Masken nur noch mit Coupon

Apotheker klagt über Chaos – Jetzt werden Berechtigungsscheine verteilt

Nach zwei Tagen waren mehrere tausend Masken im Dezember weg: Apotheker Alexander Schulze von der Dörnberg-Apotheke in Weimar hofft, dass durch die Coupons nun Missbrauch verhindert wird.
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Nach zwei Tagen waren mehrere tausend Masken im Dezember weg: Apotheker Alexander Schulze von der Dörnberg-Apotheke in Weimar hofft, dass durch die Coupons nun Missbrauch verhindert wird.

Was im Kampf gegen das Coronavirus vom Bund gut gemeint war, sorgte im Dezember in den Apotheken für teils chaotische Zustände. So beschreibt es der Ahnataler Apotheker Alexander Schulze.

Ahnatal – Am 15. Dezember hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Verordnung erlassen, die rund 27 Millionen Deutschen Anspruch auf drei kostenlose Atemschutzmasken zusprach. Gestern begann die zweite Welle der Auslieferung, und die soll nun mittels eines Coupon-Systems in geregelteren Bahnen laufen als noch die erste Verteilung der Masken Ende Dezember. Schulze ist darüber mehr als erleichtert. Denn was er im Dezember erlebt hat, hat ihn einfach nur wütend gemacht. „Selten zuvor hat uns unser Beruf so wenig Freude bereitet wie jetzt“, sagt der 44-Jährige, der seit zweieinhalb Jahren die Dörnberg-Apotheke in Ahnatal-Weimar betreibt. Seit 2003 ist er Apotheker, und zum ersten Mal habe er ernsthaft darüber nachgedacht, alles an den Nagel zu hängen.

Grund dafür war das Chaos, das nach dem 15. Dezember über den Apotheken hereinbrach. Es sei überhaupt nicht klar gewesen, wie die Masken gerecht verteilt werden sollten, sagt Schulze, der nun in kürzester Zeit für etwa 2000 Menschen in Weimar je drei Masken hätte vorhalten müssen, was etwa der Anzahl der über 60-Jährigen im Ort entspricht. „Eine halbwegs gerechte Verteilung war aufgrund der rechtlichen Vorgaben unmöglich.“

Die Apothekerkammer habe zuerst empfohlen, die Masken an Kundenkartenbesitzer auszugeben, um Missbrauch vorzubeugen. Zwei Tage später sei vom Apothekerverband aber die Meldung gekommen, dass es streng verboten sei, in irgendeiner Form die eigenen Kunden zu bevorzugen. Reservierungen für Stammkunden oder Ortsansässige seien ausdrücklich verboten worden. „Das hat wiederum die Leute verärgert“, sagt der Apotheker.

Selbst bei offensichtlichem Missbrauch hätten die Apotheker die Abgabe der Maske nicht verweigern dürfen. „Etwa die Hälfte der Masken mussten wir an Menschen abgeben, die wir noch nie zuvor gesehen haben“, erklärt Schulze das Paradox. Bereits nach zwei Tagen sei das Kontingent von mehreren tausend Masken vergriffen gewesen. Dieses habe sich an der Zahl der normalen Stammkunden orientiert, erklärt der Apotheker. Das sei Bestandteil der Schutzverordnung. „Rein rechnerisch, wenn wirklich nur unsere Kunden gekommen wären, hätte es gereicht.“ Was ihn wütend macht, ist die Tatsache, dass die Apotheker den Kopf hinhalten mussten für ein nicht durchdachtes Gesetz, welches Missbrauch geradezu herausfordere aber eben auch Misstrauen säe. „Viele Stammkunden waren sehr verärgert.“

Ein weiteres Problem seien die Kosten gewesen. „Ich hatte auf mein volles Risiko tausende Masken bestellt, ohne zu wissen, ob ich das Geld wiederbekomme“, sagt der Ahnataler. Ein fünfstelliger Betrag sei das gewesen. Mittlerweile hat Schulze einen Teil des Geldes wiederbekommen. Sechs Euro bekommen die Apotheken pro Maske vom Bund. „Die Pauschale sollte auch den Aufwand mit abdecken“, sagt Schulze. Zudem wurde der Einkaufspreis abgezogen, der bei FFP2-Masken etwa bei zwei Euro liegt.

Seit gestern können nun nur noch mit Vorlage eines Coupons die vom Bund bezuschussten Masken in Apotheken erworben werden. „Da ist Missbrauch ausgeschlossen, auch, weil man zwei Euro zuzahlen muss“, erklärt Schulze. (Amira El Ahl)

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