Lage nach Bränden und Überschwemmung in Griechenland weiter kritisch

Nordhessen spendet für Euböa – Transport startet in Kassel

Dimitrios Kitsu vor dem Transport mit den Hilfsgütern.
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Auf den Weg nach Griechenland: Die von Geert Platner organisierten Spenden gehen über eine Spedition nach Euböa. Am Weinzentrum Schluckspecht von Dimitrios Kitsu (Foto) werden die Spenden fertig verpackt abgeholt.

Die Lage auf Euböa ist nach den Bränden und Überschwemmungen im Spätsommer weiter kritisch. Schon vor Monaten hatte der Ahnataler Geert Platner die Menschen in der Region zu Spenden aufgerufen. Nun startet der zweite Transport nach Griechenland.

Kreis Kassel – Es ist Zentimeterarbeit, bis der Gabelstapler alle fünf Paletten in den Lkw geschoben hat. 120 Kartons darauf sind voll mit Kleidern, Bettwäsche, Spielzeug, Kuscheltieren und Hygieneartikeln bepackt. Es sind Spenden, die der Ahnataler Geert Platner mit einem Aufruf in der gesamten Region aufgetrieben hat.

Die Hilfsgüter sollen nun in der Oberzwehrener Straße in Kassel am Weinzentrum des Griechen Dimitrios Kitsu in den Lastwagen verladen werden. Sie sollen in Griechenland ankommen, wo auf der Insel Euböa im Sommer verheerende Waldbrände Häuser zerstörten und die Menschen kurz danach mit Überschwemmungen zu kämpfen hatten.

Eine Palette nach der anderen wird passgenau in den Lastwagen gepuzzelt. In einer Palette steckt ein Kissen hinter der Zellofanfolie, eine Packung Windeln ist zu sehen, auf der nächsten Palette liegen noch zwei Infusionsständer oben drauf. „Es kann nichts kaputt gehen“, ruft Kitsu dem Gabelstaplerfahrer zu. „Es ist kein Wein.“

Kitsu, der Geschäftsführer von Schluckspecht, arbeitet schon lang mit Platner zusammen, um die Spenden nach Griechenland zu bringen. Seit sechs Jahren sammelt der ehemalige Ahnataler Lehrer privat Hilfsgüter für ein Krankenhaus.

Als im Sommer die Wälder auf der griechischen Insel Euböa brannten, widmete er nach Rücksprache mit dem Krankenhaus die Spenden um und rief erneut auf, zu spenden. Mit einer Organisation hatte der Ahnataler bisher nicht zusammengearbeitet, nur mit dem Weinhändler Kitsu, der beim Transport unterstützte. An seinem Weinzentrum hat Kitsu auch dieses Mal die gesammelten Kartons verpackt und hilft nun beim Verladen.

Geert Platner ist überwältigt von so viel Resonanz. Wie berichtet, ging vor kurzem der erste Transport in Richtung Süden.

Die Kosten, um die Spenden von Menschen aus der Region nach Griechenland zu bringen, versuchen die Organisatoren so gering wie möglich zu halten. Beim ersten Transport ist dafür ein Teil der Geldspenden verwendet worden. Auch die Weinhandlung Schluckspecht beteiligt sich daran. „Wir wollen so wenig wie möglich von den Geldspenden dafür verbrauchen, sagt Kitsu.

Weil Platner nicht in eine Organisation eingebunden ist, muss er den Transport selbst stemmen und die Verteilung vor Ort organisieren. Dieses Mal hat dabei auch der Zufall geholfen. 150 Kilometer von Kassel entfernt, im unterfränkischen Wildflecken, hat Gerardo del Rio Romero den Zeitungsbericht gelesen und darin seinen alten Klassenlehrer erkannt. Der gelernte Speditionskaufmann griff zum Hörer, meldete sich bei Platner und fragte, wie er helfen kann. Über Kontakte hat er eine deutsche Spedition gewonnen, die den Transport für niedrige Frachtpreise übernimmt, schildert der 55-Jährige im HNA-Gespräch. Damit ist Platners größtes Problem gelöst: Die Finanzierung des zweiten Spendentransports.

Auch für die Verteilung hat Platner eine Lösung gefunden. „Die beiden Pfarrer in Prokopi haben noch immer alle Hände voll zu tun, unsere erste Hilfslieferung an die Bedürftigen zu verteilen – ich konnte sie unmöglich mit diesem zweiten Transport belasten“, sagt Platner. Nun hat er „O topos mou“ gefunden, eine Bürgerinitiative in der griechischen Stadt Katerini, die schon viel für Euböa getan habe. „O Topos mou“, was übersetzt mein Ort heißt, wird die Kartons in Griechenland in Weihnachtspäckchen für Familien verwandeln. (Valerie Schaub)

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