Sina Lippe hat einen neuen Mustang bekommen

Ahnataler Trainerin zähmt amerikanische Wildpferde

Schon am zweiten Tag gute Freunde: Pferdetrainerin Sina Lippe aus Ahnatal mit ihrem neuen Mustang Twister, mit dem sie beim Mustang Makeover in Aachen antreten wird.
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Schon am zweiten Tag gute Freunde: Pferdetrainerin Sina Lippe aus Ahnatal mit ihrem neuen Mustang Twister, mit dem sie beim Mustang Makeover in Aachen antreten wird.

Die Ahnataler Trainerin Sina Lippe hat Erfahrung im Umgang mit amerikanischen Wildpferden. Trotzdem musste sie nun für die Mustang-Makeover-Trainer-Challenge ein neues Pferd aufnehmen.

Ahnatal - Mit ruhigem Schritt nähert sich Sina Lippe dem braun-weißen Wallach, der sich hinter einem viel kleineren schwarzen Isländer zu verstecken scheint. Fast schaut es aus wie ein Tanz zwischen Trainerin und Pferd, den Lippe und der Mustang namens Major auf der kleinen Koppel auf dem Reiterhof Brückenmühle in Ahnatal vorführen. Geht sie auf ihn zu, weicht er aus, und erst nach langem, ruhigen Zureden lässt er sich kurz von ihr berühren und langsam streicheln.

Aber auch nur kurz. Körperkontakt, das sieht sogar ein Laie, ist dem Wildpferd eher unangenehm.

Seit Anfang Mai ist der Mustang nun schon bei Lippe in Ahnatal, die sich seither mit ihm auf den Mustang-Makeover-Trainer-Challenge in Aachen Ende August vorbereitet hat. Doch in den letzten Wochen wurde immer deutlicher, dass es mit Major deutlich schwieriger werden würde, als mit den Mustangs, die Lippe in den Jahren zuvor trainiert hat. „Major hat sich richtig dagegen gesträubt, Menschen gut zu finden“, sagt die 32-Jährige. Manchmal lässt er sich berühren, manchmal nicht, „und momentan kann ich nicht mal einen Strick am Halfter befestigen“, sagt Lippe.

Kurze Berührung: Mustang Major (links) darf in Ahnatal bleiben und sich langsam an Menschen gewöhnen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Major acht Jahre lang als Hengst in freier Wildbahn in Oregon (USA) gelebt hat, bevor er im Oktober eingefangen wurde und nach Deutschland kam. Damit sei er das älteste Pferd beim Mustang Makeover in diesem Jahr, sagt Lippe. „Major hat einen sehr starken Charakter, der lässt sich nicht so schnell überzeugen“, sagt Lippe, die eine von 15 Pferdetrainern europaweit ist, die an dem Event teilnehmen. Deshalb entschied sie am Freitag vor einer Woche, nicht mit ihm in das Event zu gehen. „Es ist einfach zu stressig für ihn, er braucht mehr Zeit, um sich an unsere Welt zu gewöhnen.“ Er bleibt nun erst einmal in Ahnatal.

Doch damit ist die Herausforderung für Lippe nicht etwa vorbei, sondern sogar noch etwas größer geworden. Denn am Dienstag vergangener Woche kam Twister in Ahnatal an, ein Ersatz-Mustang, den die Veranstalter des Mustang-Makeover für den Fall der Fälle immer bereithalten. Lippe hat nun knapp vier Wochen Zeit, mit Twister zu arbeiten, um ihn dann in Aachen vorzustellen.

Zwei bis drei Trainingseinheiten von je 15 bis 20 Minuten stehen nun täglich an. Das Tempo gibt Twister vor. Doch schon an Tag zwei zeigt der Mustang, wie entspannt einerseits und feinfühlig andererseits er ist. Im Gegensatz zu Major, „findet Twister Berührung richtig gut, er lässt sich überall anfassen und ich kann ihn durch Berührung belohnen“, sagt Lippe. Bei Major war genau das Gegenteil der Fall. Als Belohnung für eine verstandene Lektion wollte er erst einmal in Ruhe gelassen werden.

Entspannung pur: Twister wälzt sich nach einer Trainingseinheit im Sand der Manege.

Twister lässt sich ohne Widerwillen einen Strick anlegen und in die Manege führen, wo Lippe ihm zum Beispiel mit Händedruck an der Flanke erklärt, wohin er sich bei dieser Berührung bewegen soll. Das ist wichtig, damit er versteht, was seine Trainerin von ihm will, wenn sie sich zum ersten Mal auf seinen Rücken setzt. „Ich setze mich nicht unvorbereitet auf ein Pferd, damit es möglichst stressfrei für das Pferd ist“, sagt Lippe. Ihr Ziel: Sich in dieser Woche zum ersten Mal auf den Wallach zu setzen.

Die Chancen stehen – so sieht es zumindest an Tag zwei in der Manege aus – recht gut. Während Major ständig unter Hochspannung zu stehen scheint, ist Twister eher der gemütliche Typ. Und er scheint schnell Vertrauen zu seiner Trainerin gefasst zu haben, folgt ihr auch ohne Strick auf Schritt und Tritt. „Wenn ein Mustang einmal Ja zu einem gesagt hat, dann gehen sie mit dir durchs Feuer“, sagt Lippe. Auch deshalb liebt sie diese Pferde so sehr.

Für Twister ist die Morgen-Lektion nach 20 Minuten vorbei. Sein Kopf hängt etwas, die Augen sind etwas kleiner. Für Lippe das Zeichen, dass er nun Zeit benötigt, das gerade Gelernte zu verarbeiten – beim Grasen auf der Weide. (Amira El Ahl)

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