Bundestages.   © Lothar Koch

Vom Betriebsrat in die Bundepolitik - Der Ahnataler Gerhard Rübenkönig hat das Bundesverdienstkreuz erhalten.

Ahnatal – „Vielleicht wollte ich es auch einfach nur meinem Vater beweisen“, sagt Gerhard Rübenkönig über den Entschluss, sich als 16-Jähriger gewerkschaftlich zu engagieren. Gerade hatte er noch sehr zu dessen Leidwesen eine Prüfung an der Kasseler Gerhard-Hauptmann-Schule verhauen und daraufhin eine Schlosserlehre bei der AEG aufgenommen. Wenig später wurde er als Jugendvertreter in den Betriebsrat gewählt. Es war der Auftakt einer beeindruckenden Karriere im Ehrenamt. Rübenkönig engagierte sich fortan in zahlreichen Vereinen, Verbänden, Institutionen. Er ging in die Lokalpolitik und zog als Abgeordneter in den Bundestag ein.

Am Donnerstagabend wurde Gerhard Rübenkönig als Anerkennung seines jahrzehntelangen politischen wie gesellschaftlichen Einsatzes mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Sich neben Beruf und Familie in diesem Maße zu engagieren, ist ein Pfund, dem wir Jüngeren unbedingt Respekt zollen müssen“, sagte Silke Engler, Erste Kreisbeigeordnete, anlässlich der Verleihung am Donnerstagabend.

Engagement – für Rübenkönig eine Selbstverständlichkeit: „Es kann nicht sein, dass selbst große Sportvereine heute niemanden mehr finden, der den Vorsitz übernimmt“, sagt er. „Ohne Ehrenamt sehen wir alt aus.“

1969 tritt der Heckershäuser in die SPD ein, wirkt bald als Mann der ersten Stunde in der Gemeindevertretung und im Gemeindevorstand der neu gegründeten Gemeinde Ahnatal. Zu dieser Zeit hat er in der Abendschule die Fachschulreife erworben, ein Studium zum Fertigungstechniker abgeschlossen und sich zum Betriebsingenieur bei Mercedes Benz in Kassel gemausert. 1978 wird er dort Betriebsleiter für die Produktion.

Eine große Herausforderung wird für ihn der Schritt in die Bundespolitik. In Kassel hatte er eine Familie mit zwei Töchtern, zudem einen verantwortungsvollen Posten bei Daimler, den er nicht aufgeben wollte. „Mein Vorgänger im Wahlkreis war Lehrer und ist in seiner Zeit im Bundestag zweimal befördert worden“, sagt Rübenkönig. „Mir konnte man bei Daimler nicht einmal zusichern, dass ich wiederkommen kann.“ Rübenkönig geht das Risiko ein – und bereut es bald. Die ersten Wochen im Herbst 1994 in Bonn sind enttäuschend. Kein eigenes Büro, keinen Plan, niemanden der ihn kennt. Rübenkönig fühlt sich auf den endlosen Gängen des Parlamentsgebäudes wie ein unnützer Pennäler. Doch er beißt sich durch.

Gerhard Rübenkönig  mit dem Verdienstkreuz am Bande
Gerhard Rübenkönig mit dem Verdienstkreuz am Bande © Alexander Röder

Während seine Ehe in die Brüche geht, läuft die politische Karriere bald auf Hochtouren. Er kümmert sich im Hauptausschuss um den Bereich Gesundheit, als Aids ein bestimmendes Thema war und später um Post- und Telekommunikation, als die Privatisierung anstand. Er reist um die Welt, um für den Transrapid zu werben. Dass der in Kassel gefertigte Schnellzug schließlich nicht umgesetzt wird, bezeichnet er als seine größte Niederlage. „Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir vor dem Hintergrund der Umweltkrise diese Chance ausgelassen haben.“ Nach drei Legislaturperioden ist 2005 Schluss mit der Bundespolitik.

Heute genießt der bald 80-Jährige die freie Zeit. Er reist viel mit seiner zweiten Ehefrau und sieht seinen Enkeln und Urenkeln beim Planschen im Pool zu. Das Verdienstkreuz am Bande, das Rübenkönig anlässlich der Jubiläumsfeier zum 50-jährigen Bestehens der Gemeinde Ahnatal überreicht wurde, ist für ihn eine Bestätigung für seine Arbeit. Der Verdienstorden ist eine der höchsten Auszeichnungen der Bundesrepublik. Rübenkönigs Familie, die in großer Zahl im Festzelt anwesend ist, freut sich für ihn. Und gewiss wäre auch sein Vater stolz gewesen. (Alexander Röder)

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