Regiotram fährt mit Diesel

Anwohner hofft auf zeitnahe Elektrifizierung der Bahnstrecke zwischen Kassel und Wolfhagen 

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Hofft auf eine Änderung: Gerhard Kerste aus Heckershausen setzt sich für die Elektrifizierung der Bahnstrecke Kassel-Wolfhagen ein. 

Ahnatal. Man hört und riecht es. Die Regiotram, die gerade an der Haltestelle Casselbreite steht, fährt mit Diesel. „Es sollte doch - gerade in Zeiten des Dieselskandals - jedem klar sein, dass das ein Problem ist“, erklärt Gerhard Kerste.

Er wohnt unweit der Haltestelle und macht sich Gedanken um die Umwelt und seine Mitmenschen. Ganz in der Nähe der Haltestelle ständen schließlich Wohnhäuser, gäbe es einen Spielplatz und einen Friedhof. Seine Lösung: „Die Elektrifizierung der Bahnstrecke“. Und zwar nicht erst in ferner Zukunft, sondern möglichst bald.

Da liegt der Knackpunkt. Eigentlich will auch der NVV die Strecke zwischen Kassel und Wolfhagen komplett elektrifizieren (wir berichteten). Hessens Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir und NVV-Geschäftsführer Wolfgang Rausch hatten im Juli eine entsprechende Absichtserklärung unterschrieben. Eine vom NVV in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zeigt, dass die Elektrifizierung des Streckenabschnitts zwischen Obervellmar und Wolfhagen machbar und bis 2028/9 umsetzbar ist. „Einen Zeitplan mit konkreten Terminen gibt es für den weiteren Verlauf aber noch nicht“, erklärt NVV-Sprecher Armin Noll.

Denn für die Elektrifizierung braucht es unter anderem viel Geld. Die Strecke unter Strom zu setzen kostet zwischen 40 Millionen und 60 Millionen Euro, je nachdem wie aufwendig die Bauarbeiten sind, hieß es beim Termin im Juli. Derzeit führten das Land und der Bund dazu Gespräche, sagt Noll. Es könne aber davon ausgegangen werden, dass der Bund wahrscheinlich Ende des Jahres ein Förderprogramm auflegen werde. Das Land werde - ebenfalls wahrscheinlich Ende des Jahres - dafür eine priorisierte Liste mit förderungswürdigen Projekten in Hessen erstellen. „Dafür hat sich der NVV in Nordhessen gut positioniert“, sagt Noll.

Die Regiotram fährt bis Wolfhagen. Noch ein Stück weiter bis nach Korbach fährt die Kurhessenbahn als RB 4. Der Streckenabschnitt ist und soll in naher Zukunft nicht elektrifiziert werden. Die Lösung könnten hier Eco Trains sein, erklärt Kurhessenbahn-Sprecher Joachim Kuhn. Eco Trains sind umgerüstete Dieselzüge der DB Regio, die je nach Modell ähnlich wie Hybridautos oder E-Autos funktionieren. Das Modell HybridMode mit einem Diesel-, Elektromotor und einer großen Batterie ist das Grundmodell der Eco-Train-Familie und soll bald im Erzgebirge fahren.

Für die Strecke Kassel-Korbach eigne sich allerdings besser das Dual Mode-Modell, erklärt Kuhn. Das habe zusätzlich einen Stromabnehmer. Es könne unter Fahrdraht dann elektrisch fahren und seine Batterien aufladen. So könnte der Zug dann batteriebetrieben von Wolfhagen nach Korbach fahren, sagt Kuhn. Und für den Notfall habe der Zug weiterhin einen Dieselmotor an Bord. Bis Gerhard Kerste und seine Nachbarn aber fahren könnten, dauere es sicherlich noch einige Jahre. Die Finanzierung der Entwicklung stehe noch nicht, der NVV wolle sich aber beteiligen. Dabei habe man auch die Strecke Wabern-Bad Wildungen im Auge. Würden auf diesen Strecken Eco Trains fahren, könne man etwa bis zu zwei Millionen Liter Diesel pro Jahr einsparen.

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