Weitere Tiere könnten folgen 

Kormoran macht Anglern am Bühl in Ahnatal Konkurrenz

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Seit Tagen ein häufiger Gast am Bühl: Der Kormoran geht dort nicht nur auf Fischjagd, sondern beobachtet auch interessiert die zahlreichen Badegäste. 

Am Bühl in Ahnatal hat sich ein Kormoran eingenistet. Er ist ein erfolgreicher Fischer und macht den Anglern am Freizeitsee Konkurrenz. 

Das Jagdglück winkt offenbar dem Fischer mit der besseren Technik: Während ein Angler neben dem in den Bühl senkrecht abfallenden Basaltfelsen geduldig darauf wartet, dass mal ein Fisch anbeißt, schaut er zur Mitte des Sees, wo ein „Kollege“ erfolgreicher ist. Ein großer Vogel mit schwarz-braunem, metallisch glänzendem Gefieder, taucht – unbeeindruckt von den Schwimmern im See –unter. 

Er bleibt gefühlt mehr als eine Minute unten, taucht dann mit einem Fisch im Hakenschnabel auf, den er in Sekundenschnelle verschluckt. Gleich wiederholt sich die Szene. Und wieder ist der Vogel erfolgreich. Ein talentierter Fischejäger – allem Anschein nach ein Einzelgänger – hat sich den beliebten Badesee in Ahnatal-Weimar als Revier gewählt.

Frage an den Vorsitzenden des Fischerei-Sportvereins Ahnatal, Gerhard Truderung: Ist das ein Kormoran? Truderung ist vorsichtig: Ja, das Tier habe er auch schon gesichtet. Es sei „kormoranverdächtig“. Aber Kormorane seien in der Regel in Gruppen unterwegs. 

Markus Dietrich, Vorsitzender der Kreisgruppe Kassel des Nabu, und Erhard Hirdes, Vorsitzender der Kreisgruppe Kassel des Verbands Hessischer Sportfischer, sind sich nach der Sichtung von Fotos sicher, dass es sich um einen Kormoran handelt. Es sei ein ausgewachsener Vogel, meint Dietrich.

Kormorane, Angler und Fischer. Das ist eine Jahrhunderte währende Geschichte der Konflikte, die bis heute andauert. Die Fischer sahen und sehen dabei den Vogel als zuweilen gefährliche Konkurrenz. Früher wurde er intensiv bejagt, weiß Dietrich. „Es ist schlichtweg so, dass Kormorane die besseren Jagdstrategien haben, woran sich Angler häufig stören.“ Truderung sieht auf Anfrage für den Fischerei-Sportverein momentan kein Problem. Es handele sich wohl nur um einen Vogel. 

Gewisse Einbußen dürften aber dennoch die Folge sein. Ein Kormoran, Vogel des Jahres 2010 – der laut Bundesnaturschutzgesetz zu den besonders geschützten Arten zählt – vertilge pro Tag im Schnitt 500 Gramm Fisch, sagt Hirdes. Ob es wirklich so viel ist, ist allerdings nicht unbestritten. Hirdes berichtet, dass vor etlichen Jahren ein Schwarm von 100 Kormoranen einen Fischteich bei Guxhagen innerhalb von zwei Tagen leergefischt habe. 

Auch in der Fulda und in der Diemel würden Kormorane jagen. Man habe eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss einer begrenzten Zahl von Vögeln erwirkt. Auch am Buga-See habe man viel mit Kormoranen zu tun, heißt es vom Verband Hessischer Fischer.

Aus Sicht des Nabu seien Kormorane nur problematisch, wenn sie die Existenz von Berufsfischern bedrohten, sagt Dietrich. Dann müsse man darüber nachdenken, die Tiere zu vertreiben. Ob Kormorane am Bühl zu einem ernsthaften Problem werden können, ist ungewiss. Wenn es bei einem Vogel bleibe, wohl nicht, sagt Hirdes. Es gebe aber Schwärme, die zunächst einen „Späher“ aussendeten, um nach lohnenden Fischgründen zu suchen. Dietrich ist sicher, dass es am Bühl nur ein Einzelgänger ist.

Kormorane überfischen Flüsse

Wie groß die Population von Kormoranen ist und ob eine Notwendigkeit besteht, die Bestände zu dezimieren, darüber gehen die Meinungen zwischen Naturschutzverband Nabu und Fischern auseinander: Der Kormoran sei in den 1980er-Jahren in Hessen fast ausgerottet gewesen, sagt Markus Dietrich vom Nabu. Inzwischen gebe es einen stabilen Bestand. 

Rainer Hennings, Vizepräsident des Verbands Hessischer Fischer und im Hauptberuf Gewässerökologe, beobachtet dagegen seit 2005 einen stetigen Anstieg des Bestands und sieht Handlungsbedarf. Eine „verträgliche Einregulierung“ der Bestände sei nötig. „Die Fließgewässer sind bereits hoffnungslos überfischt“, sagt er. Hennings beklagt, dass das Land Hessen hohe bürokratische Hürden für die Einzelgenehmigung von Abschüssen aufgebaut habe. 

Mit aufwendigen, teuren Gutachten müssten Fischer nachweisen, dass durch die Kormorane bedrohte Fischarten in Gefahr gerieten. In vielen anderen Bundesländern gebe es großzügigere Regelungen. Das EU-Parlament habe bereits vor Jahren eine deutliche Reduzierung der Bestände gefordert. Die Umsetzung lasse auf sich warten.

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