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Kopfüber auf dem Rad: Nordhessen beim Herkules- und Bezirkspokal erfolgreich

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Die junge Garde des RSC-Weimar-Ahnatal: Clara Henkel (von links), Ilian Schmauch, Romy Günther, Julia Ehrenberg, Ylvi Juraschka, Ivy Juraschka, Simon Harbs, Leni Exner, Johanna Trott und Hanna Ehricke.
Die junge Garde des RSC-Weimar-Ahnatal: Clara Henkel (von links), Ilian Schmauch, Romy Günther, Julia Ehrenberg, Ylvi Juraschka, Ivy Juraschka, Simon Harbs, Leni Exner, Johanna Trott und Hanna Ehricke. © Pia Malmus

In Ahnatal wurde der Bezirkspokal des Radsportbezirks Kassel und der Herkulespokal des RSC Weimar-Ahnatal im Kunstradfahren ausgetragen. Wir waren dabei.

Ahnatal – Schreie und Pfiffe durchbrechen auf der Stahlberg-Kampfbahn in Ahnatal die herbstliche Idylle aus warmem Sonnenlicht und bunt gefärbten Blättern, während Jugendliche versuchen, das Runde ins Eckige zu befördern. Auf dem Weg in die Sporthalle dagegen fällt vor allem eines auf: Ruhe. Kein Getöse, kein Gebrüll. Und trotzdem ist klar: Hier geht es heute um etwas.

Anspannung liegt in der Luft. Die Konzentration der jungen Sportlerinnen ist spürbar. Nacheinander begeben sie sich mit ihrem Rad mit dem auffällig nach oben gebogenen Sattel in das von grünen Banden begrenzte Rechteck inmitten der Halle. Ein Knicks nach rechts zu den fünf Frauen mit ernster Mimik – dem Kampfgericht. Ein weiterer Knicks Richtung Tribüne. Los geht’s.

Ein Knicks Richtung Kampfgericht, einer zur Tribüne. Geschafft.

Leise ertönt Musik von Adele, Charlotte Aufenanger bringt ihr blau-weißes Rad in Bewegung. Dabei ist sie ganz bei sich, der Blick nach unten gerichtet. Fünf Minuten bleiben ihr nun, ihr Können, verpackt in eine Choreografie aus 30 Übungen, zu präsentieren. Mit einem Bein tritt sie kräftig in die Pedale. Dann stellt sie sich auf den Lenker ihres Rads, die Arme streckt sie vom Körper weg. Wieder zurück auf den Sattel.

Beim ersten Wettkampf nach einem Fußbruch: Charlotte Aufenanger.
Beim ersten Wettkampf nach einem Fußbruch: Charlotte Aufenanger. © Malmus, Pia

Nun positioniert die 13-Jährige ihre linke Schulter auf dem Rahmen, hält sich am Lenker fest und streckt beide Beine senkrecht in die Luft. Zurück in die Ausgangsposition und wieder Schwung holen. So geht es weiter, bis sie schließlich anhält. Ein Knicks Richtung Kampfgericht, einer zur Tribüne. Geschafft.

Der letzte Wettkampf dieser Saison war für die meisten nur Training

In der Sporthalle Rasenallee wurde an diesem Wochenende der Bezirkspokal des Radsportbezirks Kassel und der Herkulespokal des RSC Weimar-Ahnatal im Kunstradfahren ausgetragen. Neben Aufenanger, die als eine von fünf hessischen Kadersportlerinnen bei den Schülerinnen U15 angetreten ist, waren unter anderen auch Vizehessenmeisterin Johanna Trott, (U11), Lokalmatador und Hessenmeister Ilian Schmauch, Ivy Juraschka (beide U13) sowie die Hessenmeisterinnen Elea Becker und Mareike Hangebruch im Zweier-Kunstradfahren der Juniorinnen dabei.

Obwohl der letzte Wettkampf dieser Saison für die meisten von ihnen nur Training ist, war die Aufregung vor dem Auftritt groß: „Mir standen die Schweißperlen auf der Stirn. Letzte Nacht habe ich sogar vom Kunstradfahren geträumt“, sagt die elfJährige Ivy, die erst vor gut einem Jahr mit dem Sport angefangen hat. Fast schon ein alter Hase ist dagegen die achtjährige Johanna, die schon ihr halbes Leben Kunstrad fährt – und einiges drauf hat, wie sie stolz zeigt.

Groß unter den Kleinen: Vizehessenmeisterin Johanna Trott.
Groß unter den Kleinen: Vizehessenmeisterin Johanna Trott. © Malmus, Pia

Den Frontlenkerstand, den auch Charlotte bei ihrem Auftritt gezeigt hat, kann die Achtjährige schon – „den lernt man eigentlich erst mit zehn oder elf“, sagt Mareike Hangebruch. Die 16-Jährige tritt im U19-Zweier mit der 18 Jahre alten Elea Becker an. „Zu zweit ist es einfach schöner – man ist nicht alleine“, sind sie sich einig.

„Es gibt nur blaue Flecken, die nie wieder weggehen, weil immer neue hinzukommen“

Als klassische Musik erklingt, ist das Duo an der Reihe. Die Partnerin noch kurz in den Arm genommen, geht es auch schon los. Anmutig fahren beide synchron innerhalb des mit weißer Linie begrenzten acht Meter großen Kreises – bis Elea kurz die Kontrolle verliert und stürzt. Schnell wieder rauf aufs Rad, doch nur wenig später gibt es ein Déjà-vu: ein zweiter Sturz.

Als ihr Auftritt vorbei ist, blicken beide mit verzerrtem Blick zu ihrer Trainerin, Mareike bringt mit einem Biss auf die Lippen noch ein gequältes Lächeln hervor – Zufriedenheit sieht anders aus. Verletzt hat sich aber zum Glück keine der beiden, auch während zehn Jahren Kunstradfahrens nicht ernsthaft. „Es gibt nur blaue Flecken, die nie wieder weggehen, weil immer neue hinzukommen“, sagt Mareike.

Ilians Auftritt lief dagegen besser. Dass der Zwölfjährige zwischen den vielen Mädchen direkt auffällt, stört ihn nicht, wie er sagt. Sein Ziel, eine neue Bestleistung zu erzielen, hat er in Ahnatal erreicht. Am Ende des Tages werden Johanna Trott, Charlotte Aufenanger und Ilian Schmauch Erste in ihren Altersklassen, Ivy Juraschka belegt Platz zwei. Weil Elea Becker und Mareike Hangebruch nach einer Absage als einziger Zweier bei den U19-Juniorinnen angetreten sind, belegen auch sie trotz ihrer Patzer den ersten Platz. (Lea-Sophie Mollus)

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