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Annika Rose aus Ahnatal hat Bundesfreiwilligendienst absolviert

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Von: Amira Sayed El Ahl

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Durfte bei einer Ausgrabung dabei sein: Annika Rose aus Ahnatal absolviert seit einem Jahr ihren Bundesfreiwilligendienst BFD bei der Hessen Archäologie in Marburg.
Durfte bei einer Ausgrabung dabei sein: Annika Rose aus Ahnatal absolviert seit einem Jahr ihren Bundesfreiwilligendienst BFD bei der Hessen Archäologie in Marburg. © Johanna Moore/NH

Wer nach der Schule nicht gleich in ein Studium starten möchte, muss nicht unbedingt ein Freiwilliges Soziales Jahr machen. Man kann sich auch, so wie Annika Rose aus Ahnatal, für den Bundesfreiwilligendienst bewerben.

Ahnatal – Dass man statt eines Sozialen Jahres auch einen sogenannten Bundesfreiwilligendienst im kulturellen Bereich absolvieren kann, erfuhr Annika Rose von ihren Großeltern. Die hatten im Magazin Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gelesen, dass sich junge Menschen auch ein Jahr lang in der Denkmalpflege engagieren können, und der Enkelin den Artikel per Post geschickt.

Rose interessiert sich schon lange für Archäologie. Oft sei sie mit ihrer Familie die Eco-Pfade rund um Kassel abgewandert. „Ich fand das immer interessant, genau wie Dokus über archäologische Themen“, sagt die 19-jährige Ahnatalerin. Deshalb hatte sie darüber nachgedacht, Archäologie zu studieren, wollte aber nach dem Abi an der Jakob-Grimm-Schule in Kassel im vergangenen Jahr nicht gleich an die Uni. „Ich wollte nicht sofort weitermachen in einem verschulten System, ich wollte da einfach mal raus“, sagt Rose. Da kam die Idee der Großeltern, die Anfang des Jahres mit der Post ins Haus geflattert kam, wie gerufen.

Ihr Bundesfreiwilligenjahr bei Hessen Archäologie in Marburg ist nun fast vorbei, und Rose sagt, dass die zwölf Monate im Landesamt für Denkmalpflege „eine sehr bereichernde Erfahrung“ gewesen seien. Sie war bei archäologischen Ausgrabungen dabei, durfte die Bezirksarchäologin bei Baubesprechungen begleiten und hat archäologische Fundobjekte archiviert. Aber vor allem hat sie gezeichnet. „Die Aufgabenbereiche werden auch den persönlichen Interessen angepasst, deshalb habe ich recht viel gezeichnet“, erklärt Rose, die Kunst als Leistungsfach in der Schule hatte.

So hat sie gelernt, mit einem speziellen Zeichenprogramm umzugehen und zum Beispiel Keramikscherben maßstabsgetreu auf Papier nachzubilden. „Es wird heute zwar hauptsächlich digital gezeichnet, aber besondere Funden werden weiterhin auf Papier übertragen“, erklärt Rose. So durfte sie zum Beispiel einen Meißel auf Papier bringen, der bei Ausgrabungen am Schloss in Marburg gefunden worden war. „Das war besonders, da bestimmte Normen eingehalten werden müssen, um die ganzen Details, die Oberfläche und Textur abzubilden, deshalb hat diese Zeichnung sehr lange gedauert.“

Eine Woche lang durfte die Heckershäuserin auch bei einer Ausgrabung in Niederweimar bei Marburg dabei sein. Dabei hat sie auch ein paar bronzezeitliche Keramiken gefunden. Mittlerweile kann sie auch einschätzen, ob eine Keramikscherbe neuzeitlich oder älter ist: „Das erkennt man daran, dass erst im Mittelalter angefangen wurde, Keramik zu glasieren.“

Doch Rose hat in dem Jahr auch gelernt, dass Archäologie viel Büroarbeit ist, wo Funde gewaschen, verzettelt und verpackt werden. „Ich finde, die Arbeit im Büro macht schon Spaß, weil man immer den Bezug zur Archäologie hat – und es gibt immer was Interessantes zu lesen“, sagt Rose.

Trotzdem wird sie statt Archäologie nun Kunstgeschichte in Marburg studieren. Das Arbeitsjahr habe bei der Entscheidungsfindung geholfen. Rose ist sich sicher, dass sich der BFD für jeden lohne, der Einblick in den Arbeitsalltag gewinnen wolle und vielleicht noch nicht genau wisse, wohin die Reise im Leben gehen soll. „Man hat in dem Jahr Zeit, ein bisschen erwachsen zu werden und sich noch mal zu überlegen, was man wirklich machen will“, sagt Rose.

Stelle ab September zu besetzen

Seit 2011 gibt es den Bundesfreiwilligendienst (BFD) als Ersatz für den Zivildienst. Auch beim Landesamt für Denkmalpflege kann man diesen absolvieren. Die Abteilung Hessen Archäologie ist für die Betreuung der gesetzlichen Bodendenkmalpflege in Hessen zuständig. Von der Außenstelle Marburg werden die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner, Schwalm-Eder, Hersfeld-Rotenburg, Marburg-Biedenkopf, Vogelsberg, Fulda sowie Landkreis und Stadt Kassel betreut. Bundesfreiwillige erhalten dort die Möglichkeit, einen Einblick in den bodendenkmalpflegerischen Arbeitsalltag zu bekommen. Ab dem 1. September sucht das Landesamt für Denkmalpflege Hessen noch nach einem Bundesfreiwilligen (BFD) für ein Jahr. Infos unter: lfd.hessen.de/ueber-uns/bundesfreiwilligendienst-der-hessenarchaeologie. (Amira Sayed El Ahl)

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