Weltweite Erfolge

Künstler Henrik Langsdorf kämpft mit Kunst gegen Rassismus

Kunst am Betonpfeiler: Henrik Langsdorfs Videoinstallation „Ville Fantôme/Kinshasa La Belle“ wurde auf der Congo Biennale in Kinshasa gezeigt und war bei den Lichtinstallationen am Weinberg in Kassel zu sehen.
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Kunst am Betonpfeiler: Henrik Langsdorfs Videoinstallation „Ville Fantôme/Kinshasa La Belle“ wurde auf der Congo Biennale in Kinshasa gezeigt und war bei den Lichtinstallationen am Weinberg in Kassel zu sehen.

Henrik Langsdorf lebte lange in New York und hat sich als Künstler im Kongo einen Namen gemacht. Nach seiner Rückkehr nach Nordhessen startete er ein ungewöhnliches Kunstprojekt.

Ahnatal – Die geografische Lebenslandkarte von Henrik Langsdorf erstreckt sich über drei Kontinente. Er hat 20 Jahre in New York gelebt, seine Kindergartenjahre in Kairo verbracht und zuletzt in Kinshasa im Kongo gelebt und gearbeitet. Aufgewachsen aber ist er in Ahnatal, und dorthin hat es den Künstler im April vergangenen Jahres auch wieder verschlagen, wo seine Mutter nach wie vor lebt.

Wie bei so vielen Menschen war es die weltweite Pandemie, die dazu führte, aber für den 57-Jährigen hatte dieser temporäre Umzug, der nun schon anderthalb Jahre dauert, auch viel Gutes.

Denn Langsdorf, der international in den Bereichen Kunst im öffentlichen Raum, Videoinstallation und Design arbeitet, hat in dieser Zeit unter dem Titel „Blind Spots In The Sun“ eine Reihe von Kunstinterventionen ins Leben gerufen, die sich mit Kolonialismus und Rassismus in Deutschland beschäftigen.

Schon im Kongo hatte er sich mit der deutschen Kolonialgeschichte auseinandergesetzt und war dabei auf den Namen Rudolf Duala Manga Bell gestoßen, König der Duala, einer ethnischen Gruppe in Kamerun. Manga Bell protestierte friedlich und mit den Mitteln des deutschen Rechtsstaats gegen die deutschen Kolonialherrscher, wurde später von den Deutschen wegen Hochverrats vor Gericht gestellt und erhängt. Bis heute wurde er nicht rehabilitiert.

Die Geschichte ließ Langsdorf nicht mehr los. Als er im April 2020 gemeinsam mit seiner Frau und Tochter mit einer der letzten Maschinen aus Kinshasa ausflog und in Ahnatal ankam, hatte er plötzlich viel Zeit und am Waldrand von Heckershausen vor allem kreative Ruhe, sich diesem Herzensthema zu widmen.

Im Arbeitszimmer seines gestorbenen Vaters entwickelte er unter anderem einen Plakatwettbewerb, bei dem sich schwarze Künstler mit dem Thema Rassismus auseinandersetzten. Die Ergebnisse waren in der Kasseler Innenstadt zu sehen. Und er organisierte eine prominent besetzte Podiumsdiskussion, zu der auch eigens die Urenkeltochter des Königs, Marylin Duala Manga Bell, eingeflogen wurde. Zur Premiere zeigte Langsdorf seine Videoinstallation „Blind Spots in the Sun: Rudolf Duala Manga Bell – eine deutsche Geschichte“. Zudem ist eine Ausstellung in Planung, die im Oktober in Kassel gezeigt werden soll.

Marylin Duala Manga Bell war auch in die Entwicklung des kuratorischen Konzepts eingebunden, denn Langsdorf sagt: „Ich wollte mich nicht als weißer Mann hinstellen und das Thema Rassismus verhandeln.“ Dabei setzt er sich schon seit seiner Jugend mit diesem Thema auseinander. Mit 14 schenkte er seinen Eltern, beides Studenten von Arnold Bode und Kunstpädagogen, einen „illustrierten Katalog der Grausamkeit der Menschen“, wie Langsdorf das Objekt nannte. Darin ging es um Rassentrennung, Apartheid, Auschwitz und Massentierhaltung. „Ich habe früh angefangen, mich mit den schwierigen Themen der Menschheit auseinanderzusetzen“, sagt Langsdorf.

In seinen Jahren in New York waren es vor allem die amerikanische Politik, der alltägliche Rassismus und die Polizeigewalt, die ihn politisierten. „Die Entwicklung in den USA hat mich sehr wütend gemacht und aufgeheizt.“ Seine Frau, die aus Liberia stammt, sei in ihrer Heimat praktisch ohne Rassismus aufgewachsen. „Sie hat ein viel robusteres Selbstverständnis als Schwarze, die in einer weißen Mehrheitsgesellschaft aufwachsen sind mit dem Gefühl, Menschen zweiter Klasse zu sein“, sagt Langsdorf. Aber natürlich habe auch sie im Alltag Rassismus erlebt, sei sogar davor gewarnt worden, nach Amerika zum Studium zu gehen.

In zwei Wochen ist seine Zeit in Ahnatal erst einmal zu Ende. Er habe die Zeit genossen, sagt Langsdorf, ebenso wie seine Frau, die über viele Monate aus Heckershausen heraus die weltweit größte Blauhelm-Mission der UN als Stabschefin leitete. Mittlerweile ist sie in Nairobi, wo nun vorerst der Lebensmittelpunkt der Familie sein wird.

Aber spätestens im Oktober wird Langsdorf für „Blind Spots In The Sun“ zurück nach Ahnatal kommen. Neben seiner Mutter lebt hier nämlich auch sein Cutter Julian Emig, den er durch das Projekt kennengelernt hat. „Für ihn würde ich aus jedem Winkel der Welt wieder hierherkommen, er war ein absoluter Glücksgriff.“

Um die Arbeit für das Projekt weiterführen zu können, sucht Langsdorf noch nach Sponsoren. Weitere Informationen unter: blindspotsinthesun.org/presse (Amira El Ahl)

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