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Kita-Situation bleibt Priorität: Ahnatals Bürgermeister Stephan Hänes (SPD) schaut nach vorn

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Von: Amira Sayed El Ahl

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Hier ist er aufgewachsen: Bürgermeister Stephan Hänes unter der Linde in Weimar, seinem Lieblingsort in Ahnatal.
Hier ist er aufgewachsen: Bürgermeister Stephan Hänes unter der Linde in Weimar, seinem Lieblingsort in Ahnatal. © Amira El Ahl

Corona, Krieg, Inflation –2022 hat unser Leben kräftig durcheinander gewirbelt. Wie erleben die Kommunen diese Zeit? Was sind die Herausforderungen? Wir fragen bei den Bürgermeistern nach. Heute: Stephan Hänes (SPD) aus Ahnatal.

Ahnatal – Seit dem 1. April 2021 sitzt Stephan Hänes (SPD) im Ahnataler Rathaus. Wir sprachen mit ihm über das vergangene Jahr und was er vom kommenden Jahr erwartet.

Wenn Sie auf das Jahr zurückblicken, welche Gefühle dominieren dann?

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden, wir haben einiges erreicht. Schön ist, dass sich die Stimmung in den politischen Gremien sehr verbessert hat. Das macht die Arbeit viel leichter. Und das hat auch Auswirkungen auf das nächste Jahr.

Inwiefern?

Der Haushalt muss ein Gemeinschaftswerk werden, wir stehen vor großen Herausforderungen. Wir haben eine Schieflage, die Einkommenssteuer ist uns im letzten Quartal eingebrochen, die aktuellen Zahlen sind deutlich schlechter als erwartet. Wir werden uns als Verwaltung mit den politischen Gremien zusammensetzen und nach Lösungen suchen.

Der Haushalt 2022 war bereits auf Kante genäht. Dann brach der Krieg in der Ukraine aus. Wie hat das die Lage für Ahnatal verändert?

Erst mal hat das gar keine Auswirkungen auf uns gehabt. Aber so, wie es war, wird es nicht mehr sein, auch im nächsten Jahr. Wenn ich über Notfallpläne spreche, Wärmeräume und Ähnliches, habe ich auch persönliche Sorgen.

Gab es denn Nachzahlungen?

Wir haben so viele Projekte im Haushalt, die noch gar nicht angefasst worden sind, daran können wir uns gut abarbeiten.

Was waren die größten Herausforderungen für die Gemeinde 2022?

Die größte Herausforderung war die Situation um die Kindergärten in Ahnatal. Wir haben da noch viel vor uns und das beschäftigt uns weiterhin sehr. Die Ist-Situation ist, dass wir einen hohen Krankenstand bei den Mitarbeitern haben und wir auch noch den Neubau vor der Brust haben. Zudem leiden wir wie alle Kommunen unter Personalmangel bei den Erziehern.

Können Sie trotzdem allen Kindern einen Platz zusichern?

Ja, momentan können wir allen Kindern einen Platz sichern, trotz der Probleme.

Sie hatten gleich im ersten Jahr als Bürgermeister einen Herzinfarkt. Eigentlich wollten Sie danach mehr auf sich achten, das Pensum etwas runterschrauben. Ich vermute: 2022 hat Ihnen dazu keine Gelegenheit gegeben.

Nein, das geht momentan gar nicht. In diesem Job nimmt man oft abends Gedanken mit ins Bett, schläft auch mal unruhig. Also habe ich versucht, mir ein Ritual anzulegen, um täglich kurz Kraft zu sammeln. Mittags mache ich 15 Minuten Power-napping zu Hause. Dann bin ich wieder da. Das kann ich jedem nur empfehlen. Dieses Ritual habe ich trotz allem in diesem Jahr beibehalten.

Sie suchen händeringend nach Personal, die Arbeitsbelastung ist durch vakante Stellen extrem hoch. Wie versuchen Sie, neue Mitarbeiter zu gewinnen?

Wir haben jetzt einige neue Kollegen eingestellt, zum Beispiel Tief- und Hochbauingenieure für das Bauamt. Das macht es uns eine ganze Ecke leichter und bringt ein bisschen Entspannung. Ab April ist auch die Büroleitung wieder besetzt.

Was sind denn die größten Herausforderungen für das kommende Jahr?

Zuallererst die Kindergärten, dahinter kommen direkt die Stahlbergbaude, die Digitalisierung und die Umsetzung der Gemeinde-App. Da wollen wir jetzt rangehen. Das macht den Zugang zu unseren Dienstleistungen einfacher. Die App soll eine Kommunikationsplattform sein und eine Vernetzung zu den einzelnen Abteilungen herstellen.

Seit Jahren hat Ahnatal zwei größere Baustellen: den Neubau der Stahlbergbaude und die Sanierung der Kita Königsfahrt in Weimar. Ist die Umsetzung dieser Projekte in der derzeitigen Lage überhaupt noch möglich?

Die Frage ist: Wie finanziert man das eigentlich? Wir haben bei der Stahlbergbaude erheblich abgespeckt im Vergleich zu den Originalplänen. Ich habe jetzt den FTSV Heckershausen und die politischen Gremien mit eingebunden. Wir machen es kleiner und kompakter, um die Kosten im Griff zu behalten. Wir müssen bis 2026 fertig sein, um die Förderung zu bekommen.

Und was ist mit der Kita Königsfahrt?

Es muss dieses Jahr klappen, wir haben nicht mehr die Zeit, es länger hinauszuziehen. Da hängt das eine mit dem anderen zusammen. Die Ausschreibung für die Container läuft. Im Sommer müssen wir aus der Helfensteinschule raus mit der Außengruppe, weshalb wir im Sommer mit dem Umbau beginnen müssen. Dann kommen alle Gruppen in die Container.

Kann die Gemeinde einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen?

Das ist, wie vorhin gesagt, die große Herausforderung an uns alle. Deshalb nehme ich die politischen Gremien mit ins Boot. Was lassen wir weg und was können wir uns noch leisten? Wir müssen Punkt für Punkt alles durchgehen. Wo haben wir noch Möglichkeiten, den einen oder anderen Euro einzusparen? Aber, wir müssen auch weiterhin in die Infrastruktur investieren. Es gilt also, kritisch zu überprüfen und alles gemeinsam zu betrachten.

Sie haben auch andere ambitionierte Ziele, zum Beispiel den Ausbau der Radwege-Infrastruktur. Wird die Gemeinde dafür noch Geld haben?

Wir haben gerade eine Förderung vom Land über 750 000 Euro bekommen. Diesen Ausbau werden wir also auf jeden Fall machen. Da wird nicht gespart. Wenn ich so eine große Förderung bekomme, muss ich mich auch als Gemeinde beteiligen.

Es war ein hartes Jahr. Wie sammeln Sie Kraft für die Aufgaben, die vor Ihnen liegen?

Ich muss sagen, es ist immer wieder eine Motivation zu sehen, wie viele Dinge noch zu machen sind. Es ist ein Traum zu gestalten und ein wirklich toller Job. Aber manchmal komme ich auch an meine Grenzen. Ich gehe zum Ausgleich immer noch zum KSV Hessen Kassel und regelmäßig ins Sportstudio, das tut mir auch richtig gut. Aber manchmal habe ich eine Sieben-Tage-Woche, die muss man sich abgewöhnen. Trotzdem: In so einer kleinen Gemeinde ist es im Rathaus auch ein bisschen wie Familie, das ist auch schön.

Wie verbringen Sie die Zeit zwischen den Jahren, wenn das Rathaus geschlossen ist?

Da bin ich bei meinen Kindern eingeladen. Das ist Familienzeit. Da kann ich gut auftanken.

Die Gemeinde Ahnatal ist in diesem Jahr 50 Jahre alt. Was wünschen Sie ihr für die kommenden 50 Jahre?

Auf jeden Fall ist es ganz wichtig, dass der Frieden erhalten bleibt, nicht nur der große in der Welt, sondern der kleine in der Gemeinde. Dass alle Leute sich darauf besinnen, wie gut es uns geht und das wertschätzen. Das Unbeschwerte ist den Menschen in den vergangenen Jahren mehr und mehr verloren gegangen, das macht mir Sorge, und ich schließe mich da auch mit ein.

Wie wird Ahnatal in 50 Jahren aussehen?

Wir werden die Digitalisierung vorangetrieben haben. Und ich hoffe, dass die Natur so erhalten bleibt und nicht alles mit Zement zugeschüttet ist. Mit unserer Energiegenossenschaft werden wir hoffentlich einen Beitrag zu einer guten Zukunft für unsere Kinder leisten. Ich würde mir wünschen, dass es so aussieht wie jetzt. Das soll keinen Stillstand bedeuten. Aber Ahnatal ist ein erhaltenswerter, schöner Ort.

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