Privatinitiative setzt sich für mehr Barrierefreiheit in Ahnatal ein

Initiatoren: „Wir wollen einen Treppenlift“

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Hindernis: Die Mitglieder der Privatinitiative fordern einen barrierefreien Zugang zum Alten Rathaus in Weimar. Zu der Gruppe gehören unter anderem Katja Zöller (vorne) und (von links) Ulrich Zöller, Lothar Köther, Barbara Rudisile-Köther, Christa Immelnkämper, Marlies Kleinsteuber, Günter Rehwald und Bernhard Kleinsteuber. 

Eine Privatinitiative setzt sich für mehr Barrierefreiheit in Ahnatal ein

„Wenn wir in diesem lebenswerten Ort weiter gut und gerne leben wollen, dann muss etwas passieren“, sagt Katja Zöller. Zehn Jahre lang war die 47-Jährige als eine von zwei ehrenamtlichen Behindertenbeauftragten für die Gemeinde Ahnatal im Einsatz, vor eineinhalb Jahren hat sie ihr Amt abgegeben. „Ich habe keine Perspektive mehr gesehen. Aber engagieren kann man sich ja auch privat“, sagt sie.

Und so hat sie im vergangenen Jahr Spenden gesammelt, um den barrierefreien Zugang zur Post in Weimar zu ermöglichen. Zudem hat sie gemeinsam mit Gleichgesinnten eine Privatinitiative gegründet, die sich für mehr Barrierefreiheit in Ahnatal einsetzen will. „Wir wollen auf das Thema aufmerksam machen und dafür sensibilisieren“, erklärt Katja Zöller. Und Mitstreiter Lothar Köther betont: „Wir wollen Zukunft gestalten. Viele sind hier auf Barrierefreiheit angewiesen“. Das Thema betreffe nicht nur behinderte Menschen, sondern zum Beispiel auch Senioren und Eltern mit Kinderwagen.

Ein wichtiges Anliegen ist der Initiative ein barrierefreier Zugang zum Alten Rathaus in Weimar. „Da einen Treppenlift einbauen oder eine Plattform, mit der man hochfahren kann, ist technisch kein Problem“, sagt Köther. Laut Zöller gab es bereits 2008 Gespräche mit der Gemeinde über einen Außenaufzug. Seitdem sei das Thema immer mal wieder angesprochen worden, passiert sei aber nichts. Angebote wie der Seniorentreff mit Mittagstisch könnten von vielen gehbehinderten Senioren nicht wahrgenommen werden. „Die müssen ja erst mal die zehn Stufen zum Eingang hochkommen“, sagt die Sozialpädagogin, die mehrere Jahre in der Altenhilfe gearbeitet hat. „Da bin ich besonders sensibilisiert, was den Bedarf der Senioren angeht.“

Ebenfalls ein Anliegen ist der barrierefreie Zugang zu Geschäften wie dem Teeladen und der Bäckerei in Weimar. „Das Zentrum des Orts sollte von allen genutzt werden können. Sonst gehen immer mehr Leute in die großen Zentren statt hier in die kleinen Geschäfte“, sagt Christa Immelnkämper. „Für andere Sachen ist Geld da. Aber etwas für Menschen zu tun, die es sowieso schwer haben und Hilfe brauchen, das dauert so lange“, kritisiert sie. Ein Problem ist laut Ulrich Zöller, dass für den nötigen Umbau unterschiedliche Zuständigkeiten gelten, je nachdem ob es sich um ein Privatgrundstück oder etwa den Bürgersteig handelt. „Aber Warburg und Fritzlar sind zum Beispiel komplett barrierefrei. Da scheint die Zusammenarbeit zwischen den Gewerbetreibenden und den Kommunen zu klappen“, sagt er. Auch auf die noch immer fehlende behindertengerechte Toilette am Minigolfplatz beim Bühl macht die Initiative aufmerksam. Den Umbau habe der Pächter 2016 zugesagt. „Da hätte ich erwartet, dass die Gemeinde das stärker kontrolliert“, sagt Katja Zöller.

Einen Lichtblick gibt es laut Zöller aber inzwischen – der Zugang zur Bäckerei in Weimar soll ab April barrierefrei sein.

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