Neuer Wohnraum ist knapp

Bauplätze im Altkreis Kassel sind beliebt

Bauplätze im Speckgürtel um Kassel sind beliebt. Unser Luftbild zeigt das Neubaugebiet im Ahnataler Ortsteil Kammerberg.
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Bauplätze im Speckgürtel um Kassel sind beliebt. Unser Luftbild zeigt das Neubaugebiet im Ahnataler Ortsteil Kammerberg.

Wer in Kassel bauen will, der weicht immer öfter auf Neubaugebiete in den Altkreiskommunen aus. Weil die Nachfrage so groß ist, müssen viele Kommunen ihre Bauplätze mittlerweile verlosen.

Kreis Kassel - Der hohe Bedarf wirkt sich auch auf die Preise aus. Laut Immobilienbericht werden 200 Euro pro Quadratmeter im Umland von Kassel bereits überschritten. Allein im vergangenen Jahr sind die Preise um fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.

Doch wo ist rund um Kassel noch Platz für Wohnraum, der auch bezahlbar ist? Und wie viel Fläche braucht es dafür? Einen Überblick hat der Zweckverband Raum Kassel (ZRK). Er stellt Flächennutzungsplan und das Siedlungsrahmenkonzept auf. Das gibt eine Aussicht darauf, wie viel Wohnfläche es braucht und wo sie entstehen könnte.

Der Zweckverband geht davon aus, dass bis zum Jahr 2030 mehr als 22.000 Wohneinheiten gebraucht werden. Das ergibt sich aus einer Prognose des Instituts Wohnen und Umwelt. Eine Wohneinheit kann dabei eine Wohnung oder ein Haus sein, kurz gesagt, ein Haushalt. Rechnet man die Flächen für den benötigten Wohnraum zusammen, ergibt sich ein Gebiet von 6,29 Quadratkilometern. Das entspricht in etwa der Größe des Baunataler Stadtteils Altenbauna. Etwas mehr als die Hälfte kann laut ZRK über bestehende Flächen abgedeckt werden. Für den Rest müssen neue Grundstücke erschlossen werden.

Dabei hat der Verband schon an einer Stellschraube gedreht: Er hat den Platz pro Haushalt heruntergesetzt. Ein Beispiel: Wurden früher 400 Quadratmeter für einen Haushalt berechnet, so nun bei 285 Quadratmetern angesetzt. „Das haben wir bewusst so gemacht, um Flächen zu sparen“, sagt Verbandsdirektor Kai Georg Bachmann. Damit bezwecke man eine stärkere Durchmischung von sozialen Schichten.

Moment arbeitet der Verband an einem neuen Siedlungsrahmenkonzept. Die darin enthaltenen Flächen für den benötigten Wohnraum basieren auf einer Abfrage bei den Verbandskommunen. Ende des Jahres soll das neue Konzept verabschiedet werden. Bachmann ist zuversichtlich, den künftigen Bedarf decken zu können. „Das geht natürlich nicht von heute auf morgen“. Immer wichtiger werde dabei auch das Ausweiten auf andere Kommunen im Landkreis Kassel. Allein im Zweckverbandsgebiet werde man die Plätze nicht schaffen können. Ein Ziel des Verbands ist es deshalb, die eigenen Verbandsgrenzen stärker aufzuweichen, erklärt Bachmann. Bauplätze etwa in Helsa oder Söhrewald könnten den angespannten Markt entlasten.

Täglich gibt es Anfragen bei Kommunen

Den Kommunen kommt bei der Suche nach Bauland eine entscheidende Rolle zu. Denn auch Baulücken im Ort müssen geschlossen werden. „Nur Bauen auf der grünen Wiese geht nicht“, sagt ZRK-Direktor Kai Georg Bachmann. Das verbrauche zu viel Land.

Eine Abfrage bei den Gemeinden Fuldatal, Espenau und Schauenburg ergibt: Baulücken und Leerstand sind kein Problem. „Leerstand haben wir fast nicht“, sagt Schauenburgs Bürgermeister Michael Plätzer. Auch in Fuldatal sind laut Bürgermeister Karsten Schreiber im vergangenen Jahr 100 Häuser verkauft worden.

Gefragt sind aber vor allem Einfamilienhäuser und Doppelhaushälften. Fast täglich bekommen die Kommunen Anfragen. „Der Druck am Markt ist riesengroß“, sagt Plätzer. „Viele suchen händeringend einen Bauplatz“. Auch die vielen Doppelanfragen in den Kommunen sind ein Beleg für den großen Bedarf.

Die Bauplätze in Fuldatal-Ihringshausen „Auf der Treber“ mussten unter den Interessierten verlost werden. Espenau arbeitet eine Warteliste ab. 130 Interessenten stehen aktuell darauf, für knapp 40 Bauplätze, sagt Büroleiter Albrecht Bertelmann. Schauenburg kann derzeit nichts mehr anbieten. „Wir sind ausverkauft“, sagt Plätzer. Neue Gebiete seien aber in Vorbereitung. Der Schwerpunkt liege aufgrund der Nähe zu Kassel in Elgershausen. „Früher hätten wir für den Verkauf von 58 Plätze vier bis fünf Jahre gebraucht“, heute gingen sie in eineinhalb Jahren weg.

Mit den Anfragen sei auch der Anspruch an die Bauflächen selbst gewachsen, sagt Schreiber. „Aber wir können nicht jeden Tag Sportplatz große Flächen wegnehmen“. Deshalb setzt er auch auf Bestandsimmobilien und Brachflächen. Viele Senioren würden mittlerweile eine altersgerechte Wohnung suchen.

Wenn man mehr barrierefreien Wohnraum im Ort schaffen würde, könnte man die oftmals großen Grundstücke effizienter nutzen und dort Geschosswohnungsbau realisieren. Denn „man kann nicht um jeden Preis wachsen“. Das sieht Espenaus Büroleiter so. Schließlich müsse man auch jungen Familien mit Kindern einen Kitaplatz anbieten können. 

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