Seniorin durchschaute Betrüger und alarmierte Polizei

Festnahmen nach Schockanruf in Ahnatal

Bild neu ARCHIV - ILLUSTRATION - 5.07.2016, Bayern, Garmisch-Partenkirchen: Eine Frau steht mit einem Telefon am Fenster, vor dem ein Stalker steht. (zu dpa "Weniger Anzeigen wegen Stalkings in Niedersachsen" vom 12.05.2018) Foto: Angelika Warmuth/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit
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Eine 69-jährige Frau aus Ahnatal hat einen Schockanruf bekommen. Sie hat die Betrüger allerdings durchschaut und die Polizei eingeschaltet.

Eine 35-jährige Frau und ein 65-jähriger Mann konnten nach einem betrügerischen Schockanruf am Donnerstagabend von der Kasseler Kripo in Ahnatal-Weimar bei einer Geldübergabe festgenommen werden.

Ahnatal/Kassel - Nach Angaben von Polizeisprecherin Ulrike Schaake handelt es sich bei den beiden Tatverdächtigen um polnischer Staatsangehörige, die in Deutschland keinen festen Wohnsitz haben. Die falschen Polizisten wurden am Freitag einem Haftrichter vorgeführt.

Am Donnerstagnachmittag hatte eine 69-jährige Frau aus Ahnatal einen Anruf bekommen. Der Betrüger am anderen Ende der Leitung gab vor, dass der Enkel der Seniorin einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Um die Haft des Enkelsohns abzuwenden, müsse die Ahnatalerin nun eine Kaution von 15 000 Euro zahlen. „Trotz im Hintergrund eingeblendeter Geräusche wie Funkrauschen und Martinshorn durchschaute die pfiffige Seniorin die Masche und handelte genau richtig, indem sie die richtige Polizei alarmierte“, so Schaake.

Die Ermittler der EG SÄM, die für solche Betrugsdelikte zum Nachteil älterer Menschen zuständig sind, leiteten umgehend Maßnahmen ein, die schließlich gegen 19.30 Uhr zur Festnahme der beiden Tatverdächtigen, die die Betrügerbande zur Geldabholung nach Ahnatal-Weimar geschickt hatte, mündete. Gegen sie und noch unbekannte Mittäter wird nun wegen bandenmäßigem Betrugs ermittelt.

Nach Angaben der Polizeisprecherin werden jeden Monat in Stadt und Landkreis Kassel rund drei Dutzend Anzeigen von Senioren erstattet, die einen Schockanruf von falschen Polizisten bekommen haben. Es sei davon auszugehen, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist.

Immer wieder kommt es aber auch vor, dass ältere Menschen auf die fiese Masche der Betrüger reinfallen. Erst vergangene Woche Dienstag war eine Seniorin aus Kassel um ihre Ersparnisse gebracht worden. Auch sie war von einem Mann angerufen worden, der sich als Polizist ausgegeben hatte. Glaubhaft berichtete dieser am anderen Ende der Leitung, dass die Tochter der Frau einen tödlichen Unfall verursacht habe. Um eine Inhaftierung der Tochter zu verhindern, sei die sofortige Zahlung an die Gerichtskasse erforderlich. Mit dieser erfundenen Geschichte brachte er die Frau dazu, mehrere Tausend Euro an einen Komplizen zu übergeben.

Die Senioren würden oft nicht nur ihre gesamten Ersparnisse verlieren. Auch die psychischen Folgen seien massiv. Opfer würden durch einen solchen Betrug teilweise schwer traumatisiert, im schlimmsten Fall bekämen sie sogar Suizidgedanken, weil sie sich so sehr schämten, auf diese Betrüger hereingefallen zu sein.

Man wisse aus vielen Ermittlungsverfahren, dass die Täter ihre Opfer oftmals in Telefonverzeichnissen finden, so die Polizeisprecherin. Die Täter schauten nach Menschen mit klingenden Vornamen. Von daher sollte man genau überlegen, ob es erforderlich ist, in Telefonverzeichnissen seinen vollständigen Namen und die Adresse anzugeben.  (use)

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