Über Eis und Schnee zum Briefkasten

HNA-Zusteller Mario Galuschka kämpft sich durch den Schnee am Kammerberg

Extraschicht: Über Schneehügel, vereiste Treppen und Gehwege trägt Mario Galuschka am Kammerberg in Ahnatal die HNA aus. Er übernimmt die Schicht nach seiner eigenen für einen gestürzten Kollegen. Deshalb kommen die Zeitungen erst um 10 Uhr an.  
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Extraschicht: Über Schneehügel, vereiste Treppen und Gehwege trägt Mario Galuschka am Kammerberg in Ahnatal die HNA aus. Er übernimmt die Schicht nach seiner eigenen für einen gestürzten Kollegen. Deshalb kommen die Zeitungen erst um 10 Uhr an.  

Mario Galuschka trägt täglich die HNA aus und hat in Ahnatal einen Vertretungsdienst übernommen. Wir haben ihn begleitet.

Ahnatal – Mario Galuschka parkt sein Auto am Kammerberg in Ahnatal mit dem Heck nach hinten. Schon drei Mal hat er sich diese Woche festgefahren. Eine dicke Mütze hat er aufgesetzt, Handschuhe trägt er nicht. Gleich wird er durch die Straßen stapfen, um den Anwohnern die Zeitung zu bringen. Es ist schon 9.45 Uhr, er hat die Tour zusätzlich übernommen.

Die Sonne kämpft sich durch die Wolken. Minus sieben Grad hatte das Autothermometer angezeigt. „Gestern war es kälter“, sagt Galuschka, „minus 20 Grad“. Doch an die Kälte gewöhne man sich. „Regen ist schlimmer, dann werden die Zeitungen nass.“ Seit 3 Uhr ist der 49-Jährige auf den Beinen, er trägt heute nur bei Tageslicht, weil der Zusteller für den Kammerberg ausgefallen ist – gestürzt. Sonst wäre Galuschka gegen 6 Uhr fertig und würde Brötchen fürs Frühstück holen.

Während Schneeflocken vom Himmel schweben, packt er die Tasche mit Zeitungen aus dem Kofferraum voll. „Am Wochenende passen nur 20 rein“, sagt der Zusteller, dann ist die Zeitung dicker. An diesem Tag werden es 40. An einen Zeitungswagen sei bei den Schneemassen nicht zu denken.

Mit seinem Lageplan biegt er in die Kasseler Straße. 25.000 Schritte zählt seine App auf dem Handy bei einer Doppeltour. Er läuft auf der Straße, nicht alle Gehwege sind frei. Über den Bordsteinen türmt sich meterhoch der Schnee.

Galuschka, der in Vellmar wohnt, macht den Job schon seit 23 Jahren – hauptberuflich. Im nördlichen Landkreis hat er schon überall Zusatztouren übernommen, auch in Bad Karlshafen. Galuschka kann sich nichts Besseres vorstellen. „Gerade jetzt in Corona-Zeiten ist das doch der schönste Arbeitsplatz“, sagt er und klettert eine Treppe hoch, bei der man kaum die Stufen sieht vor lauter Schnee. Eine Maske brauche schließlich keiner an der frischen Luft.

Mario Galuschka ist HNA-Austräger - bei jedem Wetter.

Ein Anwohner in der Amalienthaler Straße grüßt. „Hallo, jetzt lerne ich Sie endlich mal kennen“, ruft er. Er sei nur die Vertretung, antwortet Galuschka. Am Sonntag seien drei, am Montag fünf Zusteller ausgefallen. Einige seien gestürzt, wegen der Glätte. Es sei klar gewesen, dass die Situation schwierig werden würde. Aber dass es so heftig werde, war nicht abzusehen. „Das können wir nicht mehr auffangen.“

„Wir kommen an unsere Grenzen“, sagt auch Jörg Chancyk, Geschäftsführer des Vertrieb-Transport-Services Hofgeismar, Galuschkas Chef. Die Personaldecke sei sowieso dünn, permanent würden neue Zusteller gesucht. Viele seien zudem älter, sie bessern mit dem Austragen ihre Rente auf.

„Zeitung tragen will kaum jemand“, sagt Mario Galuschka. Er macht es gern, auch wenn es bei dem Schnee mit einem Risiko verbunden ist. Wenn er stürzt, würde er zumindest die Tour zu Ende tragen, sagt er. Selbst ein Herzinfarkt hat ihn nicht dazu gebracht, den Job zu wechseln.

An diesem Tag wird Galuschka noch bis 11 Uhr unterwegs sein. Wenn die Gesundheit mitmache, will er sogar noch in der Rente weiter machen. (Valerie Schaub)

Weitere Infos zum Zusteller-Job unter hna-zusteller.de und unter Tel. 0561/2031282

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