Er hat große Ziele

Nach zwölf Jahren verlässt Ahnatals Bürgermeister Michael Aufenanger das Rathaus

Verabschiedet sich aus dem Rathaus: Nach zwölf Jahren als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde sucht Michael Aufenanger nun neue Herausforderungen.
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Verabschiedet sich aus dem Rathaus: Nach zwölf Jahren als Bürgermeister seiner Heimatgemeinde sucht Michael Aufenanger nun neue Herausforderungen.

Nach zwölf Jahren auf dem Chefsessel im Ahnataler Rathaus scheidet mit Michael Aufenanger der erste CDU-Bürgermeister der Gemeinde aus dem Amt.

Ahnatal – Der Schreibtisch ist geräumt und die Ernennungsurkunde an seinen Nachfolger hat er bereits in der vergangenen Woche ausgehändigt. Man könnte auch sagen: Eine Ära geht zu Ende.

Als er ins Amt gewählt wurde, war das eine kleine Sensation. Ein 31-jähriger Christdemokrat, den manche den „Obama Ahnatals“ nannten, hatte die seit zwölf Jahren amtierende SPD-Bürgermeisterin mit fast 60 Prozent aus dem Amt gefegt. Aber so spektakulär die Wahl des Polizeibeamten damals auch war, seine Abwahl war spektakulärer.

Aufenanger bekam zwar immer noch die Hälfte der Wählerstimmen, sein Herausforderer von der SPD, Stephan Hänes, aber genau so viele. Am Ende musste das Los entscheiden. Es gibt nicht wenige, die diesen Moment historisch nennen, denn selbst erfahrene Polit-Profis hatten das noch nicht erlebt. Der Losentscheid machte dann auch bundesweit Schlagzeilen.

Aufenanger hat zwar mit diesem ungewöhnlichen Wahlausgang abgeschlossen, wie er sagt, aber natürlich habe er sich geärgert, schließlich habe er den Job weitermachen wollen. „Ich bin Sportler – wenn man im Wettstreit ist, dann will man auch gewinnen.“ Trotzdem schaut er nicht im Ärger zurück. „Es war eine Ehre, in meinem Ort so ein Amt bekleiden zu dürfen.“ Und er zieht eine positive Bilanz der vergangenen zwölf Jahre.

„Es hat sich in der Zeit viel getan, wir haben unheimlich viele Themen abgearbeitet“, sagt der 45-Jährige. Er nennt Klimaschutz, die Digitalisierung der Gemeinde und den Straßenausbau als Beispiele, aber auch Großprojekte wie die Sanierung des Gemeindezentrums Heckershausen und der Stahlbergbaude, die auf den Weg gebracht wurden. „Die Chancen, die sich für die Gemeinde ergeben haben, haben wir konsequent genutzt“, sagt Aufenanger. „Derzeit akquirieren wir Fördermittel in einer Dimension wie nie zuvor.“

Aber natürlich ist nicht alles optimal gelaufen, das gibt Aufenanger zu – das sei schließlich nie der Fall. Viele Beobachter sind sich einig, dass es der monatelange Streit um die Kinderbetreuung in Weimar war, der ihm die Wiederwahl gekostet hat, und er die Wut der Eltern unterschätzt hat.

Rückblickend glaubt Aufenanger aber nicht, Fehler gemacht zu haben. „Ich bin immer noch überzeugt, dass der Weg, den wir jetzt gehen, für alle der beste ist.“ Allerdings hätte man besser kommunizieren müssen, warum das so ist. Denn im Gegensatz zu dem, was kolportiert wurde, habe die Gemeinde neue Betreuungsplätze geschaffen. „In Ahnatal hat grundsätzlich immer jedes Kind einen Platz gehabt.“

Man sieht ihm an, dass diese Debatten und die Anstrengungen der vergangenen Monate an ihm gezehrt haben. Über 21 Jahre war er nun in der Kommunalpolitik aktiv. „Das war immer eine Herzensangelegenheit“, sagt er. Man könnte annehmen, dass er es nun erst einmal langsam angehen lässt, mehr Zeit für seine Frau, die drei Töchter und Hund Easy haben möchte.

Aber lang wird die Pause nicht sein. Denn im September geht er für die CDU ins Rennen um den Bundestagswahlkreis 168. Er weiß, dass den Wahlkreis noch nie ein CDU-Kandidat direkt gewonnen hat. Aber das schreckt den Hobby-Läufer nicht – die Situation kennt er aus Ahnatal nur zu gut. „Ich glaube immer an meine Chance, auch wenn es Außenseiterchancen sind.“

Sollte es dann am Ende doch nicht reichen für den Bundestag, hat Aufenanger längst einen Plan B in der Hinterhand: Seit 2007 organisiert sein Vater Winfried Aufenanger den Kassel-Marathon, und das Wochenende ist im Terminkalender der Familie Aufenanger seither rot angestrichen. Alle helfen mit, sogar die Kinder übernehmen bereits Aufgaben. Der Marathon ist eine Familien-Angelegenheit, bei der kein Aufenanger fehlen will. „Aber als Bürgermeister konnte ich keinen permanenten Beitrag leisten“, sagt Michael Aufenanger. Das könnte sich jetzt ändern.

Mit 45 Jahren ist alles noch möglich. Oder wie Ewald Griesel, der zwölf Jahre Aufenangers Stellvertreter war, zu dessen Verabschiedung so schön sagte: „Die Welt, obgleich sie wunderlich, hält Vieles noch bereit für Dich.“ (Amira El Ahl)

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