Am Bühl in Ahnatal

Campingplatz ist ihr Zuhause: Zwei Kasseler Studenten leben in einem Bus

+
Fühlen sich hier wohl: Niklas Peterknecht (links) und sein Freund Clemens Ollermann leben seit Oktober auf dem Campingplatz am Bühl in Ahnatal. 

Ihr Zuhause ist ein Bus. Und der steht auf dem Campingplatz am Bühl in Ahnatal. Dort leben zwei Studenten der Kasseler Uni. Wir haben sie besucht.

Weit weg vom Lärm der Stadt und trotzdem nah dran, und das ohne Auto – kaum ein Ort erfüllt diese Kriterien besser als der Bühl in Ahnatal. Zumindest für Clemens Ollermann und seinen Partner Niklas Peterknecht. Die Studenten leben seit vergangenem Oktober auf dem Campingplatz am Bühl und haben hier für sich den perfekten Ort gefunden, um den stressigen Stadtalltag hinter sich zu lassen.

Der Platz in Ahnatal war zudem einer der wenigen in der Region, der Dauercampen überhaupt erlaubt. Insgesamt elf Personen haben hier ihren ersten Wohnsitz eingetragen. „Das ist wie eine kleine Dorfgemeinschaft“, sagt Peterknecht. Der 22-Jährige aus Lübeck und der zwei Jahre jüngere Ollermann aus der Nähe von Leipzig sind die Jüngsten in dieser Gemeinschaft. „Wir sind jetzt Ahnataler“, sagt Peterknecht.

Die Post kommt täglich, und sogar einen Shuttlebus gibt es, der zum Bahnhof nach Weimar fährt. „Das ist ein ganz toller Service von der Gemeinde“, sagt Peterknecht. Der Bus ist nicht nur praktisch, sondern auch gut für ihren Geldbeutel, denn er ist kostenfrei für Ahnataler. „Damit hatten wir nicht gerechnet.“ In 30 Minuten sind sie von Weimar mit der Regiotram an der Uni. „Das ist ein guter Kompromiss für uns“, sagt Ollermann.

Die beiden brauchen nicht viel, um glücklich zu sein. Gemerkt haben sie das in Neuseeland, wo sie ein Jahr gewohnt haben – in einem Kombi. „Wir haben aus dem Auto gelebt, weil man so die Natur besser erleben kann“, erklärt Ollermann. Das Jahr auf der anderen Seite der Erde war für das Paar ein Findungsprozess. Kennengelernt haben sie sich vor sechs Jahren über das Internet, „so, wie man das heute eben macht“, wie Ollermann grinsend sagt.

Aus Wohnungsnot auf den Campingplatz: Weil ein Kasseler Student keine Wohnung fand, zog er auf den Campingplatz in Zierenberg

Peterknecht und Ollermann kamen zurück nach Deutschland, um an der Kasseler Uni Soziologie und Politikwissenschaften zu studieren. Kassel hatte zwei Vorteile: einen NC-freien Studiengang und die Lage mitten in Deutschland, um ihre Familien und Freunde gut erreichen zu können – und dazu noch viel Natur.

Sie fanden Olaf, wie sie ihren Fiat Ducato getauft haben, in Hamburg für wenig Geld und einen Stellplatz am Bühl, der seither ihr Zuhause ist. Sie vermissen dort am Waldrand nichts. „Die meisten fragen, wie das im Winter geht“, sagt Peterknecht. Die Antwort: Es gibt eine Heizung in ihrem Wohnmobil. „Wir haben uns nach Neuseeland etwas mehr Luxus gegönnt.“ Küche, Gasheizung, ein Bett, zwei Tische und sogar einen Gefrierschrank hat Olaf. „Alles, was man in einer normalen Wohnung hat, nur kompakter“, sagt Ollermann. Überhaupt seien sie Fans des Minimalismus. „Man häuft so keine Dinge an, die man sowieso nicht braucht.“ Auch auf den Streamingdienst Netflix müssen sie nicht verzichten, wo gerade eine Serie zum Minimalismus läuft. Sie haben einen mobilen Router.

Dafür müssen sie für Klo und Dusche 50 Meter über den Platz laufen. „Aber so kommt man mal raus und bewegt sich“, sagt Ollermann. Schlechtes Wetter sei eine Frage der Einstellung. Und neben der Ruhe und dem Leben mitten in der Natur hat das Leben auf dem Campingplatz noch einen großen Vorteil für die Studenten: Es ist unschlagbar günstig. 42 Euro zahlen sie zu zweit an Pacht, ohne Gas und Dusche. Das macht knapp 500 Euro im Jahr. Mit dem gesparten Geld wollen sie im Sommer reisen. Natürlich mit Olaf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.