HNA-Wahlforum

Ahnatals Bürgermeisterkandidaten diskutieren: Kitas sorgen für erhitzte Gemüter

Am 1. November wird in Ahnatal, Helsa und Vellmar ein neuer Bürgermeister gewählt. In dieser Woche stellen sich die Kandidaten bei einem Wahlforum den Fragen der Redaktion und der Leser – coronabedingt in anderer Form als beim Lesertreff.

HNA-Wahlforum: Die Moderatorinnen Amira El Ahl (links) und Alia Shuhaiber (rechts) mit den Ahnataler Bürgermeisterkandidaten (von links) Michael Goldbach (Bündnis 90/Die Grüne), Amtsinhaber Michael Aufenanger (CDU) und Stephan Hänes (SPD).

Ahnatal – Wann werden die Radwege in Ahnatal ausgebaut? Wo wird demnächst gebaut? Wie geht es weiter mit der Kinderbetreuung? Insbesondere bei dieser Frage wurde beim Wahlforum im HNA-Pressehaus hitzig diskutiert. Den Fragen der Leser, sowie von Redaktionsleiterin Alia Shuhaiber und Redakteurin Amira El Ahl stellten sich Michael Aufenanger (CDU), Stephan Hänes (SPD) und Michael Goldbach (Grüne).

Stahlbergbaude

Grünen-Kandidat und CDU-Bürgermeister verteidigten den Beschluss ihrer Fraktionen, die Vereine an den Sanierungskosten zu beteiligen. Goldbach sagte, wie auch der Kommune stehe ihnen die Möglichkeit offen, Fördermittel zu beantragen. „Wir haben schlicht eine Finanzierungslücke“, sagte Aufenanger. „Es ist ein realistischer Beschluss.“ Jetzt müsse es darum gehen, Wege zu finden, die Kosten zu senken. „Ich bin wirklich erstaunt und ziemlich betrübt, dass man so mit den Vereinen umgeht“, konterte Hänes. Sie hätten nicht mit so einem Beschluss überrascht werden dürfen. Das seien sie auch nicht, entgegnete Aufenanger. Auf die Frage, wie man denn nun die Vereine dazu bringen könnte sich zu beteiligen, hatte auch Jurist Goldbach keine Antwort.

Radwege

Seit drei Jahren gibt es in Ahnatal ein Radwegekonzept. Allzu viel passiert ist seitdem nicht. Das musste auch Amtsinhaber Aufenanger zugeben. Allerdings: „Fördermittelanträge sind ziemlich kompliziert gestrickt.“ Immer wieder käme es zu Verzögerungen, etwa wenn plötzlich und ohne ersichtlichen Grund eine Machbarkeitsstudie gefordert werde. „Ohne Fördermittel geht es aber nicht.“ Goldbach sagte, es liege auch am „Zuständigkeitswirrwarr“. Wie Hänes forderte er zusätzliche Arbeitskraft für das Thema im Rathaus. Wo das Geld dafür herkommen solle, fragte eine der Moderatorinnen. „Da muss man mal die Fördertöpfe genauer sichten“, sagte Goldbach. „Entweder man macht es mit Herzblut oder man lässt es“, sagte Hänes. Einiges müsste man einfach mal pragmatisch angehen, etwa das Wegstück Im Kreuzfeld herzurichten. „Es ist immer leicht zu sagen, man muss was machen“, entgegnete Aufenanger.

Kita-Situation

„Ahnatal steht im Vergleich zu anderen Kommunen gut da“, sagte Aufenanger. In den vergangenen drei Jahren habe man 86 Plätze geschaffen. Die Kita Königsfahrt sei grundsätzlich in Ordnung, aber natürlich müsse man etwas tun. Daher sei eine Sanierung angedacht. Hänes dagegen favorisiert einen Neubau. Der könne momentan günstig kreditfinanziert werden. Neben dem baulichen ist auch die Trägerschaft hoch umstritten. Goldbach setzt sich dafür ein, dass künftig ein freier Träger die Betreuung der Kinder von sechs Monaten bis zwei Jahren übernimmt. Eine Idee, die viele Unterzeichner eines Bürgerbegehrens ablehnen. Aufenanger sagte, man werde die Außenstelle in der Helfensteinschule im Sommer schließen und eine Lösung für die dort betreuten Kinder haben. Hänes kritisierte den Umgang mit dem aus formal-rechtlichen Gründen gescheiterten Bürgerbegehren. Inhaltlich müsse man sich damit auseinandersetzen. Die Entwicklung der letzten Jahre habe man im Rathaus verschlafen.

 Jugendliche, Senioren

„Bei den Anlaufstellen für Jugendliche ist noch Luft nach oben“, sagte Goldbach. „Eine Halfpipe fände ich schick“, sagte Hänes. Laut Aufenanger gibt es bereits tolle Angebote, wie das Café Klatsch, die BMX-Anlage und den Bühl. Außerdem würden viele Ahnataler das Angebot in Kassel nutzen. Hänes plädierte dafür, dass in den Ortsteilen die Seniorentreffs wiederbelebt werden. Außerdem müsse man im Bereich Barrierefreiheit viel machen. Ähnlich sah das auch Goldbach. Aufenanger gab zu bedenken: „Wenn es politisch gewollt ist, können wir das alte Rathaus barrierefrei machen. Dann müssen wir aber auch priorisieren und darüber sprechen, was wir finanziell nicht machen können.“

Neubaugebiete

Goldbach plädiert für Innenverdichtung, statt mit Neubaugebieten Flächen zu versiegeln. Da gebe es Potenzial. Aufenanger sieht den Bedarf an Neubaufläche. Aber es gebe Hindernisse, etwa den Ankauf von Grundstücken und den komplizierten Prozess. So sei man an der Elfbuchenstraße schon zur Baureife gekommen, bis zu hohe Immissionswerte das Vorhaben stoppten. „Wohnraum für junge Familien und altersgerechtes Wohnen zu schaffen ist in Ahnatal ein größeres Problem als der soziale Wohnungsbau“, sagt Aufenanger. Außerdem habe man Flächen definiert, wo gebaut werden könnte, die Pläne lägen aber noch beim Zweckverband Raum Kassel. Hänes befürwortete die Idee, dass der Kreis eine eigene Gesellschaft für den sozialen Wohnungsbau gründet.

Von Michaela Pflug

Rubriklistenbild: © Andreas Fischer

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