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Kreisbauern Kassel über die Lage zum 75-jährigen Bestehen

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Von: Michaela Pflug

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Feierten 75 Jahre Kreisbauernverband Kassel: Karsten Schmal (Präsident des Hessischen Bauernverbandes), Erich Schaumburg (Vorsitzender KBV Kassel) und Regierungspräsident Mark Weinmeister.
Feierten 75 Jahre Kreisbauernverband Kassel: Karsten Schmal (Präsident des Hessischen Bauernverbandes), Erich Schaumburg (Vorsitzender KBV Kassel) und Regierungspräsident Mark Weinmeister. © Michaela Pflug

Seit 75 Jahren vertritt der Kreisbauernverband Kassel nun schon die Interessen der Landwirte – besonders gegenüber Politikern und Beamten. Das wurde nun in Ahnatal gefeiert.

Ahnatal – Seit 75 Jahren vertritt der Kreisbauernverband Kassel (KBVK) nun schon die Interessen der Landwirte – besonders gegenüber Politikern und Beamten. Von diesen waren am Freitag viele unter den etwa 120 Menschen, die in der Halle des Hof Homburg in Ahnatal saßen. Dort feierten die Mitglieder des KBVKs ihr Jubiläum, aber appellierten auch an die Anwesenden, sich für die Landwirtschaft und damit die Ernährung der Menschen einzusetzen. Dabei ging es etwa um Strukturwandel, Flächenverbrauch und landwirtschaftliche Realität.

Die war 1947 eine andere als heute, erklärte der Vorsitzende Erich Schaumburg. „Früher war es üblich, dass die Betriebe, inklusive Misthaufen, mitten im Dorf waren.“ Das sei irgendwann nicht mehr gewollt gewesen. Auch die Hausschlachtung sei inzwischen in Räume verbannt, die Landwirtschaft immer unsichtbarer geworden. Mit der Zeit sei so der Blick für die Realität von Nahrungsmittelproduktion verloren gegangen. Ein Punkt, wo man mit Bildung und Aufklärung ansetzen müsse.

Heute hat der KBVK, der 2002 aus dem Zusammenschluss der Verbände Kassel und Wolfhagen entstand, rund 1100 Mitglieder. „Deutlich weniger als früher“, sagte Schaumburg. Gleichzeitig bewirtschafte man größere Flächen. Ein Zeichen für Intensivierung und Strukturwandel in Nordhessen, wo große Unternehmen Job-Alternativen zur Landwirtschaft boten. Wie man diesen Beruf attraktiv halte, sei eine der großen Fragen. Genauso wie die Frage, wie man Flächenverbrauch verhindere.

Das Thema griff auch Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands auf. „Flächen sind nicht vermehrbar“, mahnte er. Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Tierwohl seien auch Landwirten wichtig. Um sie umzusetzen, brauche es aber realitätsnahe Politik und Geld, insbesondere in Anbetracht gestiegener Betriebsmittelpreise. „Um den steigenden Ansprüchen der Gesellschaft zu entsprechen, braucht es faire Entlohnung.“

Er fand auch lobende Worte für den KBVK, der mit großer personeller Kontinuität und guter Zusammenarbeit trotz sehr unterschiedlicher Geografie aufwarte.

Regierungspräsident Mark Weinmeister zeigte Verständnis für die Sorgen der Landwirte. „Ernährung zu sichern, ist auch in meinem Interesse. Schließlich will ich mein Gewicht halten“, sagte er schmunzelnd. Wenn man bedenke, dass ein Landwirt in den 60er-Jahren im Schnitt 17 und heute 140 Menschen ernähre, zeige das die Effizienzsteigerung. Gleichzeitig aber verdiene ein Bauer heute nicht achtmal so viel. Es sei schwer, Nachwuchskräften zu vermitteln, dass sie Nahrung produzieren sollten, wenn diese Arbeit wenig gewürdigt werde. Weinmeister nahm den Konsumenten in die Pflicht: „An der Kasse wird abgestimmt.“

Einen Ausgleich zwischen wirtschaftlicher und kommunaler Entwicklung, Naturschutz, Energiegewinnung und Landwirtschaft zu finden, sei auch für seine Behörde schwierig. „Am Ende muss es immer Kompromisse geben.“ Umso wichtiger seien Gespräche und Menschen, die vorangehen und sich engagieren.

Von diesen wurden zum Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung noch drei mit der Silbernen Ehrennadel des KBVK für mehr als 20 Jahre Ehrenamt ausgezeichnet: Matthias Göbel, Heinrich Gerhardt und Hans-Hilmar von der Malsburg.

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