Bürgermeister weist Vorwürfe zurück

Elternbeirat kritisiert Situation in der Kita Königsfahrt in Ahnatal-Weimar

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Unzufriedene Eltern: René Linek (vorn von links), Carola De ttmar, Andreas Lecke, Julia Murach-Linek (dahinter von links) und Jennifer Gerdes fordern eine bessere Betreuung in der Weimarer Kita. 

Die Betreuungssituation in der Kita Königsfahrt ist schon lange Dorfgespräch. Viele Eltern klagen über bauliche Mängel und fehlendes Personal.

Ahnatal – Im Kindergarten Königsfahrt und seiner Außenstelle an der Helfensteinschule gibt es offenbar Konflikte – der Elternbeirat hat sich deswegen auch an die HNA gewandt. Das Gremium kritisiert die bauliche und personelle Situation. Die Gemeinde reagiere zu langsam auf den steigenden Platz- und Sanierungsbedarf, die Neubauplanung dauere zu lange.

Die Kommune nehme auch zu wenig Geld in die Hand und die Probleme würden den Eltern nicht ausreichend kommuniziert. Es fehle an Verlässlichkeit bei der Betreuung der Kinder. Bürgermeister Michael Aufenanger (CDU) weist die Vorwürfe im Wesentlichen zurück, räumt allerdings Probleme bei der Personalsituation ein. Diese seien aber nicht hausgemacht, sondern den Umständen geschuldet.

Die Liste der Vorwürfe des Elternbeirats ist lang: Sie reicht von räumlichen Mängeln im Pavillon der Außenstelle und dessen fehlender Einfriedung, nicht abgearbeiteten Reparatur- und Sanierungsbedarf, zu viel Fluktuation beim Betreuungspersonal über mangelnde Aktivitäten bis hin zu einem unzureichenden Konzept für die Vorschulkinder.

Auch müsse die Außenstelle an der Helfensteinschule so bald wie möglich geschlossen werden. Diese sei eine „Verwahrstelle“ für die Kinder, sagt Andreas Lecke, Vorsitzender des Elternbeirats. Es fehlten ein „kindgerechtes Konzept“ für die Vorschulkinder und Fachkräfte, die es umsetzen, meint er. Der Bürgermeister bestreitet das. „Viele gehen nicht gern in den Kindergarten“, erklärt das Elternbeiratsmitglied Jennifer Gerdes. Es gebe Eltern, die ihr Kind früher abholten, „weil sie nicht den Eindruck haben, dass es dem Kind guttut“, sagt Carola Dettmar, Mutter zweier Kinder, die nicht Mitglied im Beirat ist.

Personalmäßig sei es schon zu „Extremsituationen“ gekommen, sagt das Beiratsmitglied Julia Murach-Linek. Der Elternbeirat bezieht sich dabei unter anderem auf eine Woche in der Vorweihnachtszeit, als die Gemeinde die Eltern gebeten hatte, wegen krankheitsbedingter Ausfälle ihre Kinder möglichst zu Hause zu lassen. Die Gemeinde habe es damals abgelehnt, Betreuungshilfe von Eltern anzunehmen, klagt der Elternbeirat. Das stimmt nicht, sagt der Bürgermeister. Es seien nur Angebote für eine stundenweise Betreuung gekommen, das habe sich schon versicherungsrechtlich nicht umsetzen lassen.

Den künftigen Bedarf von Kindergartenplätzen schätzt der Elternbeirat höher ein als die Gemeinde, die in ihrem Standortkonzept von gleichbleibenden bis nur leicht steigenden Zahlen ausgeht. Die Kita Königsfahrt müsse schnellstens grundsaniert werden, Reparaturen reichten nicht, sagt der Elternbeiratsvorsitzende Lecke. Sie habe dem Bürgermeister selbst Vorschläge für einen Umbau gemacht, erklärt Murach-Linek. Ihr Mann René Linek, ebenfalls im Elternbeirat, findet, die Gemeinde habe vergangenes Jahr verpasst, hohe Zuschüsse für ein Umbau- oder Neubauprojekt zu beantragen. „Der Bürgermeister spielt auf Zeit, und das auf dem Rücken der Kinder“, berichtet Gerdes.

Bürgermeister und Kita-Leitung wehren sich gegen Vorwürfe

„Ich bin von den Vorwürfen überrascht“, sagt Ahnatals Bürgermeister Michael Aufenanger. Er könne sie nicht nachvollziehen. Die Verwaltung habe mit Rundschreiben vom 18. Dezember 2019 die Eltern des Kindergartens über die mit dem Elternbeirat vereinbarte Mängelbeseitigung in der Kita, die personelle Situation und die Perspektiven für einen Neubau und eine Sanierung informiert.

Die Verwaltung sei nicht untätig geblieben, sagt Aufenanger. Bis Herbst vergangenen Jahres sei es gar nicht möglich gewesen, Zuschüsse für einen Umbau oder Neubau zu beantragen, da es dafür noch gar keine Beschlüsse der Gemeindevertretung und keine Entwurfsplanung gegeben habe. Die Verwaltung habe fristgerecht im Herbst 2019 ein Standortkonzept vorgelegt.

Auf Grundlage dieses Konzepts stehe schon im Februar in der Gemeindevertretung die Entscheidung über einen Neubau und die Sanierung der Kita an, so der Bürgermeister. Das Land Hessen habe angekündigt, für dieses Jahr wieder Fördermittel in Millionenhöhe für Kitas bereitzustellen. Er habe Linek auch zugesagt, dass die Ideen des Elternbeirats in die Planung einbezogen würden, sagt Aufenanger. 

Zur benötigten Zahl von Kita-Plätzen erklärt er: „Die äußerst dynamische Entwicklung stellt uns vor große Herausforderungen. Wir hinken hinterher, weil bestimmte Dinge nicht schneller gehen.“ Bisher habe man alle Wünsche der Eltern erfüllen können.

Den Vorwurf, der bauliche Zustand des Kindergartens sei nicht mehr zumutbar, weist Aufenanger zurück. Das Gebäude sei zwar alt, erfülle aber ebenso wie der Pavillon an der Helfensteinschule alle behördlichen Anforderungen. Man sei schon längst dabei, kleinere festgestellte Mängel zu beheben. Für Mitte Februar sei dazu ein weiterer Termin mit dem Elternbeirat vorgesehen.

Aufenanger bestreitet, dass die Gemeinde dieses Jahr weniger Geld für die Betreuung ausgeben werde. René Linek und Julia Murach-Linek vom Elternbeirat hatten auf die im Etatentwurf um 70.000 Euro reduzierten Personalkosten hingewiesen.

Kein unmittelbarer Sanierungsbedarf: Kita-Leiterin Lisa Oschmann zeigt einen der Räume in der Kita Königsfahrt. Mit Beschwerden von Eltern wird sie dennoch konfrontiert. Das berufliche Engagement der Erzieherinnen wird vom Elternbeirat ausdrücklich gelobt.

„An Erziehern wird nicht gespart“, sagt der Bürgermeister. Diese seien auch qualifiziert. Eine hohe Fluktuation gebe es nicht. Die Etatreduzierung sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass wegen der nun externen Essensbelieferung keine Köchin mehr gebraucht werde. 

Wegen Krankheitsfällen und Renteneintritt sei es allerdings zu Engpässen gekommen, die man wegen des Fachkräftemangels – trotz Zusammenarbeit mit einer Zeitarbeitsfirma – nicht habe ausgleichen können. In seinem Brief an die Eltern spricht Aufenanger von „sich mehrenden personellen Problemen“. Man habe unter anderem deshalb inzwischen eine externe Consulting-Firma eingeschaltet.

Kita-Leiterin Lisa Oschmann räumt ein, dass es Beschwerden von Eltern gebe, die häufig kein Verständnis für die Situation zeigten. Aktivitäten für die Kinder seien aber nicht zurückgefahren worden, höchstens einmal wegen der Witterung. Es gebe auch kein Raumproblem in der Kindertagesstätte. 

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